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17.01.2005

08:36 Uhr

Belastungen aus dem Stellenabbau schmälern den Gewinn 2004 – Weitere Kosten in 2005

Sparkurs kostet Deutsche Bank mindestens 600 Millionen Euro

Der massive Stellenabbau verhagelt der Deutschen Bank das Ergebnis im vierten Quartal. Die Kosten für den Abbau von Tausenden von Arbeitsplätzen und weitere Sonderposten schlagen mit 600 Mill. Euro zu Buche. Dennoch hat die Bank nach eigenen Angaben im Schlussquartal schwarze Zahlen geschrieben.

pot FRANKFURT/M. Die Sonderbelastung kam im Prinzip nicht überraschend, wohl aber ihre Höhe. „Das war mehr als erwartet“, sagte Georg Kanders, Analyst bei der WestLB. Konzernchef Josef Ackermann hatte der Bank im September einen radikalen Umbau verordnet. So werden unter anderem Aktien- und Rentenhandel zusammengelegt. Im Zuge des Sparprogramms fallen alleine in Deutschland 1 920 Stellen weg.

Allgemein war erwartet worden, dass die Bank zumindest einen Teil der mit dem Stellenabbau verbundenen Kosten in 2004 verbuchen werde, um das laufende Jahr möglichst wenig zu belasten. Schließlich dient das Programm vor allem dem Ziel, in diesem Jahr eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25 Prozent zu erreichen. Derzeit liegt die Rendite bei 18 Prozent. Allerdings räumte die Bank selbst ein, dass im laufenden Jahr weitere Kosten anfallen werden. Eine Zahl dafür wurde nicht genannt. Kanders schätzt, „dass in diesem Jahr noch einmal eine halbe Milliarde anfallen kann“.

Von den im vierten Quartal verbuchten Kosten entfällt der Löwenanteil mit 500 Mill. Euro auf den Personalabbau. Belastungen aus nicht mehr genutzten Büroflächen schlagen mit weiteren 100 Mill. Euro zu Buche. Nach Angaben eines Sprechers geht es dabei um leer stehende Büroflächen, für die langfristige Mietverträge abgeschlossen wurden. Diese Kosten wurden jetzt auf einen Schlag verbucht. Nach Schätzung von WestLB-Analyst Kanders wird die Bank im vierten Quartal aber dennoch einen Vorsteuergewinn von 322 Mill. Euro ausweisen.

Weiter offen ist der Umfang des Stellenabbaus im Gesamtkonzern. Einzelheiten hierzu sowie zu Wachstumsinitiativen will die Bank bei der Bilanzvorlage am 3. Februar nennen. Analysten vermuten, dass zusätzlich zu den 1 920 Stellen in Deutschland auch im Ausland 2 000 Jobs verschwinden, vor allem im Investment-Banking und in der Vermögensverwaltung. Manche Beobachter erwarten sogar, dass die Bank insgesamt bis zu 6 000 Stellen streicht. Das wäre dann fast ein Zehntel der 65 000 Mitarbeiter.

Die Börse nahm die Restrukturierungsbuchung positiv auf. Die Aktie war am Freitag mit einem Kursplus von 2,5 Prozent auf 66,76 Euro Tagesgewinner im Dax. Beflügelt wurde der Kurs auch dadurch, dass die spanische Sparkasse La Caixa ihr Deutsche-Bank-Paket von 4,2 Prozent abgegeben hat. Händler verwiesen darauf, dass der Verkauf erwartet worden sei, was den Kurs in der Vergangenheit belastet habe.

Außer mit dem Sparprogramm will Ackermann die Rendite auch durch den Rückkauf eigener Aktien steigern. Die Bank hatte kürzlich mitgeteilt, dass sie über fünf Prozent ihrer Aktien hält. Allerdings ist diese Strategie nicht unumstritten. Kritiker argumentieren, die Bank solle ihr Geld besser für Zukäufe verwenden, als es an die Aktionäre zurückzugeben. Generell mehren sich die Stimmen, die Ackermann mahnen, er müsse Wachstumsfelder erschließen. „Wir erwarten, dass der strategische Druck zunimmt“, schreiben die Analysten von UBS in einer neuen Studie. Sie empfehlen Ackermann, das Privatkundengeschäft zu stärken. Dafür böten sich Zukäufe in Spanien, wo die Bank bereits vertreten ist, sowie in Osteuropa an. Eine Alternative wäre der Kauf einer deutschen Bank. Dafür ist die Zeit nach Meinung der Analysten aber wohl erst 2006 reif.

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