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04.12.2012

21:38 Uhr

Bericht des Einlagenfonds

US-Banken machen Krise vergessen

VonNils Rüdel

Amerikas Banken geht es so gut wie seit Jahren nicht mehr. Wie der Einlagenfonds FDIC berichtet, hat die Branche im vergangenen Quartal kräftig Kasse gemacht. Selbst die kleinen Institute stehen wieder besser da.

Börse an der Wall Street: Den US-Banken geht es so gut wie lange nicht mehr. dpa

Börse an der Wall Street: Den US-Banken geht es so gut wie lange nicht mehr.

New YorkDer Wall Street geht es so gut wie seit 2006 nicht mehr: Die US-Banken haben das beste Vierteljahr seit der Finanzkrise hinter sich gebracht. Im dritten Quartal 2012 seien die Gewinne weiter gestiegen, die Zahl der angeschlagenen Institute habe sich verringert, teilte die staatliche Einlagensicherungsbehörde FDIC in ihrem vierteljährlichen Bericht am Dienstag mit.

FDIC-Chef Martin Gruenberg sprach von einer „schrittweisen, aber anhaltenden Erholung“ des Sektors. „Anzeichen für einen weiteren Fortschritt waren sichtbar unter anderem beim Wachstum der Kreditvergabe, der Qualität der Vermögenswerte und der Profitabilität“.

Demnach haben die mehr als 7000 bei der FDIC angeschlossenen Banken zwischen Juli und September Nettogewinne von insgesamt 37,6 Milliarden Dollar erzielt, ein Plus von 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Gleichzeitig war es das 13. Quartal in Folge, in dem die Gewinne im Jahresvergleich zugelegt haben. Die Gesamtumsätze kletterten um drei Prozent auf 169,6 Milliarden Dollar.

Verantwortlich für die Steigerung der Gewinne ist laut FDIC neben höheren Einnahmen aus Bankgeschäften auch der Umstand, dass die Institute ihre Rücklagen für faule Kredite weiter zurückfahren konnten. Wenn mehr Amerikaner in Lohn und Brot stehen, können sie auch ihre Raten pünktlich bezahlen. So betrugen die Rückstellungen im dritten Quartal insgesamt 14,8 Milliarden Dollar – fast ein Fünftel weniger als im Vorjahreszeitraum.

Das berichten die US-Großbanken über das 3. Quartal

JP Morgan

Die größte US-Bank JP Morgan Chase verdient wieder soviel wie vor der Krise. Im dritten Quartal steigerte JP Morgan den Nettogewinn um ein Drittel auf 5,7 Milliarden Dollar. Hauptgrund ist die boomende Nachfrage nach Hypotheken in den USA. Allein im Geschäft mit Häuserkrediten nahm das Institut 1,8 Milliarden Dollar ein – 36 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das Ergebnis übertraf die Analystenerwartungen.

Wells Fargo

Die Erfolgsgeschichte von Wells Fargo geht weiter. Im dritten Quartal wuchs der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 22 Prozent auf den Rekordwert von 4,94 Milliarden US-Dollar. Damit übertraf die Bank die Erwartungen von Analysten. Wells Fargo profitierte von der sich bessernden US-Konjunktur und dem weiter anziehenden Immobilienmarkt.

Citigroup

Die Citigroup muss einen Gewinneinbruch hinnehmen. Die Erlöse gingen um 88 Prozent auf 468 Millionen Dollar zurück. Wesentlicher Grund dafür waren Sonderabschreibungen in Höhe von 2,9 Milliarden Dollar (nach Steuern), weil die Bank beim Verkauf ihrer Tochter Smith Barney nicht den erhofften Preis erzielen konnte.

Goldman Sachs

Goldman Sachs wies einen überraschend kräftigen Gewinn von 1,5 Milliarden Dollar aus, nachdem ein Jahr zuvor noch ein Verlust von 428 Millionen Dollar in den Büchern stand. Die Einnahmen stiegen um 133 Prozent auf 8,4 Milliarden Dollar. Die Investmentbank verdient dank der Erholung an den Finanzmärkten wieder prächtig.

