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04.07.2011

18:31 Uhr

BCG

Der deutsche Sparer ist gesucht

ExklusivDie Banken werden zukünftig vor allem mit den Einlagen der Kunden ihre Erträge steigern. Vor allem ausländische Institute suchen wieder ihr Heil in Deutschland.

Skyline von Frankfurt: Die Banken in Deutschland buhlen um Privatkunden. Quelle: dapd

Skyline von Frankfurt: Die Banken in Deutschland buhlen um Privatkunden.

FrankfurtDer Kampf um die deutschen Privatkunden war schon immer hart - doch zukünftig wird er nach Ansicht von Experten wohl noch erbitterter geführt werden. „In den kommenden Jahren wird der Markt voraussichtlich nicht real wachsen, Wachstum für einzelne Institute wird es nur auf Kosten der Mitbewerber geben“, sagt Reinhard Messenböck, Partner und Bankenexperte bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG), dem Handelsblatt. Besonders attraktiv sind dabei die Einlagen der Kunden, schließlich gelten die Deutschen innerhalb Europas als eifrigste Sparer – das Geldvermögen der Deutschen beträgt immerhin knapp 5000 Milliarden Euro.
Im Einlagengeschäft erwartet BCG - laut einer Studie, die dem Handelsblatt vorliegt - das größte Wachstum bei den Bankerträgen, deutlich mehr als etwa im Kredit- oder Wertpapiergeschäft. „Im Einlagengeschäft wird sich der Wettbewerb dramatisch verschärfen, hier greifen ausländische Banken massiv an“, hat Messenböck beobachtet.
Die ausländischen Kreditinstitute sammelten in Deutschland über höher verzinste Sparangebote neue Mittel ein, die sie dann beispielsweise in Südamerika für deutlich höhere Zinsen verleihen könnten. „Diese Ländertransformation können viele inländische Institute nicht nutzen, weil ihnen die internationale Aufstellung fehlt“, ergänzt der BCG-Experte. Und noch ein Grund macht die Gelder auf den Sparkonten so attraktiv: Mit dem neuen Regelwerk unter dem Stichwort Basel III verschärft sich die Jagd der Banken nach der sogenannten Primärliquidität. Banken, die sich stärker über Kundeneinlagen finanzieren, stehen nach den neuen Aufsichtsregeln besser da. Sich am Kapitalmarkt über Bankanleihen zu refinanzieren, wird weniger honoriert.

Die ausländischen Banken erhöhen deshalb den Wettbewerbsdruck in Deutschland. Seit Ende vergangener Woche geht beispielsweise die niederländische ABN Amro mit ihrer Tochter Moneyou auf Kundenfang. Die Onlinebank, die in Holland bereits seit 2001 aktiv ist, bietet zunächst Tages- und Festgeldkonten an. „Bis Ende 2012 wollen wir in Deutschland 1,5 Milliarden Euro an Kundengeldern verwalten“, sagte Liesbeth Rigter, Geschäftsleiterin von Moneyou Deutschland dem Handelsblatt. Fast jeden Monat geht inzwischen ein neues Institut an den Markt. Seit Februar buhlt die AKF Bank, die sich bisher vor allem um Mittelstandskunden gekümmert hat, um Einlagen der Privatkunden. Im März startete die Mittelstandsbank IKB, die bisher ebenfalls nur Geschäftskunden bediente, mit Tages- und Festgeldangeboten. Und seit April ist auch die russische VTB mit einer Direktbanktochter auf dem Markt.

Viele Banken haben aus der Finanzkrise die Lehre gezogen, dass sie sich bei der Refinanzierung breiter aufstellen müssen. Denn die Konditionen, um sich am Kapitalmarkt Geld zu beschaffen, können sich in einer Krise schnell verschlechtern. „Privatkunden gelten hingegen als zuverlässige Kunden, die ihr Geld nicht so schnell wieder abziehen“, sagt Martin Faust von der Frankfurt School of Finance.

Kommentare (5)

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Gast

04.07.2011, 19:45 Uhr

Sparen war gestern. Keinen Cent werde ich mehr in deren Rachen werfen.
Ausgeben ist angesagt, bevor die hart erarbeitete Kohle nach Weissgarnixtan abfliesst.

Merlin

04.07.2011, 19:56 Uhr

Der deutsche Sparer als lächerliches Wesen, das ist doch wohl der Tenor dieses Artikels. Wird Zeit die Konsequenzen zu ziehen.

Bernhard65

04.07.2011, 23:02 Uhr

Wie die Kunden heimlich abgeschöpft werden, kann man an einem Vergleichsrechner unter www.fonds-etf.de sehen. Dort werden normale klassische Fonds verglichen mit ETFs. Dort sieht der Anleger dann, warum kaum ein Banker einen ETF empfiehlt. Keine Provision = keine Empfehlung. Die „Bank- und Versicherungsberater“ sollte man in Provisions-Produktverkäufer umbenennen.

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