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30.07.2012

14:38 Uhr

BdB-Chef Michael Kemmer

Ein Plädoyer für Schattenbanken

Der Bankenverband bricht eine Lanze für Schattenbanken. Hauptgeschäftsführer Kemmer betont ihre Bedeutung für den Geldkreislauf und warnte vor Schnellschüssen bei der Regulierung.

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken. dpa

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken.

FrankfurtDer Bankenverband warnt vor einer pauschalen Verurteilung sogenannter Schattenbanken. „Das Wort Schattenbanken klingt so halb-kriminell. Aber der Sektor erfüllt eine wichtige Funktion“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer, am Montag in Frankfurt. Als Schattenbanken gelten etwa Hedgefonds oder Geldmarktfonds. Sie halten den Finanzkreislauf in Schwung, indem sie Banken Liquidität zur Verfügung stellen, werden bislang aber kaum reguliert. Die EU-Kommission will diese Schlupflöcher schließen.

Der BdB fordert nun in einem Positionspapier, die Regulierer sollten sich darauf beschränken, die Risiken von Schattenbanken für das Finanzsystem einzudämmen. „Keinesfalls darf am Ende eine noch strengere Regulierung der Banken stehen, nur aus der Überlegung heraus, dass sie vermeintlich einfacher zu regulieren sind“, sagte Kemmer.

Die Debatte krankt bislang daran, dass es keine richtige Definition von Schattenbanken gibt. Streng genommen zählen auch Versicherer dazu, die zunehmend Bankdienstleistungen übernehmen, etwa wenn sie Immobilienfinanzierungen anbieten. In der Schuldenkrise standen zuletzt vor allem US-Geldmarktfonds in der Kritik, die mehr und mehr Mittel von europäischen Banken abgezogen haben und deren Refinanzierungsnöte damit verschärften. Schlimmstenfalls könnten solche Schattenbanken also das gesamte System ins Wanken bringen.

Der Finanzstabilitätsrat (FSB) will deshalb noch in diesem Jahr im Auftrag der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) Vorschläge unterbreiten, wie die Schattenbanken besser in den Griff zu bekommen sind. Insbesondere sollen die Beziehungen von Banken zu Schattenbanken begrenzt werden.

„Es gibt keine Lösung, die man in einem Satz beschreiben könnte“, sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Kemmer. Es gelte zu unterscheiden, wo Schattenbanken nur deshalb aktiv seien, weil sie Geschäfte machen könnten, die Banken verboten sind, und wo sie gezielt ihre Spezialisierung ausspielten. Kemmer warnte vor Schnellschüssen mit ungewollten Folgen. „Die Gefahr ist sehr groß, dass man am Ziel vorbeischießt.“ Viele Finanzgeschäfte, mit denen sich Schattenbanken in der Vergangenheit beschäftigt hätten, seien nach der Finanzkrise bereits streng reguliert worden. Dazu zählten etwa Verbriefungen.

 

Von

rtr

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