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17.11.2014

13:16 Uhr

BayernLB

MKB-Verkauf sorgt für hohen Verlust

Die BayernLB hat in den ersten drei Quartalen des Jahres einen hohen Verlust eingefahren. Der Verkauf der ungarischen Tochter MKB belastet das Ergebnis mit mehr als einer Milliarde Euro.

Die BayernLB hatte die MKB im September an den ungarischen Staat losgeschlagen. dpa

Die BayernLB hatte die MKB im September an den ungarischen Staat losgeschlagen.

FrankfurtDie BayernLB steuert wegen ihrer Aufräumarbeiten im Ausland wieder einmal auf einen massiven Jahresverlust zu. Im dritten Quartal machte die teure Trennung von der ungarischen Tochter MKB die Fortschritte im Kerngeschäft zunichte und bescherte der Landesbank unterm Strich einen Verlust von 714 Millionen Euro. Damit ergibt sich für die ersten neun Monate ein Minus von mehr als einer halben Milliarde Euro.

Im Vorjahreszeitraum stand noch ein Gewinn von rund 600 Millionen Euro in den Büchern. BayernLB-Chef Johannes-Jörg Riegler sprach am Montag in München von einem „Jahr des Übergangs“ für die Landesbank. „Wir sind stark genug, um die abgebauten Altlasten zu verarbeiten.“ Einen konkreten Ausblick auf das kommende Jahr gab er aber nicht.

Nach jahrelangen Verlusten hatte die BayernLB die MKB im Sommer an den ungarischen Staat abgegeben und dabei kräftig draufgezahlt. Dieser Effekt machte sich im dritten Quartal bemerkbar. Im vierten Quartal wird sich auch noch der Verkauf des Milliarden-Portfolios fauler Hypothekenpapiere (ABS) in den Zahlen niederschlagen. Ein Verlust für das Gesamtjahr ist damit bereits besiegelte Sache.

Der Niedergang der Hypo Alpe Adria

vor 2006

Im Jahr 1894 gründete das österreichische Bundesland Kärnten die Bank als Landeshypothekenanstalt. Das Institut gehörte dem Land und ist vor allem in der Region aktiv.
1991 beginnt die Bank ihre Expansion in Südosteuropa mit ersten Aktivitäten in Slowenien. Finanziert wird der Ausbau mit günstigem Geld vom Kapitalmarkt, an das die Bank kommt, weil der Mehrheitseigentümer Kärnten als Ausfallbürge komplett für das Institut haftet.
Erst per April 2007 schiebt die EU den ausufernden Garantien des Landes einen Riegel vor. Die letzten verbliebenen Garantien für die Bank laufen 2017 aus.

2006 bis 2008

Ende 2006 erreichen die Garantien des Landes Kärnten für die in Hypo Alpe Adria umbenannte Bank mit 24,7 Milliarden Euro ihren Höchststand. 2007 übernimmt die BayernLB für 1,625 Milliarden Euro einen Anteil von 50 Prozent plus einer Aktie an der Bank. Der Anteil des Landes sinkt auf 20 Prozent. Später steigt die Beteiligung der BayernLB auf 67,08 Prozent.
2008 rutscht die Hypo in die roten Zahlen und schreibt 520 Millionen Euro Verlust. Daraufhin pumpt die Republik Österreich 900 Millionen Euro in die Bank, 700 Millionen Euro kommen von der BayernLB. Bis Ende 2008 steigt die Bilanzsumme der Hypo angesichts der fortgesetzten Expansion auf 43,3 Milliarden Euro. Im Mai 2009 startet die EU wegen staatlicher Rettungsgelder ein Beihilfeverfahren gegen die BayernLB und ihre Tochter Hypo.

2009

Die Hypo verbucht einen Jahresverlust von knapp 1,6 Milliarden Euro und braucht weiteres Kapital. Weil der Mehrheitseigentümer BayernLB nicht mehr in die Bresche springen will, wird das Institut Mitte Dezember 2009 in einer Notaktion verstaatlicht: Die bisherigen Eigentümer geben ihre Anteile für den symbolischen Preis von einen Euro an Österreich ab. Im Gegenzug lassen sie insgesamt rund eine Milliarde Euro an Kapital in der Bank: 825 Millionen Euro kommen von der BayernLB, 200 Millionen Euro vom Land Kärnten und 30 Millionen Euro von der Grazer Wechselseitigen Versicherung. Vorstand und Aufsichtsrat der Hypo werden neu besetzt. Die EU gibt vorläufig grünes Licht für die Rettung der Bank und weitet ihre Untersuchung auf alle bisher geflossenen Hilfen aus.

