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25.10.2012

16:43 Uhr

Bayern LB gegen Ecclestone

„Wenn sie verlieren, wird es sie nur Geld kosten“

Bernie Ecclestone soll den Ex-Risikochef der BayernLB bestochen haben. Die Landesbank will nun 400 Millionen Dollar vom Formel-1-Boss. Doch der stellt sich quer.

Bernie Ecclestone als Zeuge beim Gribkowsky-Prozess in München. dapd

Bernie Ecclestone als Zeuge beim Gribkowsky-Prozess in München.

MünchenDie BayernLB greift Formel-1-Chef Bernie Ecclestone an und fordert von ihm mehr als 400 Millionen Dollar. Deutschlands zweitgrößte Landesbank glaubt belegen zu können, dass sie beim Verkauf ihrer Beteiligung an der Rennsport-Serie Ende 2005 einen wesentlich höheren Preis hätte erzielen können, wenn Ecclestone und der mittlerweile verurteilte Ex-BayernLB-Risikochef Gerhard Gribkowsky keine Geheimabsprachen getroffen hätten.

Den entstandenen Schaden will die Bank ausgeglichen bekommen. Ecclestone reagierte am Donnerstag gelassen auf die Vorwürfe. Er zeigte sich nicht bereit, eine Einigung zu finden. Damit wird dem Kreditinstitut kein anderer Weg bleiben, als die Forderung vor Gericht durchzusetzen.

Nach Gribkowskys Geständnis: Formel-1-Chef Ecclestone fühlt sich völlig frei

Nach Gribkowskys Geständnis

Formel-1-Chef Ecclestone fühlt sich völlig frei

„Einen Riesenberg Geld“ habe er von Bernie Ecclestone kassiert, sagt Gerhard Gribkowsky. Genauer: 50 Millionen Dollar. Doch vom Schmiergeld-Geständnis des Ex-BayernLB-Managers fühlt sich der Formel-1-Chef nicht belastet.

"Wir haben ein Anspruchsschreiben an die Anwälte von Ecclestone versandt", sagte ein BayernLB-Sprecher. In Finanzkreisen hieß es, die Bank habe zuletzt die neuen Gribkowsky-Aussagen gegenüber der Münchner Staatsanwaltschaft einsehen können. Daraus ergäben sich Erkenntnisse, mit denen die Ansprüche belegt werden könnten. Details dazu wollte der Sprecher nicht nennen.

Ecclestone sagte in Indien, er werde nicht auf das Schreiben antworten. "Das macht keinen Sinn." Die Bank müsse ihn schon an seinem Wohnort in England verklagen, um das Geld zu bekommen. "Wenn sie gewinnen, werden sie bezahlt. Wenn sie verlieren, wird es sie nur Geld kosten."

Die BayernLB und die Formel 1

Höhepunkt der New Economy

Es war der Höhepunkt der New Economy, als das Medienunternehmen EM.TV im Jahr 2000 bei der Formel 1 einstieg. Kurz zuvor hatte EM.TV um die Gebrüder Thomas und Florian Haffa in einem ähnlich spektakulären Deal die Rechte an der „Muppets Show“ erworben.

Kirch und Kredite bei der BayernLB

Mit im Boot bei der Formel 1 war auch damals schon Bernie Ecclestone, Zampano des PS-Spektakels, mit seiner Familienstiftung. Nur wenig später ging es mit EM.TV bergab. Die Kirch-Gruppe des damaligen Medienzaren Leo Kirch kam zu Hilfe, erhielt im Gegenzug den Anteil an dem Rennzirkus und stockte ihn noch auf. Dafür musste Kirch Kredite aufnehmen, unter anderem bei der BayernLB.

Gribkowsky wird Motorsport-Verantwortlicher

Die Kirch-Gruppe meldete dann 2002 Insolvenz an. Dadurch wurde die Landesbank aus München unerwartet zum Anteilseigner der Formel 1 und der damalige Risikovorstand Gerhard Gribkowsky zum Motorsport- Verantwortlichen. In der Folgezeit entwickelte sich ein Streit mit den Autokonzernen, denen die tonangebende - und profitable - Rolle Ecclestones und seiner Verbündeten ein Dorn im Auge war. Auch eine Übernahme der Formel 1 durch einen oder mehrere Hersteller oder eine Konkurrenzveranstaltung standen zur Debatte.

Anteilsverkauf an CVC

Vier Jahre später verkaufte Gribkowsky die BayernLB-Anteile an den Finanzinvestor CVC Capital Partners und die Wogen glätteten sich. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten der Private-Equity-Branche und hat europäische Wurzeln. Hauptsitze sind Luxemburg und London.

