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18.06.2015

09:49 Uhr

Bankrun und die Krise in Griechenland

Griechen horten Milliarden unter Kopfkissen

Seit Januar haben Griechen fast 30 Milliarden Euro bei ihren Banken abgehoben – allein am Mittwoch fast eine Milliarde Euro. Davon sollen sie das meiste zu Hause aufbewahren. Für die Banken ist das ein großes Problem

Die Geldautomaten sind begehrt – das meiste Geld geben die Griechen derzeit aber wohl nicht aus, sondern legen es zu Hause beiseite. Reuters

Geldautomat in Athen Ende Mai

Die Geldautomaten sind begehrt – das meiste Geld geben die Griechen derzeit aber wohl nicht aus, sondern legen es zu Hause beiseite.

AthenDie Regierung in Athen hat Gerüchte dementiert, wonach in Kürze sogenannte Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland verhängt werden sollen. „Auf keinen Fall wird es Kapitalkontrollen geben. Die Geldeinlagen sind gesichert und das Banksystem ist stark“, sagte der griechische Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis am Donnerstag dem griechischen Fernsehsender Mega.

Allerdings heben Kunden Bargeld in Mengen ab und horten es wohl zu Hause. Für die Geldhäuser ist das ein Problem, da Einlagen für Banken generell eine wichtige Finanzierungsquelle sind. Auch wegen des Mittelabflusses sind die griechischen Banken auf Nothilfe-Kredite (ELA) der Europäischen Zentralbank angewiesen. Diese waren am Mittwoch erneut verlängert und um 1,1 Milliarden Euro auf 84,1 Milliarden Euro angehoben worden.

Griechenlands Bankenlandschaft

Die wichtigsten Banken

In Griechenland gibt es vier große Geldhäuser - die National Bank of Greece, die Piraeus Bank, die Eurobank und die Alpha Bank. Sie stehen für rund 95 Prozent des Marktes. Ihr Börsenwert liegt zusammengefasst bei 8,6 Milliarden Euro. Das entspricht 21 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung an der griechischen Börse. Bank-Aktien haben in Athen seit Jahresbeginn wegen des sich verschärfenden Schuldenstreits mit den internationalen Geldgebern rund die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.

Einlagen

Die Einlagen von privaten Haushalten und Unternehmen bei griechischen Banken betrugen Ende Februar 140,5 Milliarden Euro - 12,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Allein von Dezember bis Februar wurden Guthaben im Volumen von 25,4 Milliarden Euro abgezogen. Wegen der Abflüsse waren die Geldhäuser gezwungen, verstärkt Notfall-Hilfen (ELA) ihrer heimischen Notenbank und direkte Liquiditätsspritzen der EZB in Anspruch zu nehmen.

Finanzierung durch das Eurosystem

Die Finanzierung griechischer Banken durch die EZB, bei der Sicherheiten verlangt werden, hatte Ende März ein Volumen von 38,67 Milliarden Euro. Die ELA-Hilfen durch die Athener Notenbank summierten sich zudem auf 68,6 Milliarden Euro. Hellas-Banken nutzen diesen Weg verstärkt, seitdem die EZB sie ab Mitte Februar von der direkten Finanzierung ausgeschlossen hat. Die EZB hatte damals eine Sonderregel gekippt, die griechischen Banken bis dahin erlaubte, auch bonitätsschwache Staatsanleihen des Landes als Pfand für frisches Zentralbankgeld zu hinterlegen.

Die Versorgung über ELA-Hilfen der Athener Notenbank ist für Banken teurer als die direkte Finanzierung durch die EZB. Zuletzt hatte die EZB eine Aufstockung des ELA-Rahmens um 1,5 Milliarden auf 75,5 Milliarden Euro genehmigt.

Sicherheiten

Griechische Banken setzen bei der Liquiditätsversorgung als Sicherheiten unter anderem Staatsanleihen, kurzfristige Geldmarktpapiere (sogenannte T-Bills), von der Regierung garantierte Bank-Anleihen und Kredite ein. Die Banken besaßen im Februar solche Pfänder im Umfang von zusammen rund 50 Milliarden Euro. Inzwischen ist dieser Puffer auf rund 40 Milliarden Euro gesunken.

Griechische Staatsanleihen

Hellas-Banken haben rund fünf Milliarden Euro in griechische Staatsanleihen investiert. Das entspricht nur 1,4 Prozent ihrer Bilanzsumme. Darüber hinaus besitzen sie kurzfristige T-Bills im Volumen von rund 3,5 Milliarden Euro. Aktuell wird für bonitätsschwache griechische Papiere, welche die Banken als Pfänder für ELA-Hilfen einsetzen, nach Angaben von Bankern und Analysten aus Sicherheitsgründen ein Wertabschlag (Haircut) von 32 bis 35 Prozent vorgenommen.

Am Mittwoch hatte die Zentralbank Griechenlands bekanntgegeben, dass die Bürger und Unternehmen des Landes in den ersten fünf Monaten des Jahres 29,4 Milliarden Euro von ihren Konten abgehoben haben. Damit fielen die Geldeinlagen in Griechenland auf rund 128 Milliarden Euro. Mit Kapitalverkehrskontrollen soll der Geldabfluss beschränkt werden.

Der größte Teil der abgehobenen Gelder - rund 20 Milliarden - blieben im Lande und seien vermutlich in Safes und Truhen versteckt, berichtete die griechische Presse. Der Trend hält an: Allein am Mittwoch wurden schätzungsweise 950 Millionen Euro abgehoben, berichteten griechische Rundfunksender unter Berufung auf Bankenkreise.

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Um ELA-Kredite zu erhalten, reichen die Institute griechische Staatspapiere oder vom Staat garantierte Bankanleihen als Pfänder bei ihrer heimischen Notenbank ein - nicht bei der EZB. Diese finanziert Hellas-Banken seit einigen Monaten nicht mehr direkt, da sie griechische Papiere mit schwacher Bonität nicht mehr akzeptiert. Die ELA-Hilfen werden aber von der EZB genehmigt, die inzwischen wöchentlich über den Gesamtrahmen für diese Notkredite entscheidet. So hält sie den Druck auf die griechische Regierung aufrecht, mit den Kreditgebern des Landes eine Lösung im Schuldenstreit zu finden.

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Kommentare (11)

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Herr Werner Wilhelm

18.06.2015, 10:22 Uhr

Um es nochmal deutlich zu sagen: Die EZB haftet für die ELA-Kredite nicht. D.h. ob diese zurück bezahlt werden oder nicht, kann uns wurscht sein.

Auch wenn die griechische Zentralbank Gelder aus ELA-Krediten über Target II nach Deutschland überweist, entsteht dadurch, im Gegensatz was Herr Prof. Sinn dieser Tage hier auf Handelsblatt Online geschrieben hat, kein Schuldverhältnis.

Aber dass Zentralbanken mit der gleichen Währung gegenseitig keine Forderungen aufbauen ist schwierig zu verstehen und dem komplexen Thema "Fiat Money" geschuldet. ;-)

Herr M. M.

18.06.2015, 10:23 Uhr

Ich lasse auch keine nennenswerten Beträge mehr auf meinen Konten stehen,oder überziehe sie zu stark.
Banken spüren mittlerweile den Wind,der ihnen entgegen weht.Gut so!

Herr a p

18.06.2015, 10:39 Uhr

...und mit den milliarden euro nach dem grexit wirds in drachmen noch ne ganze weile gemütlich

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