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09.11.2011

11:38 Uhr

Belgisch-französische Pleitebank

Dexia macht 10.500.000.000 Euro Verlust

VonTino Andresen

Der in Zerschlagung befindliche belgisch-französische Staatsfinanzierer Dexia hat heute statt Quartalszahlen ein Statement zur Geschäftsentwicklung nach neun Monaten vorgelegt. Der Verlust der Bank ist gewaltig.

Dexia hat einen historischen Verlust eingefahren. AFP

Dexia hat einen historischen Verlust eingefahren.

ParisDer Pro-Forma-Verlust nach neun Monaten beläuft sich auf 10,5 Milliarden Euro. Der Verkauf der Dexia Bank Belgium an den belgischen Staat hat das Geldhaus dabei mit mehr als vier Milliarden Euro belastet, der Wertverfall durch Abschreibungen griechischer Staatsanleihen um 55 Prozent mit weiteren 2,7 Milliarden Euro. Die Folgen für das Eigenkapital sind schwer wiegend: Es ist seit Ende Juni von 5,4 Milliarden Euro auf 1,1 Milliarden Euro geschrumpft.

Als Staatsfinanzierer besitzt Dexia viele Staatsanleihen aus den Euro-Krisenstaaten Griechenland und Italien. Durch ihr Geschäftsmodell zieht die Bank also das Misstrauen auf sich. Zugleich muss sie in großem Umfang auf kurzfristige Kredite zurückgreifen. Das ist ein Problem, weil das Institut stark auf den Kapitalmarkt angewiesen ist und nicht im großen Stil mit Privatkundeneinlagen arbeiten kann. Als Pierre Mariani im Oktober 2008 als Dexia-Chef angetreten ist, hatte die Bank einen kurzfristigen Liquiditätsbedarf von 265 Milliarden Euro, der sich inzwischen erheblich verringert hat.

Die Malaise der französischen Banken

Großbanken unter Druck

Die französischen Großbanken haben ähnliche Probleme - allen voran ihr starkes Engagement in Griechenland. Aber sie in einen Top zu werfen wäre nicht korrekt - zu unterschiedlich sind die drei Institute. Hier ein Überblick.

BNP Paribas: mit 24 Milliarden engagiert

Die Skepsis ist groß angesichts der verfahrenen Lage in der Euro-Krise und BNPs starker Stellung im finanziell angeschlagenen Italien. Die Bank hat nach Angaben der Europäischen Bankenaufsicht Rom-Anleihen für rund 24 Milliarden Euro in ihren Büchern, hinzu kommen hohe Kredite an Unternehmen und Privatkunden.

BNP Paribas: Schrumpfkur soll Anleger überzeugen

Es gibt bereits Pläne für einen Umbau der größten Bank Frankreichs. Diese bestehen im Wesentlichen aus einer rigiden Schrumpfkur: Risikogewichtete Aktiva im Volumen von 70 Milliarden Euro sollen abgebaut werden. Die Konzernbilanz würde dadurch bis Ende 2012 um etwa zehn Prozent verkleinert. Ziel von BNP-Chef Baudouin Prot ist, auf diese Weise so viel Kapital freizusetzen, um Anfang 2013 auf eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu kommen.

BNP Paribas: krisenfest werden

Damit würde die Bank die internationalen Mindestanforderungen für die Kapitalausstattung übererfüllen. Prot versucht auf diesem Weg, die Bank ohne die Ausgabe neuer Aktien krisenfest zu machen. Eine Kapitalerhöhung wird von vielen Beobachtern als notwendig erachtet, doch der Zeitpunkt ist wegen der starken Kursverluste äußerst ungünstig: Seit Jahresbeginn hat BNP Paribas rund 40 Prozent ihres Börsenwerts verloren.

BNP Paribas: Spekulationen verhindern

Prot bemühte sich zudem erneut, Spekulationen über Liquiditätsengpässe bei der Bank zu beenden. Zwar hätten amerikanische Geldmarktfonds zuletzt weniger kurzfristige Mittel bereitgestellt. BNP Paribas habe dies aber problemlos kompensieren können. Die Anleger blieben skeptisch: Der Aktienkurs gab gestern rund drei Prozent nach.

Société Générale: weitere Herabstufungen möglich

Seit Wochen sorgt die finanzielle Lage der Bank für Skepsis auf den internationalen Aktienmärkten. Daran änderten auch Sparpläne und angekündigte Verkäufe von Aktiva nichts. Die Moody’s-Herabstufung verstärkte die Zweifel nur. Die Bank wurde damit für ihr großes Engagement in Griechenland bestraft. Weitere Herabstufungen seien möglich, mahnte die Ratingagentur – der Ausblick sei negativ.

Société Générale: was Hoffnung macht

Es hätte für die SocGen schlimmer kommen können. Die Ratingagentur erklärte die Herabsetzung um „nur“ eine Stufe damit, dass das Institut über eine ausreichende Profitabilität und Kapitalisierung verfüge. Die Bank sei damit in der Lage, weiterhin potenzielle Verluste auszugleichen – auch die ihrer griechischen Filiale Geneki. Allerdings würden die Neufinanzierungssituation sowie die Liquidität der Bank beobachtet.

