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24.01.2008

15:34 Uhr

Belgier kaufen zu

KBC übernimmt Geldverwalter Richelieu

VonHolger Alich

Der Französischer Asset-Manager betont die hilfreiche Anlehnung an einen „finanzstarken Partner“. Liquiditätsprobleme, von den zuvor in Finanzkreisen die Rede gewesen war, bestreitet Richelieu aber. Vielmehr seien zusätzliche Entwicklungsperspektiven der Hauptgrund gewesen, die eigene Unabhängigkeit auzugeben.

PARIS. Der belgische Allfinanz-Konzern KBC Group will den französischen Vermögensverwalter Richelieu vollständig übernehmen, kündigten gestern beide Unternehmen an. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. „Diese Operation bietet unseren Kunden eine Zukunftsgarantie“, erklärte Richelieu-Gründer und Eigentümer Gérard Augustin-Normand.

Wie es aus Finanzkreisen heißt, war der unabhängige Vermögensverwalter in Schwierigkeiten geraten. Richelieu ist auf Nebenwerte spezialisiert und hat in seinen Fonds hohe Beteiligungen an marktengen Nebenwerten – so zum Beispiel rund 20 Prozent an Club Med. Seit Anfang des Jahres hätten Kunden jedoch massiv Gelder aus den Richelieu-Fonds abgezogen, und das Fondsmanagement habe Aktienpositionen nicht schnell genug auflösen können, um diese Abflüsse bedienen zu können. So sei es zu Liquiditätsschwierigkeiten gekommen.

Eine Richelieu-Sprecherin erklärte indes, dass zwischen der Übernahme und den Marktturbulenzen keinen Zusammenhang gebe. „Dank KBC können wir unser Produktportfolio erweitern und unsere Private-Banking-Aktivitäten ausbauen“, erklärte sie. Diese Entwicklungsperspektiven hätten Augustin-Normand dazu gebracht, seine Unabhängigkeit aufzugeben. Er bleibe indes als Chef an Bord, auch am Investmentstil der Fonds solle sich nichts ändern. Ende vergangenen Jahres verwaltete Richelieu rund vier Mrd. Euro und beschäftigte rund 100 Mitarbeiter.

KBC kauft den französischen Verwalter über seine Tochter KBL European Private Bankers. Diese ist nach eigenen Angaben in acht europäischen Ländern aktiv und verwaltet rund 50 Mrd. Euro Kundengelder.

KBC ist Belgiens zweitgrößter Finanzdienstleister. Der Konzern, der rund 50 000 Mitarbeiter beschäftigt, ist stark im Benelux-Raum und ist Osteuropa. Das Unternehmen ging 1998 aus der Fusion dreier Finanzdienstleister hervor und hat seitdem seine internationale Präsenz durch Zukäufe ständig ausgebaut. Bis September 2007 nahm der KBC 9,6 Mrd. Euro ein und verdiente nach Steuern 2,6 Mrd. Euro.

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