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13.01.2005

08:54 Uhr

Bei den Landesbanken bildet sich eine immer größere Vielfalt heraus

Bewährungsprobe ohne Staat im Rücken

VonPeter Köhler

Das angebrochene Jahr bringt frischen Wind in das Lager der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute. Nach Ansicht von Ratingagenturen stehen die Chefs der Landesbanken vor großen Herausforderungen.

FRANKFURT/M. Das angebrochene Jahr bringt frischen Wind in das Lager der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute. Denn mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) haben gleich zwei der noch elf deutschen Landesbanken zum 1. Januar einen Wechsel an der Vorstandsspitze vollzogen. Außerdem steht 2005 die Bewährungsprobe für den neuen Chef der Norddeutschen Landesbank (NordLB) an. Dort steht Hannes Rehm seit dem 1. Juli vergangenen Jahres am Steuerrad, zumindest in der offiziellen Lesart war aber sein Vorgänger, Manfred Bodin, noch bis zum Jahresende als Berater verfügbar. Wie Rehm müssen auch LBBW-Vorstandschef Siegfried Jaschinski und Friedhelm Plogmann bei der LRP ihre Institute möglichst reibungslos in eine neue Ära führen, denn die staatlichen Ausfallgarantien für die Landesbanken fallen Mitte Juli weg. Damit verteuert sich die Refinanzierung an den Kapitalmärkten, da die Ratingagenturen durchweg schlechtere Bonitätsnoten erteilen.

Die Analysten bei den Ratingagenturen sehen ganz unterschiedliche Herausforderungen für die neuen Lenker, eine Generalisierung ist kaum mehr möglich. Denn bei den Landesbanken bildet sich eine immer größere Vielfalt heraus, sagt Moody's-Experte Guido Versondert. Sie verfolgten unterschiedliche Strategien und seien unterschiedlich finanzstark, weshalb es nicht mehr angebracht sei, sie als homogene Gruppe zu betrachten.

Auf den neuen LBBW-Chef kommt in diesem Jahr die Herkulesaufgabe zu, gleich zwei Übernahmen zu verdauen. „Die Integration der LRP als neuer Tochter wird sicher das Hauptthema sein, hinzu kommt noch die Einbindung der BW Bank“, sagt Stefan Best, Ratingexperte bei Standard & Poor’s (S&P). Letztlich wird sich der Integrationserfolg nur in Zahlen messen lassen, glauben viele Analysten. „Wo werden die Kosten gesenkt, wo werden zusätzliche Erträge generiert. Das sind die entscheidenden Fragen“, sagt Olivia Perney Guillot von Fitch Ratings. Ob weitere Personalanpassungen notwendig werden, sei heute noch nicht absehbar. Generell beschäftigten die Landesbanken wegen ihrer öffentlich-rechtlichen Vergangenheit „aber schon sehr viel Personal, vor allem in der Verwaltung“, sagt die Fitch-Analystin. Nach Angaben von Moody’s standen Ende 2003 – neuere Zahlen liegen nicht vor – insgesamt 55 000 Mitarbeiten auf den Gehaltslisten der Landesbanken.

Bei der Mainzer Landesbank muss Vorstandschef Plogmann die Positionierung als neue Tochter der LBBW umsetzen. Keine leichte Mission, da er die Balance finden muss zwischen einem selbstständigen Marktauftritt und der Einbindung in den Stuttgarter Konzern. Die Arbeitsplätze in Mainz sind so lange sicher, wie es gelingt, eine Rendite von 15 Prozent auf das Eigenkapital zu erreichen. In den kommenden Monaten wird die genaue Aufgabenteilung in den Produktbereichen, dem Auslandsgeschäft, dem Wertpapierbereich und dem Vertrieb festgezurrt.

Beobachter gehen davon aus, dass die Arbeitsteilung relativ geräuschlos über die Bühne gehen könnte, da sich Jaschinski und Plogmann aus den Übernahmeverhandlungen bereits gut kennen. Die beiden Vorgänger, Klaus Adam (LRP) und Hans Dietmar Sauer (LBBW), hatten ihren Kronprinzen schon vor dem offiziellen Stabwechsel freie Hand gelassen und dafür gesorgt, dass beide zeitgleich antreten konnten. Im Analystenlager sieht man die Stuttgarter und Mainzer derzeit sowieso im Vorteil, weil sie von dem Beihilfenstreit mit den Brüsseler Wettbewerbshütern nicht betroffen sind. „Beide Häuser können sich auf den Markt konzentrieren, besonders auf das Mittelstandsgeschäft“, heißt es von Branchenbeobachtern.

Dagegen kämpft NordLB-Chef Rehm gleich an mehreren Fronten. Die Einigung mit Brüssel über die Wiedereinbringung der illegalen Beihilfezahlungen hängt ebenso in der Luft wie eine geplante Kapitalerhöhung über 850 Mill. Euro. Die komplizierte Eigentümerstruktur aus mehreren Ländern und Sparkassenverbänden, die jeweils selbst um eine einheitliche Linie ringen, haben die Verhandlungen bereits stark verzögert. Sollten die offenen Fragen bis Ende Januar gelöst sein, muss sich das Geschäftsmodell bewähren. Die Mischung aus Regionalbank und Spezialfinanzierer sowie die Nordosteuropa-Präsenz überzeugt noch nicht jeden. „Die Fokussierung ist noch nicht klar. Die NordLB macht vieles, was andere auch machen“, sagt Fitch-Analystin Perney Guillot. S&P-Analyst Best sieht aber auch Fortschritte: „Es ist mehr Zug in die NordLB gekommen. Neben den hausinternen Themen muss sich 2005 aber auch die Kooperation mit den Sparkassen verbessern.“

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