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22.07.2016

17:24 Uhr

Banküberfälle

Immer mehr Geldautomaten werden gesprengt

VonElisabeth Atzler

Die Serie gesprengter Geldautomaten reißt auch 2016 nicht ab. In Nordrhein-Westfalen steigt die Zahl der Fälle sogar. Die Polizei sucht verzweifelt nach den Tätern. Die Banken versuchen, sich vor den Attacken zu schützen.

Immer wieder werden Geldautoamten gesprengt. Nordrhein-Westfalen ist dabei besonders betroffen, in diesem Jahr sogar noch mehr als 2015. Die Täter leiten ein Gasgemisch in die Automaten und bringe diese zur Explosion. dpa

Gesprengter Geldautomat

Immer wieder werden Geldautoamten gesprengt. Nordrhein-Westfalen ist dabei besonders betroffen, in diesem Jahr sogar noch mehr als 2015. Die Täter leiten ein Gasgemisch in die Automaten und bringe diese zur Explosion.

FrankfurtZuletzt traf es den Kölner Stadtteil Gremberghoven. An einem Mittwoch Mitte Juli um 4 Uhr nachts sprengten Unbekannte einen Geldautomaten und konnten mit der Beute entkommen. Es war nicht der erste Überfall in dem Stadtteil. Während Deutschland im EM-Halbfinale gegen Frankreich spielte, schlugen die Täter gegen 22 Uhr bei einer Sparda-Bank zu.

Erste Zahlen deuteten darauf hin, dass es in diesem Jahr noch mehr Fälle von Bankautomatensprengungen gibt als 2015. Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen registrierte seit Jahresbeginn bereits 80 Fälle, in denen die Täter einen Geldautomaten gesprengt oder dies versucht haben, sagte ein Sprecher auf Anfrage. 2015 waren es im gesamten Jahr nur 67 Sprengungen. Nordrhein-Westfalen, das bevölkerungsreichste Bundesland, ist besonders stark von den Überfällen betroffen.

Die Farbbeutel-Methode: Vor- und Nachteile

Methode

Im Falle eines Sprengangriffs werden Farbpatronen im Geldautomaten ausgelöst, die das Geld mit Tinte bespritzen und es folglich entwerten.

Installation

Ein Geldautomat ist ähnlich wie ein Kopierer aufgebaut. Statt einzelnen Papierfächern enthält ein solcher Automat mehrere geschlossene Kassetten, in denen Banknoten in verschiedenem Wert platziert sind. Folglich muss jede Kassette mit einer Farbpatrone ausgestattet werden. Ein Automat ist in der Regel mit vier bis sechs Kassetten gefüllt. Das System ist allerdings insgesamt rotierend: Falls eine Kassette leer ist, muss sie aufgefüllt werden. Das geschieht meist außerhalb der jeweiligen Bankfiliale. Daher müssen die Ersatzkassetten, die dann eingesetzt werden, ebenfalls eine Patrone besitzen.

Kosten

Pro Patrone rechnen Experten mit einem Listenpreis von 800 bis 1000 Euro. Zusätzlich fallen in längeren, unregelmäßigen Abständen Wartungs- und Austauschkosten an. Wenn man sich für dieses System entscheidet, sollte man alle Kassetten befüllen.

Vorteil

Die Umsetzung dieser Präventionsmaßnahme ist vergleichsweise einfach und auch die Wartung hält sich in Grenzen. Außerdem ist sie nicht nur gegen Gas, sondern gegen jede weitere Form der Sprengung wirksam – zum Beispiel auch, wenn Täter versuchen, den Tresor mithilfe von mechanischem Werkzeug zu knacken.

Nachteil

Die teils massive Zerstörung der Einrichtung kann durch die Patronen nicht verhindert werden. Insider vermuten, dass das Geld trotz der Farbbeutel nicht völlig wertlos ist. So würden etwa einige Zigarettenautomaten die Noten erkennen. Auch von einem „Markt für entwertetes Geld“ im Ausland ist die Rede.

Bewährungsprobe bestanden

In den westlichen Nachbarländern sind die Fallzahlen deutlich gesunken, seit viele Institute auf Farbbeutel setzen. Dazu gibt es sogar in Belgien und Frankreich gesetzliche Vorschriften, in den Niederlanden tun das die meisten Banken freiwillig. Folglich machte sich NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) im Spätherbst öffentlich für eine Umsetzung in Deutschland stark.

Etwa 200 normale Raubüberfälle auf Banken gibt es jedes Jahr in Deutschland. Die Gefahr, dabei geschnappt zu werden, ist groß – und die Beute mitunter gering. Anders sieht es bei den Sprengungen von Geldautomaten aus. Im Jahr 2015 jagten Banden in Deutschland mehr als 140 Geldautomaten in die Luft. Immer nachts waren vor allem entlegene, einzelnstehende Automaten oder Vorräume ländlicher Filialen das Ziel, deshalb sind vor allem Sparkassen und Volksbanken betroffen. Die Beute kann bis zu 100.000 Euro betragen. Und meisten können die Täter entkommen. In NRW kommen sie zum Beispiel oftmals aus den Niederlanden und machen sich über die Autobahn aus dem Staub.

Gesprengte Geldautomaten: „Es sind Amateure – aber hochkriminelle Amateure“

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Eine Sprengserie, die ihresgleichen sucht: In Nordrhein-Westfalen flog zuletzt ein Geldautomat nach dem anderen in die Luft. 67 waren es 2015, bundesweit knapp 150. Die Behörden ermitteln – doch es geht immer weiter.

Dabei ist es ein Wunder, dass bisher noch niemand verletzt wurde – Bankkunden, Nachtschwärmer oder jemand im Haus, in dem der Geldautomat untergebracht ist. Denn die Täter gehen mit großer Gewalt vor. Sie kleben die Geldautomaten luftdicht ab, leiten ein Gasgemisch hinein und lösen eine Explosion aus.

Die frei gesprengten Geldkassetten laden die Gangster ins Auto und rasen davon – oft mit 200 Stundenkilometern und deutlich darüber. Selbst Polizeihubschreiber halten da nicht mit.

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