Bank of America

Einen Gewinn von gerade einmal 340 Millionen Dollar hat die Bank of America im dritten Quartal erzielt. Vor einem Jahr erwirtschaftete die Bank noch ein Plus von 6,2 Milliarden Dollar. Schuld daran waren vor allem Sondereffekte wie die Abschreibung von 1,6 Milliarden Dollar nach einer 2,4 Milliarden Dollar teuren Einigung, um einer Sammelklage von Aktionären zu entgehen.

Morgan Stanley

Die US-Großbank Morgan Stanley fuhr im dritten Quartal einen Verlust von einer Milliarde Dollar ein. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum erzielte die Investmentbank noch einen Gewinn von 2,2 Milliarden Dollar. Der Umsatz schrumpfte in den drei Monaten von Juli bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 9,8 auf 5,3 Milliarden Dollar.

Bereinigt um Abschreibungen auf Schuldbewertungen kletterte aber der Umsatz auf 7,6 Milliarden Euro. Im Vorjahr bezifferte sich der bereinigte Umsatz nur auf 6,4 Milliarden Dollar. Um die Abschreibungen bereinigt stand ein Gewinn von 561 Millionen Dollar, verglichen zu 64 Millionen Dollar im Vorjahr.

Gleichzeitig legten die Einnahmen durch neue Kredite weiter zu. „Mehr als 55 Prozent der Banken haben von Steigerungen bei der Kreditvergabe berichtet“, so FDIC-Chef Gruenberg. Auch kleine Banken seien darunter. Trotzdem sei das Wachstum bei der Kreditvergabe im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen – von 102 auf 64,8 Milliarden Dollar. Schuld daran sei unter anderem eine Abkühlung bei Baukrediten.

Dennoch geben die FDIC-Zahlen insgesamt Anlass zur Hoffnung. Offenbar geht es dabei nicht nur den größten Instituten immer besser: Die FDIC hat im vergangenen Quartal weitere Namen von ihrer „Problem-Liste“ gestrichen: Die Zahl der angeschlagenen Institute, zumeist kleinere Regionalbanken, sank von 732 auf 694. Es ist das erste Mal seit drei Jahren, dass weniger als 700 auf der Liste standen.

Die Vermögenswerte der Problembanken verringerten sich von 282 auf 262 Milliarden Dollar. Zwölf Banken gingen im dritten Quartal pleite, so wenige wie seit Ende 2008 nicht mehr. Im Gesamtjahr sind es 50 Bankrott-Fälle, rund die Hälfte des Vorjahreswerts.

Das sind die größten Banken der Welt

Platz 10

Die Commonwealth Bank of Australia eröffnet die Top Ten der größten Banken der Welt nach Marktkapitalisierung. Das Institut mit Sitz in Sydney verfügt über einen Börsenwert von 81 Milliarden Euro.

Stand: 08. Januar 2013, Quelle: Thomson Reuters

Platz 9

Die Citigroup ist die neuntgrößte Bank der Welt. Die US-Großbank hat einen Börsenwert von 96 Milliarden Euro.

Platz 8

Mit knappen Vorsprung belegt die Bank of America Rang acht im Ranking. Das US-Institut verfügt über eine Marktkapitalisierung von 101 Milliarden Euro.

Platz 7

Die Agricultural Bank of China kommt auf Platz sieben. 114 Milliarden Euro beträgt die Marktkapitalisierung.

Platz 6

Auch der sechste Rang geht an ein Institut aus dem Reich der Mitte – die Bank of China. 125 Milliarden Euro ist das Geldhaus an den Börsen wert.

Platz 5

JP Morgan Chase eröffnet die Top Fünf. 132 Milliarden Euro beträgt die Marktkapitalisierung.