Société Générale: zu groß für die Pleite?

Moody’s erklärte auch, bei der SocGen seien mögliche öffentliche Finanzhilfen berücksichtigt worden. Damit kommt die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Bank im Ernstfall vom französischen Staat aufgefangen werde, um ein systemisches Risiko zu verhindern. Die SocGen wies in einer Pressemitteilung darauf hin, dass das Griechenland-Risiko von Moody’s als zu bewältigen angesehen werde.

Société Générale: herber Gewinneinbruch

Die Bank hat das Volumen griechischer Staatsanleihen zwar schon stark reduziert, sie hält aber noch immer mehr als eine Milliarde Euro. Das private und öffentliche Engagement in Griechenland wird zusammen auf 6,6 Milliarden Euro geschätzt. SocGen hatte im zweiten Quartal durch hohe Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen einen derben Gewinneinbruch erlebt. Den Wert der von ihr gehaltenen Athen-Anleihen hat die Bank um 395 Millionen Euro nach unten korrigiert. An der Börse wird SocGen nur noch mit rund 13 Milliarden Euro bewertet.

Société Générale: Gefahr der Übernahme?

Die Bank laufe jetzt Gefahr, Ziel einer Übernahme zu werden, sagte Jean-Pierre Balligand, Abgeordneter der sozialistischen Partei, in einem Interview gegenüber Bloomberg News. 

Crédit Agricole: großes Griechenland-Engagement

Die drittgrößte Bank Frankreichs besitze zwar ausreichend Reserven, um mögliche Verluste in Griechenland in Griff zu bekommen, schrieb die Agentur Moody’s. Das Institut sei aber über sein Tochterunternehmen Emporiki-Bank sehr stark in Griechenland engagiert.

Crédit Agricole: viele Zweifel

Die Möglichkeiten zur Neufinanzierung sowie die Liquidität der Bank würden deshalb weiter beobachtet. Bei der aktuell nervösen Lage der Aktien- und Finanzmärkte sei nicht auszuschließen, dass sich die Neufinanzierungssituation verschlechtere, schrieb Moody’s. Sowohl bei Société Générale als auch bei Crédit Agricole gibt es Zweifel an einer Refinanzierung über die US-Kapitalmärkte. CA hält die Zweifel für unbegründet.

Crédit Agricole: 26 Milliarden im Feuer

Die französische Nummer drei hat mit der griechischen Emporiki-Bank 26,4 Milliarden Euro im Feuer – vor allem im Privatkundengeschäft. Darüber hinaus ist das Finanzinstitut auch in Italien sehr präsent und hält italienische Staatspapiere im Volumen von zehn Milliarden Euro. CA beziffert die Belastungen aus den Abschreibungen auf die von ihr gehaltenen Griechenland-Anleihen sowie auf die Tochter Emporiki im zweiten Quartal auf 640 Millionen Euro netto. Der Gewinn sank im abgelaufenen Quartal um elf Prozent auf 339 Millionen Euro.

Crédit Agricole: Aktie unter Druck

Seit Anfang des Jahres ist der Aktienkurs des Konzerns um fast 50 Prozent gefallen. CA erklärte als Reaktion auf die Moody’s-Bewertung, man werde bis Jahresende einen Unterstützungsmechanismus für seinen Investment-Arm einführen. Das werde entweder eine Garantieerklärung oder eine vollständige Eingliederung des Investment-Bankings sein.    

Der Verkauf des belgischen Teils von Dexia hat nicht nur einen Verlust beschert, sondern an anderer Stelle auch für Entlastung gesorgt: So konnte die aufgeblähte Bilanz um 150 Milliarden Euro verkleinert werden, auf immer noch beachtliche 412 Milliarden Euro.

Mariani, den der Verwaltungsrat mit der Zerschlagung des Geldhauses beauftragt hat, wird sie durch zusätzliche Verkäufe weiter reduzieren. Für die Privatbanktochter des Instituts in Luxemburg interessiert sich ein Investor, mit dem exklusive Verhandlungen laufen. Es soll sich um den Staatsfonds von Katar handeln, der offenbar bereit ist, 900 Millionen Euro zu bezahlen. Zum Verkauf steht zudem unter anderem die türkische Tochter Denizbank, für die ein Milliardenerlös erwartet wird. Deren Bücher sollen laut Mariani kommende Woche für Interessenten geöffnet werden.

Frankreich steht für 36,5 Prozent der Staatsgarantien für Dexia in Höhe von insgesamt 90 Milliarden Euro gerade, Belgien für 60,5 Prozent und Luxemburg für drei Prozent.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

09.11.2011, 13:17 Uhr

Oh WOW, das nenn ich mal eine Minusrendite !

Account gelöscht!

09.11.2011, 13:35 Uhr

Die Schuldfrage ist doch geklärt, oder?
Natürlich die EU und der EURO!
Geht doch....

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