Ecclestone verkaufte

Der Finanzinvestor übernahm die Formel-1-Mehrheit durch den Erwerb der Anteile der BayernLB und von Ecclestone selbst beziehungsweise seiner Familie. Dies geschah indirekt über die neu gegründete CVC-Tochter Alpha Prema, an der Ecclestone wiederum auch selbst beteiligt ist. Der heute 82-Jährige blieb auch bei diesem Deal Chef der Formel 1. Gribkowsky rückte in den Aufsichtsrat von Alpha Prema.

Der langjährige Chef der Rennsport-Serie ergänzte, oft sei mit solchen Forderungen die Hoffnung auf einen Vergleich verbunden. "Man will den Ärger nicht." Deswegen habe er Gribkowsky auch Geld gegeben, um ein Problem aus der Welt zu schaffen. Vor Gericht hatte Ecclestone ausgesagt, von dem Ex-Banker erpresst worden zu sein. Dieses Mal werde er aber nicht nachgeben. "Ich wurde zwei Mal erpresst. Ich will es nicht ein drittes Mal."

Gribkowsky war Ende Juni vom Landgericht München wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er hat beim Verkauf des Formel-1-Pakets an den britischen Finanzinvestor CVC in die eigene Tasche gewirtschaftet. Ausgegangen war die Bestechung von Ecclestone, dem nach dem Gribkowsky-Geständnis nun selbst eine Anklage droht.

Ob die BayernLB die gewünschte Summe bekommt, ist mehr als fraglich. Die Bank hat auch ihren kompletten Ex-Vorstand wegen des fatalen Kaufs der österreichischen Krisenbank HGAA vor Gericht gebracht und will in diesem Fall mindestens 200 Millionen Euro Schadenersatz. Das Landgericht München hat zwar noch kein Urteil gefällt, machte aber bereits deutlich, dass höchstens Gribkowsky und der frühere Bankchef Werner Schmidt haftbar zu machen seien. Das Gericht brachte einen Vergleichsvorschlag von 25 Millionen Euro ins Spiel.

Die Krise der BayernLB

Die wichtigsten Etappen

Früher war die BayernLB ein Aushängeschild des Freistaats Bayern - heute ist sie ein Sanierungsfall. Schuld daran war vor allem der Fehlkauf der österreichischen Hypo Group Alpe Adria, für den die BayernLB den ehemaligen Vorstand seit Dienstag vor Gericht in die Pflicht nehmen will. Das sind die wichtigsten Etappen im Fall BayernLB.

2007 - Januar bis Juni

22. Mai 2007: Die BayernLB kauft für rund 1,6 Milliarden Euro die Mehrheit an der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria.

2007 - Juli bis Dezember

24. August 2007: Die BayernLB räumt erstmals ein Engagement im krisengeschüttelten US-Markt für Hypothekendarlehen bonitätsschwacher Schuldner ein. Bisher gebe es keine „Zahlungsstörungen“, heißt es.

2008 - Januar bis Juni

13. Februar 2008: Die BayernLB beziffert die Belastungen auf 1,9 Milliarden Euro.

19. Februar 2008: BayernLB-Chef Werner Schmidt tritt wegen der Querelen um die Offenlegung der Belastungen zurück. Nachfolger wird der ehemalige HypoVereinsbank-Manager Michael Kemmer.

3. April 2008: Die BayernLB beziffert die Belastungen auf 4,3 Milliarden Euro.

2008 - Juli bis Dezember

19. September 2008: Die BayernLB gibt bekannt, dass sie durch die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers mit Ausfallrisiken von bis zu 300 Millionen Euro rechnet.

22. Oktober 2008: Bayerns Finanzminister Erwin Huber (CSU) übernimmt die politische Verantwortung für das Desaster und tritt zurück.

24. Oktober 2008: Im Machtkampf um die Ablösung Kemmers muss die Staatsregierung eine Niederlage hinnehmen. Er bleibt im Amt, nachdem ihn zahlreiche Beschäftigte in einer öffentlichen Demonstration wie einen Star gefeiert hatten.

28. November 2008: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kündigt ein Rettungspaket von mehr als 30 Milliarden Euro für die BayernLB an.

1. Dezember 2008: Kemmer kündigt den Abbau von 5600 der weltweit gut 19 000 Arbeitsplätze an, um damit langfristig das Überleben der Bank zu sichern.

2009 - Januar bis Juni

23. Januar 2009: Die BayernLB beziffert den operativen Verlust für das Jahr 2008 auf fünf Milliarden Euro.

2009 - Juli bis Dezember

11. November 2009: Die BayernLB gibt bekannt, dass sie wegen der hohen Risikovorsorge für faule Kredite und Wertberichtigungen bei der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro erwartet.

