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03.07.2017

21:13 Uhr

Barclays, Credit Suisse und Morgan Stanley

Wieso Hedgefonds-Händler zu Banken zurückkehren

Lange ächzten die Banken unter den Folgen der Finanzkrise, während die Hedgefonds boomten. Doch langsam kehren die Händler zurück, die einst die Seiten wechselten. Das liegt unter anderem an Donald Trump.

Die britische Bank hat sich die Dienste des ehemaligen Hedgefondsmanager Chris Leonard gesichert. Reuters

Barclays

Die britische Bank hat sich die Dienste des ehemaligen Hedgefondsmanager Chris Leonard gesichert.

New YorkDie britische Bank Barclays stellte im Juni Chris Leonard ein. Eine Personalentscheidung, die aufhorchen ließ: Leonard arbeitete vor einem Jahrzehnt für JP Morgan, gründete aber danach zwei Hedgefonds. Jetzt soll er Barclays' US-Zinshandelsgeschäft auf die Sprünge helfen.

Von einem Hedgefonds zu einer Bank zu wechseln, dass wäre viele Jahre nicht als Karrieresprung durchgegangen. Mittlerweile scheint es ein normaler Schritt geworden zu sein: Ende vergangenen Jahres verließen die Ex-Banker Roberto Hoornweg und Chris Rivelli, beide von Brevan Howard Asset Management, den Londoner Hedgefonds und kamen zu Banken zurück. Denn Banken in New York und London sind ein Jahrzehnt nach der Finanzkrise wieder zu interessanten Arbeitgebern geworden – und könnten bald noch interessanter werden: Wenn US-Präsident Trump die regulatorische Belastung zurückschraubt, dürfen sie wieder mehr Eigenhandel betreiben. Und es gibt noch einen Punkt: Viele Makro-Hedgefonds verdienen einfach kein Geld mehr.

Klub der Hedgefonds-Milliardäre

George Soros

lm November machte das Gerücht über den Tod von George Soros die Runde. Doch der in Ungarn geborene Spekulant und Philanthrop, der erfolgreich gegen die Bank von England wettete, erfreut sich bester Gesundheit und rangiert auf Platz 25 der Reichenliste. So gut liegt kein anderer Manager eines Hedgefonds. Im November vergangenen Jahres war er bei seinen Goldinvestments ausgestiegen und hatte dadurch viel Aufmerksamkeit anderer Investoren auf sich gezogen.

Carl Icahn

Wer sich mit dem Starinvestor Carl Icahn anlegt, der hat einen schweren Stand. Das spürte Peter Hancock als Chef des Versicherungskonzerns AIG am eigenen Leib. Er verlor den Machtkampf gegen Icahn und musste gehen. Der 80-Jährige hatte Hancock zuvor vergeblich aufgefordert, seinen Konzern aufzuspalten. Mit dieser Methode hat der „harte alte Mann“ schon vielfach satte Gewinne erzielt.

Ray Dalio

Der von Ray Dalio gegründete Hedgefonds Bridgewater gleicht einem sozioökonomischen Experiment. In einer von manchen als sektenartig beschriebenen Kultur wird die Firma anhand von 210 Prinzipien geleitet. Ziel ist es, Emotionen wie Angst und Gier aus den Anlageentscheidungen herauszuhalten. Dass die Kultur nicht für jeden passt, zeigt der Abgang von Jon Rubinstein. Der designierte Nachfolger von Dalio ging bereits nach zehn Monaten wieder. Es fehlte einfach die Harmonie.

David Tepper

Mit seinem Hedge‧fonds Appaloosa zog David Tepper 2016 von New Jersey nach Miami Beach im Bundesstaat Florida und brachte damit die Steuerbehörde von New Jersey in Not. Denn Tepper spielt in der Liga der bestbezahlten Investmentgrößen weltweit. Nach seinem Abgang fehlten New Jersey Steuereinnahmen. Das Vermögen des 59-Jährigen wird auf elf Milliarden Dollar geschätzt.

„Im Schlussquartal oder im ersten Jahresviertel 2018 wird es mehr Personen geben, die von Hedgefonds zu Banken wechseln, um die bankeigenen Mittel zu steuern“, prognostiziert Jason Kennedy, Chief Executive Officer der Kennedy Group in London, die Banken und Hedgefonds bei Neueinstellungen berät. „Die Banken werden wieder attraktiver, was den Arbeitsplatz und das Gehalt angeht.“

Das liegt an der Erwartung, dass Donald Trump gut für Banker sein wird. In einem am 12. Juni veröffentlichten Bericht forderte das US-Finanzministerium die Bundesbehörden dazu auf, etliche Vorschriften zu überarbeiten, über die sich die Wall Street in den sieben Jahren seit Verabschiedung des Dodd-Frank-Gesetzes immer wieder beschwert hat. Darin wurde unter anderem gefordert, die jährlichen Stresstests – mit denen die Widerstandsfähigkeit der Banken im Falle eines Wirtschaftsabschwungs geprüft wird – abzumildern, ein paar Handelsregeln zu lockern und die Befugnisse der Aufsicht zu beschneiden, die das Verbraucherfinanzgeschäft kontrolliert.

US-Bankenregulierung: Trügerischer Trump-Traum

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Premium Trügerischer Trump-Traum

Das US-Repräsentantenhaus hat ein Gesetz beschlossen, das den Banken entgegenkommt, wenn sie im Gegenzug ihre Eigenkapitalquote auf mindestens zehn Prozent erhöhen. Doch im Senat gibt es Widerstand.

Unterdessen „wurde die Messlatte für die Hedgefonds-Welt im Laufe des vergangenen Jahres dramatisch erhöht“, so Kennedy. Hedgefonds stehen nach Jahren unterdurchschnittlicher Entwicklung und Aufruhr unter den Investoren zunehmend unter Druck, ihr traditionelles Modell einer Managementgebühr von zwei Prozent und einer Gewinnbeteiligung von 20 Prozent fallenzulassen.

Das aber schränkt ihre Fähigkeit ein, Talente einzustellen – und zu halten. Moore Capital Management von Louis Bacon, Tudor Investment, Och-Ziff Capital Management, Canyon Capital Advisors und Brevan Howard gehören zu den Vermögensverwaltern, die ihre Gebühren 2016 gesenkt haben. Im vergangenen Jahr wurden mehr Hedgefonds geschlossen als aufgelegt, und der Trend setzte sich Daten von Hedge Fund Research zufolge im ersten Quartal 2017 fort. „Es überrascht nicht, dass sich die Händler nach sicheren Häfen umschauen, und wenn die Banken mehr Handlungsspielraum haben, könnte ein Wechsel sinnvoll sein“, sagt John Purcell vom Führungskräfte-Headhunter Purcell & Co. in London.

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