Platz 4

Die US-Großbank Wells Fargo scheitert knapp am Treppchen des Rankings. Der Börsenwert beträgt 140 Milliarden Euro. Nur drei Banken sind mehr wert.

Platz 3

Die HSBC kann sich über den Bronzerang freuen. Der Börsenwert des Instituts beträgt 151 Milliarden Euro.

Platz 2

Die China Construction Bank kommt auf Platz zwei mit einer Marktkapitalisierung von 195 Milliarden Euro. An den Spitzenreiter kommt das Institut damit aber noch lange nicht heran.

Platz 1

Die Industrial and Commercial Bank of China hat einen gigantischen Börsenwert von 227 Milliarden Euro. Die Bank ist die größte der Volksrepublik, auch wenn man die Bilanzsumme heranzieht.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

04.12.2012, 23:23 Uhr

Tja,dann kann es ja weitergehen wie gehabt.
Leute tut mir einen Gefallen und hebt jeden Euro vom Konto ab,den ihr dort zinslos herumliegen habt,und legt ihn unters Kopfkissen,dort ist er nicht nur besser aufgehoben,es gibt ähnlich viel Zinsen,sondern es wird auch Wirkung auf die Banken machen.Vermeiden Sie Bargeldlosen Zahlungsverkehr,wo es nur geht und kündigen Sie,wenn es irgendwie geht,ihre Kreditkarte.Vertrauen zu Banken bringt sie in Teufels Küche,nirgendwo anders hin!!!

nobum

05.12.2012, 00:01 Uhr

"US-Banken machen Krise vergessen."
Aber die Basel-III-Vorschriften wollen sie verschieben.
Da stimmt was nicht.

Inflate_Or_Die

05.12.2012, 01:18 Uhr

Die klarsten und unmissverständlichsten Worte zu diesem makabren Spiel findet wohl der amerikanische Finanzjournalist Max Keiser:
"Und wenn Sie verstehen, dass Schulden am Boden der Pyramide stehen und dass es keinerlei Grundkapital gibt, oder Kapital im Sinne des Wortes wie es üblicher Weise verstanden wird, dann verstehen Sie, dass die Banken und Politiker ein Programm im Auftrag der Wall Street fortsetzen, um einen Finanz-Holocaust zu verüben, der in der Eliminierung der Mehrheit in Amerika besteht, und das ist die Mittelschicht. Die Wall-Street-Banken mit ihren Kreditausfallversicherungen, ihrem Hochfrequenz-Computerhandel und ihrem betrügerisch-fingierten Market Making injizieren das Äquivalent von finanziellem Zyklon B in die amerikanische und globale Wirtschaft."
http://www.mmnews.de/index.php/gold/6297-alles-wird-gegenueber-gold-entwertet-werden
Nützen wird aber auch das wenig - ebenso wenig wie sämtliche Aufrufe zum Bank Run. Die Mehrzahl der Menschen versteht (leider) nicht den Aufbau unseres Geld- und Finanzsystems. De facto haben übrigens in Griechenland und Spanien bereits Bank Runs stattgefunden, aber Wirkung hat es auf die Banken nicht wirklich gemacht, denn Sie wissen ja: jede systemrelevante Bank erhält einen Bailout, notfalls wird das von den Banken abgezogene Geld einfach von den Notenbanken nachgedruckt.
Und dieses Spiel lässt sich so lange weiter durchziehen, bis irgendwann das Vertrauen in das Papier(=Betrugs)geld komplett verloren geht und die Währungen durch Flucht daraus (hyperinflationär)crashen. Wann das geschieht, ist schwer zu sagen, aber seien Sie gewiss: Voltaire wird auch dieses Mal Recht behalten:
"Jedes Papiergeld fällt irgendwann auf seinen inneren Wert zurück – null."
Und aus diesem Grund ist die Sache mit den bedruckten Zettelchen unter dem Kopfkissen auf längere Sicht auch keine allzu gute Idee...

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