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24.04.2013

09:35 Uhr

Bankgeschäft und Internet

Die Sparkassen suchen den Anschluss

VonMartin Dowideit, Sebastian Ertinger

Die Kanzlerin kommt, der Bundesbank-Chef ebenso: Zum Sparkassen-Tag mischt sich in Dresden viel Prominenz unter Branchenvertreter, die sich internetaffin geben. Mit dem Netz stehen die Kassen aber noch auf Kriegsfuß.

Die Sparkasse Saarpfalz kommt mit dieser rollenden Bus-Filiale in Orte, die keine feste Geschäftsstelle haben. dpa

Die Sparkasse Saarpfalz kommt mit dieser rollenden Bus-Filiale in Orte, die keine feste Geschäftsstelle haben.

DüsseldorfVor einigen Wochen platzte Stephan Ziegler der Kragen. Auf einer Bankenkonferenz in Frankfurt sprach der Chef der Nassauischen Sparkasse Klartext – die Internetpräsenz der öffentlichen Institute stört ihn. „Eine evolutionäre Entwicklung genügt nicht, die Sparkassen brauchen Quantensprünge“, sagte Ziegler, wie die Börsen-Zeitung berichtete. 72 Prozent der Tagesgeldkonten würden im Internet abgeschlossen, Girokonten bereits in der Hälfte der Fälle.

Es ist nicht allzu lange her, da betrachteten Sparkassen-Vorstände das Internet als ein Phänomen „das auch wieder vorbei gehen würde“ – wie hinter vorgehaltener Hand gerne erzählt wird. Doch die Hoffnung ist mittlerweile gestorben, Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon hat deshalb das Projekt „Sparkassen Web 2.0“ eingeläutet. Die Appelle des ehemaligen bayerischen Finanzministers kommen aber spät, denn der Aufholbedarf der Sparkassen ist enorm. Und ein Großteil der Kunden erledigt zumindest einen Teil ihrer Bankgeschäfte schon woanders.

Ideen der Sparkassen rund um das Internet

Sparkasse Frankfurt

Die Sparkasse in der Bankenmetropole geht in Sachen Internet-Strategie weiter als andere Häuser. Sie hat eine eigene Direktbank mit mehr als einer halbe Million Kunden unter dem eigenen Dach: 1822 direkt.

Sparkasse Göttingen

Jugendliche und junge Erwachsene will die Sparkasse Göttingen mit einem neuen Filialtyp locken. Die ist auch samstags geöffnet und es werden dort Fußballspiele übertragen oder zu Cocktailpartys geladen. Und zwischendurch kann die Web-2.0-Generation etwas über Sparpläne und Altersvorsorge erfahren.

Sparkasse Hanau

Seit Sommer vergangenen Jahres gibt es bei der hessischen Kasse zwei Online-Beraterinnen. Diese sollen Online-Kunden betreuen und etwa Interesse für Bankprodukte dieser 35.000 Kunden erkennen. Der Dienst beschränkt sich aber darauf, die Sparkasse auch per sozialen Netzwerken wie Facebook, Xing und auch per E-Mail erreichbar zu machen. (Hier geht's zum Selbstdarstellungsvideo)

Sparkasse KölnBonn

Die regionale Nähe versucht die Sparkasse KölnBonn durch Online-Banking im Dialekt ins Internet zu transferieren. So ist die Kasse „op kölsch“ und „ob bönnsch“ im Internet zu erreichen – und das ist keine Spielerei: „Dat es all real un läuf av noh däm kölsche Gesetz 'Wat fott es, es fott!'“

Denn es gibt sie, die Sparkassen-Chefs, die vor wenigen Jahren von den Mitarbeitern ermahnt werden müssen, doch zumindest ihre eigenen Überweisungen nicht per Hand auszufüllen, sondern die Online-Überweisung zu nutzen. Dass diese Männer (wie es in den allermeisten Fällen noch sind) nicht vor Web-Innovationen sprudeln, versteht sich von selbst.

Die Sparkassen stehen vor einer großen Herausforderung, wie Oliver Mihm von der Managementberatung Investors Marketing beschreibt: „Sparkassen haben ein klassisches, filialbasiertes Geschäftskonzept“, so Mihm. Kunden kamen jahrelang für fast alle Bankgeschäfte in die Filiale, sei es um beraten zu werden oder auch für einfache Transaktionen. Das Problem: „Gehen Sie durch die Stadt, ist die Sparkasse an jeder Ecke präsent und Sie werden aufmerksam. Surfen Sie im Netz, ist das nicht so – die Kunden werden dort nicht von Sparkassen in ausreichendem Maße mit konkreten Angeboten adressiert.“

Die größten Sparkassen Deutschlands

Die Sparkasse Bremen AG

Mit einer Bilanzsumme von 10,7 Milliarden Euro (2011) ist die Sparkasse Bremen die zehntgrößte Sparkasse in Deutschland. In dem kleinen Bundesland arbeiten 1.558 Menschen bei der Sparkasse.