2010

Der Jahresverlust verringert sich auf gut eine Milliarde Euro. Die Hypo benötigt jedoch noch mehr Geld und erhält 450 Millionen Euro Staatshilfen und 200 Millionen Euro Garantien von Österreich. Weitere 150 Millionen Euro kommen vom Land Kärnten. In Bayern beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss mit der umstrittenen Hypo-Übernahme.

2011

Die Hypo wandelt das 2010 erhaltene Partizipationskapital von 450 Millionen Euro in Grundkapital um. Das Institut schreibt einen Gewinn von 60 Millionen Euro.

2013

Die Hypo erhält eine weitere staatliche Kapitalspritze über 500 Millionen Euro und Garantien für eine milliardenschwere Anleihe. Mit dem Geld stärkt die Bank ihre dünne Kapitaldecke, um die Anforderungen der Aufsichtsbehörden zu erfüllen.

2013

Die EU gibt nach zähen Verhandlungen grünes Licht für die bereits geflossenen Staatshilfen und neue Geldspritzen von bis zu 5,4 Milliarden Euro bis Ende 2017. Im Gegenzug muss die Hypo ihr Österreich- und das Südosteuropageschäft verkaufen und die übrigen Teile der Bank abwickeln. Ein Teil der bis 2017 genehmigten Staatshilfen - 1,75 Milliarden Euro - fließen bis zum Jahresende, um die Bank angesichts weiterer Abschreibungen in Osteuropa über Wasser zu halten.

2014

Die österreichische Regierung stellt sich auf eine weitere Geldspritze von einer Milliarde Euro für die Hypo ein. Um den von der EU verlangten Abbau der Bank voranzutreiben und die künftigen Geldspritzen so gering wie möglich zu halten, prüft die Regierung eine staatliche „Bad Bank“ nach deutschem Vorbild. Alternativ steht auch eine Insolvenz zur Debatte. Das Finanzministerium will bis Ende März entscheiden.

Die Entwicklung im Kerngeschäft stimmt Riegler aber zuversichtlich. „Unser Kundengeschäft läuft trotz des niedrigen Zinsniveaus und der Investitionszurückhaltung vieler Unternehmen sehr stabil.“ Um noch mehr Firmenkunden zu gewinnen, will die Landesbank außerhalb Bayerns vier neue Filialen eröffnen. Die Entscheidung darüber sei im Vorstand bereits gefallen, hatte Vorstand Michael Bücker in der vergangenen Woche in der „FAZ“ angekündigt. „Stuttgart, Hamburg und Berlin werden neue Vertriebsstandorte für unser Firmenkundengeschäft sein, hinzu kommt Frankfurt mit dem Schwerpunkt auf Immobilien.“ In den vergangenen Jahren war die Landesbank in fast allen Bereichen geschrumpft: Von einst rund 20 000 Mitarbeitern sind inzwischen durch eine Reihe von Verkäufen nur noch gut 5600 übrig geblieben.

Mit dem Verkauf der MKB und den ABS-Papieren war die BayernLB bei der Entsorgung ihrer Altlasten wieder einen großen Schritt voran gekommen. Ein Risiko bleibt aber ein schwelender Rechtsstreit um die Rückzahlung von Milliardenkrediten der einstigen Österreich-Tochter Hypo Alpe Adria (HGAA). In der kommenden Woche beschäftigt sich das Landgericht München erneut mit dem Fall. An insgesamt vier Verhandlungstagen von Dienstag bis Freitag sind 14 Zeugen geladen. Die BayernLB pocht vor Gericht auf die Rückzahlung von mehr als zwei Milliarden Euro. Die HGAA ihre Zahlungen Ende 2012 eingestellt und damit Empörung in Bayern ausgelöst.

Von

rtr

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