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22.06.2012

18:37 Uhr

Berufsverbot

Wenn der Ölhändler im Blackout handelt

Steven Perkins erhielt in Großbritannien ein Berufsverbot. Später wurde er in der Schweiz wieder angestellt. Immer mehr Banker werden in London aus der Branche geschmissen - doch sie steigen wieder ein.

Zahlreiche Banker erhalten in London Berufsverbot - und ziehen weiter. Reuters

Zahlreiche Banker erhalten in London Berufsverbot - und ziehen weiter.

LondonLondoner Banker erhalten zunehmend Berufsverbote auf Lebenszeit, weil sie Vorschriften zum Markt- Missbrauch gebrochen haben. Mit dieser drastischen Maßnahme versucht die dortige Aufsichtsbehörde, als strengerer Regulierer wahrgenommen zu werden.

Die Anzahl der Banker, die von der Financial Services Authority (FSA) mit einem Berufsverbot belegt wurden, erreichte in den zwölf Monaten bis April 2011 ihren bisherigen Höhepunkt. In dem Zeitraum wurden insgesamt 71 Menschen aus der Banken- und Hypothekenbranche verbannt.

Zum Vergleich: 2003 hatten lediglich vier Personen ein Berufsverbot von der FSA erhalten. In den zwölf Monaten bis April 2012 lag die Anzahl der Verbannungen bei 47. Die Angaben stammen aus dem neuen FSA-Jahresbericht, der in dieser Woche in London veröffentlicht wurde.

Wo Banker in Europa am meisten verdienen

Gehalt und Leistung

Ein erstes Urteil fällt eine Studie des unabhängigen Equity-Research-Unternehmens Alpha Value schnell: Banker verdienen zu viel. Im Schnitt sind es rund 40 Prozent mehr als andere Industrien. Dies steht im krassen Gegensatz zu der Performance der Geldhäuser – Aktionäre haben seit 2007 mit Bankentitel rund 86 Prozent an Vermögen verloren. Ein kurze Übersicht, wo in Europa wie viel verdient wird.

Platz 13

In Belgien haben Banker 2010 laut einer Studie von AlphaVille 250.700 Euro verdient. Im Vorjahr war es mehr als doppelt so viel. Die Summen beziehen sich auf Durchschnittgehälter von leitenden Managern.

Platz 12

Die Banker in Norwegen haben dagegen 2010 mehr verdient als im Jahr davor, nämlich im Schnitt 538.000 Euro.

Platz 11

Bei unseren Nachbarn in den Niederlanden verdient man als Banker durchschnittlich "nur" 623.000 Euro, ein wenig mehr als 2009.

Platz 10

Die Banker in Dänemark haben es noch so gerade in die Top Ten geschafft: Sie verdienten 2010 im Schnitt 797.000 Euro.

Platz 9

Vielleicht eine kleine Überraschung, die Portugiesen in diesem Ranking so weit oben zu sehen. Aber nur weil das Land kein richtig großes Institut hat, können die Banker ja dennoch ordentlich verdienen: 846.000 Euro waren es durchschnittlich - übrigens deutlich mehr als 2009.

Platz 8

Einen kräftigen Schluck aus der Pulle haben sich die französischen Banker gegönnt: Ihr Durchschnittgehalt stieg auf 865.000 Euro. Im Vorjahr waren es "nur" knapp 600.000 Euro.

Platz 7

Auf Rang sieben überspringt Österreich die "magishe" Millionengrenze: In der Alpenrepublik verdienen Top-Banker im Schnitt 1,25 Millionen Euro.

Platz 6

Auch in Schweden kann man in Geldhäusern gutes Geld verdienen: 1,36 Millionen Euro waren es 2010.

Platz 5

Die Italiener schaffen es in die Top Five. Die leitenden Angestellten von Unicredit, Intesa und Co. verdienen durchschnittlich 1,9 Millionen Euro.

Platz 4

Bis zu unseren deutschen Bankern auf Rang vier ist es ein gewaltiger Sprung: Hierzulande verdienen leitende Manager 3,3 Millionen Euro. 2009 war es mit 3,5 Millionen Euro übrigens ein wenig mehr.

Platz 3

Sozusagen aufs Treppchen haben es die Funktioniere in Spanien geschafft: Hier lag das Gehalt bei 3,7 Millionen Euro.

Platz 2

Noch ein wenig mehr gibt es in der Schweiz, nämlich 4,4 Millionen Euro. Allerdings sind die Lebenshaltungskosten in Zürich oder Genf auch ein gutes Stück höher als in Deutschland.

Platz 1

Mit weitem Abstand gibt es in Großbritannien am meisten zu verdienen: 5,8 Millionen Euro verdienen die Banker in London. Kein Wunder, tun hier doch sehr viele Investmentbanker ihr Werk, die gewohnheitsmäßig auf überdurchschnittliche Vergütungen kommen.

Nach Auffassung von Experten zählen die Berufsverbote zu den Nachwehen von Finanzkrise und europäischer Staatsschuldenkrise. Die Entscheidungsträger in der Region haben die Branche stärker ins Visier genommen und unter anderem Obergrenzen für Bonuszahlungen eingeführt. In London dürfte die Anzahl der Beschäftigten in der Branche einer Studie zufolge auf das niedrigste Niveau in 16 Jahren zurückfallen.

Die Berufsverbote „sollten nur als letzter Ausweg genutzt werden”, fordert Arun Srivastava, Chef des Bereichs Finanzdienstleistungen bei der Londoner Kanzlei Baker & McKenzie. „Man muss an die Auswirkungen denken für die Person, die aus der Branche ausgeschlossen wird. Denn das ist das Ende der Karriere.”

Zu den prominentesten Bankern mit Berufsverbot gehören Ravi Shankar Sinha, der frühere Chef der britischen Sparte von JC Flowers & Co. Er wurde für das Fälschen von Rechnungen mit einer Strafzahlung von 2,87 Millionen Pfund (3,55 Millionen Euro) belegt. Seit Februar darf er nicht mehr im Finanzsektor arbeiten. Alberto Micalizzi, Gründer des zusammengebrochenen Hedgefonds Dynamic Decisions Capital Management Ltd., traf dasselbe Schicksal im Mai, weil er Investoren in die Irre geführt hat. In diesem Fall lag die Strafzahlung bei 3 Millionen Pfund (3,7 Millionen Euro).

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

23.06.2012, 10:27 Uhr

Statt über den Fortgang der beruflichen Karriere von den entlassenen Banker zu berichten, sollte man in diesem Zusammenhang doch wohl besser aufzeigen, welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen, diese Herrschaften - weltweit - für eine Wiedergutmachung der von Ihnen angerichteten Schäden, in der Zukunft in die Pflicht zu nehmen!

Account gelöscht!

23.06.2012, 13:11 Uhr

Ich hab auch den Eindruck, dass hier der Blickwinkel falsch ist! Wenn man so liest was diese Banker so verbrochen haben sind das ganz klar Straftaten und da halte ich ein Berufsverbot für angemessen.

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