Ostsächsische Sparkasse Dresden

Die Sparkasse in der sächsischen Landeshauptstadt kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 11,8 Milliarden Euro. Bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden arbeiten 1.708 Angestellte in 142 Filialen.

Nassauische Sparkasse

2011 kam die Nassauische Sparkasse mit Sitz in Wiesbaden auf eine Bilanzsumme von 11,9 Milliarden Euro. Sie kommt auf 225 Filialen - so viele wie keine andere Sparkasse.

Stadtsparkasse Düsseldorf

Mit einer Bilanzsumme von 12,1 Milliarden Euro liegt die Stadtsparkasse Düsseldorf auf Rang 7.

Sparkasse Hannover

Die Sparkasse Hannover ist die sechstgrößte Sparkasse in Deutschland. Das Geldhaus in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat 2011 eine Bilanzsumme von 12,8 Milliarden Euro ausgewiesen.

Stadtsparkasse München

Die Stadtsparkasse München ist – wenig überraschend – das größte Mitglied des Sparkassenverbands Bayern. Deutschlandweit reicht es mit einer Bilanzsumme von 15,7 Milliarden Euro für Rang fünf.

Frankfurter Sparkasse

Die viertgrößte Deutsche Sparkasse liegt in Hessen. Die Frankfurter Sparkasse kommt auf eine Bilanzsumme von rund 17,9 Milliarden Euro - mit 1.718 Mitarbeitern. In München sind es zum Vergleich 3083 Angestellte.

Kreissparkasse Köln

Die Kreissparkasse Köln auf Rang drei knackt als erste die Marke von 20 Milliarden Euro. Im Jahr 2011 hat sie eine Bilanzsumme von rund 25,2 Milliarden Euro ausgewiesen.

Sparkasse KölnBonn

Rang zwei geht nach Köln. Die Sparkasse KölnBonn ist mit 29,6 Milliarden Euro (2011) noch ein bisschen größer als die Kreissparkasse Köln.

Hamburger Sparkasse

Mit Abstand die größte Sparkasse in Deutschland ist die Hamburger Sparkasse. Die Haspa kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 39,5 Milliarden Euro. Sie hat auch die meisten Angestellten aller Sparkassen - 5724 Mitarbeiter.

Dass es mit der Netzkompetenz der Sparkassen nicht so weit bestellt ist, hatte die Sparkasse Passau vor anderthalb Jahren unter Beweis gestellt. Als sich eine Bloggerin über die Qualität der Dienstleistungen beschwerte, schickte der Marketing-Chef einen Brief statt ebenfalls den Kontakt per Kommentarfunktion oder sozialen Medien zu suchen. Er setzte ungefragt einen Termin an, um die Vorwürfe bei einem Gespräch zu klären – in der Filiale.

Kommentare (8)

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Hellbat

24.04.2013, 09:52 Uhr

Das ist jetzt zwar off-topic.
Als ich die Seite des Handelsblatts gerade besuchte war ich mir nicht sicher, ob ich nicht vielleicht doch auf der FedEx-Seite gelandet bin.

Werbung schön und gut, aber das finde ich schon etwas übertrieben...

hagenvontronje

24.04.2013, 10:11 Uhr

Die FINANZ hat das Sagen, wo sie zusammen kommt, kriechen wir Politis an und labsalmen uns in einem Eurorettungscheinerfolg, sie (Banken/Sparkassen) sind ja unsere modernen Tools, wo nun alles konsequent digitalisiert und das Bargeld abgeschafft werden soll, damit die kleinen Leute DORT über ein Wochenende enteignet werden können!!

NWO

24.04.2013, 10:26 Uhr

Am besten die ganze Welt ausnahmslos WEBfähig ( WEB steht für ein Spinnennetz - www, nicht wwn ) machen
Dann werden Menschen nicht kaum mehr gebraucht, welche für Menschen arbeiten...
Wer dann noch - und vor allem WIE Geld verdienen soll, ist fraglich.
Autos z.B. kaufen keine Autos.
Wenn es nach unsern "Volksvertretern" geht, sind wir alle bald Sklaven und voll beherrschbar/manipulierbar
Im Zuge einer NEUEN WELTORDNUNG.......

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