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02.07.2012

19:55 Uhr

Barclays' Zinsmanipulationen

Britische Großbank bleibt im Kreuzfeuer

Der Rücktritt von Barclays-Verwaltungsratschef Marcus Agius wegen des Skandals um manipulierte Zinssätze hat bei Aktionären für Erleichterung gesorgt. Die Aktie zog am Montag an, dennoch bleibt die Bank unter Druck.

Eine Archivaufnahme zeigt die Zentrale der Barclays Bank in Canary Wharf im Osten Londons. dpa

Eine Archivaufnahme zeigt die Zentrale der Barclays Bank in Canary Wharf im Osten Londons.

Der weltweite Skandal um Zinsmanipulationen hat den ersten Top-Bankmanager seinen Job gekostet. Der Verwaltungsratschef der britischen Großbank Barclays, Marcus Agius, nahm am Montag seinen Hut. Die Angelegenheit habe dem Ansehen des Instituts enorm geschadet, erklärte Agius: "Ich werde hier nicht den Schwarzen Peter weiterreichen, sondern die Verantwortung übernehmen." Premierminister David Cameron sicherte die Einrichtung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses zu.

Vorstandschef Bob Diamond, der in dieser Woche wie Agius vor einem Parlamentsausschuss zu dem Skandal Rede und Antwort stehen muss, bleibt trotz des Rücktritts massiv unter Druck. "Die Verantwortung liegt bei Diamond, daher muss er diese auch übernehmen", sagte John Mann von der oppositionellen Labour-Partei. "Es gibt keinen Platz für Leute wie Diamond, wenn die Bankenbranche das Vertrauen in sich wiederherstellen will."

Barclays war vergangene Woche zu einer Strafe von fast einer halben Milliarde Dollar verdonnert worden, weil es die ermittelnden Behörden in Großbritannien und den USA als erwiesen ansahen, dass das Institut Marktzinsen manipuliert hat. Die Bank hat als erstes Geldhaus ein Fehlverhalten einiger Händler eingeräumt. An der Börse ging anschließend die Angst um, dass sich der Skandal ausweiten könnte. Am Montag erholten sich Finanzaktien aber wieder. Auch die zuletzt stark gebeutelten Barclays-Aktien zogen nach dem erwarteten Rücktritt des Managers um 3,4 Prozent an.

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In den seit Monaten laufenden Untersuchungen gegen mehr als ein Dutzend Großbanken, darunter auch die Deutsche Bank und die UBS, geht es um den Vorwurf der Manipulationen des weltweit gültigen Interbanken-Zinssatzes Libor. Dieser täglich in London fixierte Satz dient als Referenz für Kredite von Privatleuten und Unternehmen, Derivate sowie andere Finanzprodukte im Gesamtvolumen von 360 Billionen Dollar. Er basiert auf den Daten mehrerer Großbanken, die diese täglich abliefern.

Der Chairman der Barclays Bank, Marcus Agius, hat seinen Posten aufgegeben. Reuters

Der Chairman der Barclays Bank, Marcus Agius, hat seinen Posten aufgegeben.

Den Instituten wird vorgeworfen, dass sie von 2005 bis 2009 absichtlich falsche Angaben gemacht haben, um die eigenen Handelsgewinne in die Höhe zu treiben und die wahren Refinanzierungskosten zu verschleiern. Die britische Finanzaufsicht FSA machte am Montag deutlich, dass es sich bei Barclays nicht um einen Einzelfall handele. Außerdem forderte sie die Geldhäuser nach dem Vorfall auf, das öffentliche Vertrauen in die Branche wieder herzustellen.

Kommentare (4)

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Charly

02.07.2012, 22:12 Uhr

"Ich werde hier nicht den Schwarzen Peter weiterreichen, sondern die Verantwortung übernehmen."

Die aufgeflogene Manipulation entspricht ja wohl dem Tatbestand des Betruges.
Jeder Normalmensch wäre dafür längst hinter Gittern gelandet.

In Banksterkreisen tritt man halt einfach zurück.

Wann werden die Kerle eingesperrt?

CauchyVerteilungFragezeichen

02.07.2012, 23:30 Uhr

"In der vergangenen Wochen öffentlich gewordene Unterlagen zeigen, dass Barclays-Mitarbeiter fälschlicherweise davon ausgegangen sind, dass die Bank of England die falschen Zinsangaben erlaubt habe. Dieser Eindruck sei entstanden nach einem Gespräch Diamonds mit dem Vize-Gouverneur der Notenbank, Paul Tucker, sagten Insider." Nein, der "größte Aktionar" (der Staat) hat davon nichts gewusst! Hallo??? Wenn Privatbanker "so selbstlos" die Verantwortung übernehmen, wer steckt dann wohl dahinter und wird entlastet?!?

CauchyVerteilungFragezeichen

02.07.2012, 23:39 Uhr

Es gibt keine "Bankster", es gibt nur "bezahle Diebe" (mit "kleine Boni"), die man zum Klauen eingestellt hat, nachdem "die Polizei" (die Obrigkeit, der Staat) vorgegeben hat, das Klauen und Betrügen "ab jetzt" "erlaubt ist". Weil "er" 56% (oder so) Steuern auf alles "Geklaute" bekommt. Die "Bankster" sind auch nur Opfer (die übliche dummen kleinen Handlanger), von den wirklich Verantwortlichen wird wohl kaum einer gestehen oder vor dem Ausschuß auftreten!

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