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20.10.2011

09:56 Uhr

Belgisch-französische Bank

Die künftige Dexia-Struktur nimmt Form an

VonTino Andresen

Eine Lösung für das Kreditgeschäft mit den französischen Kommunen zeichnet sich ab. Dies ist entscheidend für das weitere Schicksal der Bank. Die Zukunft des belgisch-französischen Geldhauses klärt sich langsam.

Die Zukunft von Dexia klärt sich langsam. dpa

Die Zukunft von Dexia klärt sich langsam.

ParisDer Verwaltungsrat von Dexia hat schon wieder eine Nachtsitzung hinter sich. Und allmählich klärt sich die Zukunft der Großbank. Zu Verzögerungen hatte davor ein Streit zwischen den Regierungen Belgiens und Frankreichs geführt.

Der Verstaatlichung des belgischen stimmt sollte der Verwaltungsrat auf einer Sitzung unter Leitung seines Präsidenten, des ehemaligen belgischen Premierministers Jean-Luc Dehaene zu. Auch eine Lösung für das Kreditgeschäft mit den französischen Kommunen ist gefunden: Wie schon länger in der Diskussion, kommen hier die staatliche französische Beteiligungsgesellschaft Caisse des Dépôts (CDC) sowie die französische Postbank ins Spiel.

Welche europäischen Banken 2011 ihr Kapital erhöht haben

Commerzbank

Seit zwei Jahren gehört das deutsche Institut zu einem Viertel dem Staat. Mit den Mitteln aus der Kapitalerhöhung will die Bank den größten Teil der rund 16 Milliarden Euro schweren staatlichen stillen Einlage ablösen - eine Art haftendes Eigenkapital ohne Stimmrechte. Insgesamt sammelte die Commerzbank zwischen April und Juni rund 14 Milliarden Euro ein.

Intesa SanPaolo

Erst kürzlich erhöhte die italienische Bank Intesa SanPaolo ihr Eigenkapitel um rund 7 Milliarden Dollar. Mit einer Kernkapitalquote von 7,9 Prozent zum Ende des Jahres 2010 benötigt Intesa nicht unmittelbar frisches Geld. Die Großbank dürfte sich jedoch auf die neuen Eigenkapitalregeln unter Basel III vorbereiten.

Danske Bank

Auch die dänische Danske Bank polsterte in diesem Jahr bereits ihre Kapitalausstattung auf. Im April sammelte sie rund 4 Milliarden Dollar ein. Mit Hilfe der Emission sollen staatliche Finanzhilfen zurückgezahlt werden.

Monte dei Paschi di Siena

Im August hat die italienische Bank Monte dei Paschi eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Der Schritt mit einem Volumen von rund 3 Milliarden Dollar soll dem Institut die Rückzahlung der so genannten Tremonti-Bonds ermöglichen.

 

Nordea Bank

Auch die dänische Nordea Bank sah sich gezwungen, ihre Eigenkapital aufzustocken: Im April dieses Jahres sammelte sie rund 2,9 Milliarden Dollar ein.

Bank of Ireland

Das irische Institut Bank of Ireland entging durch eine Kapitalerhöhung von rund 2,8 Milliarden Dollar in diesem Jahr nur knapp der Verstaatlichung. Durch die Beteiligung eines privaten Konsortiums liegen mindestens 68 Prozent des Instituts in privaten Händen.

Banco Popolare

Die mailändische Banco Popolare stockte im Februar ihre Kapitaldecke auf – um 2,7 Milliarden Dollar. Sie hatte in der Krise staatlich garantierte Anleihen in Anspruch genommen. Die wollte sie ablösen.

Agricultural Bank of Greece

Die Agricultural Bank of Greece (ATE) ist ein Sorgenkind des griechischen Bankensektors und fiel beim Stresstest der Bankenaufsicht durch. Sie erhöhte ihr Eigenkapital im Juni um 1,8 Milliarden Euro.

Unione die Banche Italiane

Im zweiten Quartal dieses Jahres konnte Italiens viertgrößte Bank ihr Ergebnis durch Steuergutschriften fast verdreifachen. Zuvor hatte sie eine Kapitalerhöhung von 1,4 Milliarden Dollar durchgeführt.

Emporiki Bank of Greece

Die viertgrößte Bank Griechenlands erhöhte ihr Eigenkapital im März ebenfalls um 1,4 Milliarden Dollar.

Bank of Piraeus

Die griechische Bank ist wegen des Umtauschs einheimischer Staatsanleihen tief in die roten Zahlen gerutscht. Im Januar griff sie zum Instrument der Kapitalerhöhung – und sammelte rund 1,1 Milliarden Dollar ein.

Marfin Popular Bank Public

Die zyprische Marfin Popular Bank erhöhte im Februar ihr Eigenkapital um 700 Millionen Dollar.

Banco de Sabadell

Die spanische Bank  kam beim Stresstest nur auf eine Kernkapitalquote von 5,7. Erst im Februar hatte sie Kapital um rund 600 Millionen Euro erhöht.

Monte dei Paschi di Siena

Die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena hat sich mit 536 Millionen Dollar neuem Kapital eingedeckt. In der Finanzkrise hatte das Institut aus der Toskana als erste italienische Bank Staatshilfen in Anspruch genommen, nachdem es sich vor der Krise vor allem mit der Übernahme der norditalienischen Banca Antonveneta stark verschuldet hatte.

Aareal Bank

Knapp 399 Millionen Dollar nahm die Aareal Bank durch die Platzierung neuer Aktien im April 2011 ein. Ein Teil des Erlös nutzte das Institut, um Staatshilfen an den Bankenrettungsfonds zurückzuzahlen.

Banco Comercial Portugues

Auch die Banco Comercial Portugues hat sich mit frischem Kapital eingedeckt. Das Institut generierte 377 Millionen Dollar.

Die CDC übernimmt nun 65 Prozent an der Einheit mit dem Namen Dexia Municipal Agency übernehmen. Zudem will Frankreichs Postbank, die ihr Engagement in engen Grenzen halten will, fünf Prozent. 30 Prozent sollen laut der französischen Tageszeitung "Le Figaro" bei Dexia bleiben. Künftig soll das Geschäft mit Frankreichs Kommunen über eine neu zu gründende Bank laufen, an der Dexia nicht beteiligt ist, um sie immun gegenüber den Altlasten der binationalen Großbank zu machen. Für den Analysten Benoit Petrarque von der Privatbank Kepler Capital Markets wäre ein Fortschritt in diesem Bereich ganz wesentlich. Denn so könnte Dexias aufgeblähte Bilanz um 77 Milliarden Euro reduziert werden.

Der Verwaltungsrat beauftragte Dexia-Chef Pierre Mariani mit der Zerschlagung des Geldhauses. Das Gremium stimmte jetzt auch offiziell dem Verkauf der türkischen Tochter Denizbank zu sowie der Trennung von Dexia Asset Management und RBC Dexia.

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