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12.04.2006

18:46 Uhr

Bankhaus Berenberg

Hanseatische Tugenden

VonGregory Lipinski

Das Bankhaus Berenberg gehört mit einer Bilanzsumme von 2,3 Mrd. Euro und einem verwalteten Vermögen von zwölf Mrd. Euro zu den mittelständischen Privatbanken in Deutschland. Das klingt wenig spannend. Doch wer das traditionsreiche Institut betritt, taucht in eine andere Welt ein.

HAMBURG. Der „Neue Jungfernstieg“ ist eine der teuersten Straßen an der Hamburger Binnenalster. Hier reihen sich alte Kaufmannshäuser im Patrizierstil aneinander – dazu zählt das „Vier Jahreszeiten“, eine der besten Hoteladressen der Welt.

Doch ein zehnstöckiges Gebäude stört die Reihe. Es wirkt wie ein Krankenhaus im Stil der 70er- Jahre: Die Fensterrahmen sind schnörkellos, die weißlackierte Fassade trist, die einzelnen Etagen werden von schwarzen Metallstreben unterbrochen. Es ist der Sitz der ältesten Privatbank der Welt: der Berenberg Bank.

Wer aber die traditionsreiche Bank betritt, taucht in eine ganz andere Welt ein. Die Geschäftsräume und Flure des Hauses, das die Bank von dem Versicherungsriesen Axa gemietet hat, wirken wie das Abziehbild aus einem längst vergangenem Jahrhundert: Getäfelte Wände im feinsten Mahagoni, edle Ledersessel und eine alte Standuhr zieren den Eingang.

An einer der Wände hängen die Gemälde von zwei Inhabern der Privatbank: Johann Hinrich Gossler und Johann Berenberg, die im 17. Jahrhundert die Geschicke des Hamburger Geldhauses leiteten. Von den beiden Gründern der Bank fehlt allerdings jede Spur: „Leider gibt es von Hans und Paul Berenberg keine Gemälde“, bedauert Claus-Günther Budelmann, einer der persönlich haftenden Gesellschafter des Instituts.

Dennoch prägen die beiden Brüder, die vor allem Tuchhandel sowie Im- und Exportgeschäfte betrieben, bis heute den Stil der Bank. Dazu gehören vor allem die hanseatische Zurückhaltung sowie ein ruhiger Managementstil: „Wir sind in den letzten Jahren organisch gewachsen und streben auch künftig an, auf diesem Weg unser Geschäft auszubauen“, sagt Budelmanns Partner Hans-Walter Peters. „Bei Übernahmen oder Fusionen besteht die Gefahr, dass man sich nur noch mit sich selbst und den unterschiedlichen Unternehmenskulturen beschäftigt und sich zu wenig um die Kunden kümmert“, setzt Budelmann hinzu.

Berenberg gehört heute mit einer Bilanzsumme von 2,3 Mrd. Euro und einem verwalteten Vermögen von zwölf Mrd. Euro zu den mittelständischen Privatbanken in Deutschland. Sie steht auf vier Säulen: Private sowie Investment-Banking, Asset-Management sowie Corporate Banking. Die Vermögensverwaltung ist ein Garant für den Erfolg: Im jüngsten Fuchs-Report schaffte es das Geldhaus bei der Qualitätsbewertung an die erste Stelle, der Kölner Konkurrent Sal. Oppenheim rutschte hingegen auf Platz fünf ab.

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