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17.11.2016

14:44 Uhr

Baufinanzierung

Der Kredit, den es nicht gab

VonFrank Matthias Drost

Den Effekt statistisch nachzuweisen, fällt Bankverbänden schwer. Doch für Senioren und junge Familien soll es schwerer geworden sein, an Baudarlehen zu kommen. Die Banken erhöhen daher den Druck auf den Justizminister.

Vor allem für Senioren ist es wohl schwieriger geworden, Wohnkredite zu genehmigen. dpa

Bau eines Einfamilienhauses

Vor allem für Senioren ist es wohl schwieriger geworden, Wohnkredite zu genehmigen.

BerlinÄltere Menschen könnten nur noch schwer Kredite zum Wohnungs- oder Hauskauf; auch junge Familien stünden vor Problemen – so lautet ein vor allem von Sparkassen und Volksbanken vorgetragener Vorwurf an die Bundesregierung. Die Ursache für die Kreditbeschränkungen haben die Bankenverbände auch ausgemacht: eine im März eingeführte neue Regel zum Verbraucherschutz. Der Tenor der Kritik an dem Regelwerk: Gut gemeint, schlecht gemacht.

Die Crux ist, dass sich statistisch diese von den Lobbyisten vorgetragene Ungleichbehandlung kaum nachweisen lässt. Den Grund sieht der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) im Immobilienboom. Die negativen Effekte würden durch die insgesamt hohe Kreditnachfrage infolge des Niedrigzinsniveaus überlagert. „Anhand der aggregierten Zahlen zur Entwicklung der Kreditbestände, wie sie die Bundesbankstatistik regelmäßig aufführt, lassen sich die schädlichen Effekte nicht unmittelbar ablesen“, heißt es in einer Studie des BVR.

Welche Zusatzkosten Sie beim Hauskauf beachten müssen

Transaktionskosten

Wer beim Hauskauf nur mit dem Preis der Immobilie kalkuliert, kann am Ende eine böse Überraschung erleben. Denn oft kommen mit dem Erwerb weitere Kosten hinzu – die sogenannten Transaktionskosten. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat in der Studie „Wohn- und Immobilienmärkte in Deutschland 2016“ einen Leitfaden dazu mitgegeben, der auflistet, welche Zahlungen Immobilienkäufer neben dem Kaufpreis berücksichtigen sollten.

Grunderwerbsteuer

So muss jeder, der eine Immobilie kauft, neben dem Kaufpreis auch die Grunderwerbsteuer abführen. Seit 2006 legen die Bundesländer die Höhe selbst fest. In 14 Bundesländern liegt er zwischen 4,5 und 6,5 Prozent, in Bayern und Sachsen dagegen bei 3,5 Prozent. 2015 haben die Länder so 11,2 Milliarden Euro eingenommen, der Anteil an allen Ländersteuern beträgt damit mehr als 50 Prozent. Ausnahmen von der Grunderwerbsteuer können bei Schenkungen und Erbschaften vorliegen.

Notarielle Leistungen

Neben der Steuer muss bei einem Hauskauf zudem auch der Notar bezahlt werden. Diese Kosten für beispielsweise Erstellung des Kaufvertrags, Übertragung des Eigentums und die Zahlungsabwicklung sind gesetzlich festgelegt und bewegen sich bei einer Standardkonstellation im Bereich von etwa 0,8 und 1,2 Prozent des Objektpreises. Dabei gilt: Je teurer das Objekt, desto geringer die Rate.

Grundbuch

Das Neueintragen oder das Umschreiben des Grundbuches ist ein weiterer Kostenfaktor, mit dem Hauskäufer rechnen müssen. Auch diese Kosten sind gesetzlich festgelegt. Sie liegen – je nach Objektpreis – zwischen 0,4 und 0,6 Prozent des Kaufpreises.

Leistungen von Maklern

Nicht obligatorisch, aber dennoch sehr häufig muss auch ein Makler bezahlt werden. Zum Teil übernehmen diese auch Objektbewertungen und Preisverhandlungen. Schätzungen gehen davon aus, dass Makler bei knapp der Hälfte aller Verkäufe von selbstgenutzten Immobilien beteiligt sind. Die Provision richtet sich nach ortsüblichen Sätzen, ist aber auch verhandelbar. Die Maklervereinigung Immobilienverband Deutschland beziffert den gängigen Höchstsatz auf sechs Prozent des Kaufpreises zuzüglich Mehrwertsteuer. Das Bestellerprinzip, nach dem derjenige den Makler bezahlt, der ihn bestellt hat, gilt übrigens nur für Vermietungen.

Dennoch hat Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) den Ruf der Banken erhört. „Es darf nicht sein, dass gerade ältere Bankkunden wegen dieser EU-Richtlinie eventuell nur noch schwer einen Kredit erhalten“, hatte Maas am Wochenende der „Rheinischen Post“ gesagt. „Diese nicht gewünschte Wirkung gehört abgeschafft, und zwar schnell.“ Etwaige Rechtsunsicherheiten müssten beseitigt werden. „Wir sind mit dem Bundesfinanzministerium dazu in guten Gesprächen.“ Möglich sei, die Umsetzung der Richtlinie noch einmal anzupassen beziehungsweise auf dem Verordnungsweg oder über die Bankenaufsicht Bafin für mehr Klarheit zu sorgen.

Eine nicht repräsentative Umfrage des BVR unter 40 Genossenschaftsbanken war zum Ergebnis gekommen, dass der Anteil der Kredite, die im Zuge der Gesetzesänderungen nicht getätigt werden konnten, in den Monaten April bis September bei zehn bis 20 Prozent der neu vergebenen Darlehen gelegen habe. Der Immobilienboom wäre also noch ausgeprägter gewesen, als er es ohnehin schon ist.

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