14. Dezember 2009: Der wochenlange Poker zwischen Österreich und Bayern hat ein Ende: Die HGAA soll komplett verstaatlicht werden. Das Debakel hat die BayernLB mehr als 3 Milliarden Euro gekostet. Am Abend erklärt BayernLB-Chef Michael Kemmer seinen Rücktritt.

23. Dezember 2009: Auch der langjährige BayernLB-Kontrolleur und Sparkassenpräsident Siegfried Naser stürzt und will sein Amt zur Verfügung stellen.

2010 - Januar bis Juni

4. Januar 2010: Nach dem Debakel mit der HGAA hofft der Freistaat auf Schadenersatz und prüft, ob auf zivilrechtlichem Weg Ansprüche geltend gemacht werden können.

28. Januar 2010: Ermittler durchsuchen Räume der BayernLB-Tochter Deutsche Kreditbank (DKB) in Berlin.

9. Februar 2010: Die Staatsanwaltschaft München durchsucht Büros des Bayerischen Städtetags und des Sparkassenverbandes. Hintergrund ist der Untreue-Verdacht im Zusammenhang mit dem Kauf der HGAA.

25. Februar 2010: Der Untersuchungsausschuss zum BayernLB-Debakel im bayerischen Landtag nimmt seine Arbeit auf.

15. April 2010: - Der neue BayernLB-Chef Gerd Häusler übernimmt offiziell das Ruder und kündigt an, die Bank fit für einen Verkauf machen zu wollen.

17. Juni 2010: - Im Untersuchungsausschuss verweigern der frühere BayernLB-Vorstandschef Michael Kemmer und Ex-Vorstand Rudolf Hanisch die Aussage.

2010 - Juli bis Dezember

13. Oktober 2010: Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) weist im Untersuchungsausschuss jegliche Mitverantwortung am Debakel mit der Hypo Alpe Adria zurück.

25. Oktober 2010: Der BayernLB-Verwaltungsrat beschließt, gegen sämtliche am Kauf der HGAA beteiligten Vorstände Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

2011 - Januar bis Juni

5. Januar 2011: Der ehemalige BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky wird in München verhaftet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, beim Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB 2006 rund 44 Millionen Dollar vom Boss der Rennserie, Bernie Ecclestone, angenommen zu haben. Im Oktober 2011 beginnt der Prozess. Ein Urteil ist noch nicht gesprochen.

25. Mai 2011: Die Staatsanwaltschaft München erhebt wegen des milliardenschweren Fehlkaufs der österreichischen Hypo Group Alpe Adria Anklage gegen acht ehemalige Vorstandsmitglieder. Diese hätten sich über die im Rahmen des Erwerbsprozesses aufgedeckten Bedenken bewusst hinweg gesetzt, erklärt die Anklagebehörde. Das Gericht zweifelt aber an der Anklage und gibt ein Gutachten in Auftrag, über das noch nicht entschieden ist.

2012 - Januar bis Juni

19. Juni 2012: BayernLB gegen Ex-Vorstände: Vor dem Landgericht München beginnt der Prozess um Schadenersatzforderungen in Höhe von 200 Millionen Euro gegen die früheren Top-Manager.

Von

rtr

Kommentare (3)

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sailing

25.10.2012, 12:23 Uhr

wenn Banken sich im M&A Business versuchen.........

blackstone

25.10.2012, 18:53 Uhr

Wenn der kleine Engländer gewinnt, wird es Geld kosten

Der einzige der hier erpresst hat ist der werte Herr Ecclestone. Und zwar die LB und damit die bayerischen Bürger.

Und den Herren muss man nicht in England verklagen, in München ist die Täuschung abgezogen worden.

Internationaler Haftbefehl ist längst überfällig.

Da kann sich der kleine Meister in seiner Heimat einigeln und seine Show vergessen.

Aber, hey, was solls: Der deutsche Michel zahlt und zahlt und zahlt ....

LG
Blackstone

batavia

25.10.2012, 19:08 Uhr

@sailing
Es gibt viele Banken, die etwas von M&A verstehen. Eine BayernLB gehört sicherlich nicht dazu. Erinnert mich an das Boxclever-Engagement WestLB. Auch die „Investment“-Banker der WestLB wollten seinerzeit besonders smart sein. Am Ende hat sich aber gezeigt, dass Landesbanken eben nur Regionalliga sind und auf dem internationalen Parkett höchstens mit einem mitleidigen Lächeln bedacht werden.

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