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02.01.2013

16:03 Uhr

Besondere Prüfung

Bankenaufsicht schlägt bei Schiffskrediten Alarm

Die Schiffsfinanzierung ist ein Sorgenkind vieler deutscher Banken. Vor allem HSH Nordbank, NordLB und Commerzbank sind von der Schwäche der Branche betroffen. Jetzt ordnet die Bafin eine besondere Prüfung an.

Containerschiffs an der Schleusenanlage Brunsbüttel: Die Bafin nimmt die Schiffskredite genauer unter die Lupe. dpa

Containerschiffs an der Schleusenanlage Brunsbüttel: Die Bafin nimmt die Schiffskredite genauer unter die Lupe.

FrankfurtDie deutsche Bankenaufsicht nimmt das rund 100 Milliarden Euro schwere Geschäft mit Schiffskrediten ins Visier. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat die Wirtschaftsprüfer in einem Brief angewiesen, die Schiffsfinanzierung bei der Prüfung der Bilanzen 2012 besonders unter die Lupe zu nehmen, wie mehrere Prüfer, Banker und Aufseher am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Die Branche leidet unter Überkapazitäten und der Flaute im Welthandel. Angesichts der Krise sollten die Werthaltigkeit der Forderungen, die Risiken in den Portfolien und die notwendigen Wertberichtigungen beleuchtet werden.

So viele Schiffskredite haben die Banken im Portfolio

10. Credit Suisse

Das Portfolio der Schweizer Bank an Schiffskrediten hat ein Volumen von 17 Milliarden Dollar.

9. BTMU

Die Bank of Tokyo-Mitsubishi besitzt ein Schiffskreditportfolio mit einem Volumen von 17 Milliarden Dollar.

8. BNP Paribas

Das Schiffskreditportfolio der Franzosen beträgt 18 Milliarden Dollar.

7. KfW

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau hält ebenfalls ein Schiffskreditportfolio in Höhe von 18 Milliarden Dollar.

6. RBS

Bei der Royal Bank of Scotland sind es 19 Milliarden Euro.

5. Nord LB

Das Volumen liegt hier bei 20 Milliarden Dollar.

4. Nordea

Auch beim schwedischen Finanzkonzern sind es 20 Milliarden Dollar.

3. Commerzbank, Deutsche Schiffsbank, Dresdner

Das Portfolio umfasst ein Volumen von 28 Milliarden Dollar.

2. DnB Nor

Der norwegische Finanzdienstleister hält ein Portfolio mit einem Volumen von 33 Milliarden Dollar.

1. HSH Nordbank

Das Geldhaus ist mit 42 Milliarden Dollar beteiligt.

(Stand: Juli 2012)

„Die Bafin hat gegenüber Unternehmen und Abschlussprüfern angekündigt, dass Schiffskredite bei den betroffenen Banken das Schwerpunkt-Thema bei der Abschlussprüfung in diesem Jahr sein sollen“, sagte Dirk Müller-Tronnier, Leiter der Banken-Praxis bei der Wirtschaftsprüfung Ernst & Young. „Davon durfte aber keine der Banken überrascht sein. Im Ergebnis ersetzt das eine Sonderprüfung.“ Bei einigen Instituten dürfte ein ganzer Sonderband zum Prüfbericht fällig werden. Die Bafin wolle die Portfolien besser vergleichen können, sagte Müller-Tronnier. „Wenn sie dann die Risiken größer einschätzt als die Banken, könnte sie etwa eine höhere Eigenkapitalunterlegung verlangen.“

Allein die zwölf größten deutschen Banken hatten Mitte 2012 nach Bundesbank-Daten 97,8 Milliarden Euro Schiffskredite in den Büchern, allen voran die Landesbanken HSH Nordbank und NordLB sowie die Commerzbank, die zu den fünf größten Schiffsfinanziers weltweit gehören.

Die Bafin dringe darauf, dass die Institute ihre Portfolien nun über Wertberichtigungen bereinigten, berichtete die „Börsen-Zeitung“. In den vergangenen Jahren habe sich eher kulant gezeigt. Die NordLB hatte ihre Risikovorsorge in den ersten neun Monaten mehr als verdreifacht, der Löwenanteil davon betrifft Schiffskredite. Auch die HSH hat die Wertberichtigungen deutlich erhöht. Die Commerzbank hatte zur Jahresmitte den Rückzug aus dem Geschäft mit Immobilien- und Schiffskrediten angekündigt. Bis die Bestände abgebaut sind, wird es allerdings Jahre dauern.

„Die Argumente dafür, dass man auf Wertberichtigungen in den Portfolien verzichtet, werden immer weniger, je länger die Krise dauert“, sagte Müller-Tronnier. „Die Entwicklung ist ja nicht besser geworden. Aber es kann durchaus plausibel sein, dass von zwei Banken mit dem gleichen Kreditvolumen ein Institut eine Milliarde, die andere aber nur 200 Millionen Euro abschreibt. Das hängt sehr von den Segmenten und den Kunden ab.“ Bestimmte Schiffstypen und Reeder sind von der Krise schließlich härter getroffen als andere.

Auch die Bundesbank hat in ihrem Finanzstabilitätsbericht kürzlich wegen der Branchenkrise Alarm bereits geschlagen. „Die Krise der internationalen Schifffahrt (...) trifft einige Institute doppelt. Zum einen erhöht sie den Risikogehalt entsprechender Forderungen. Zum anderen steigen wechselkursbedingt die Euro-Nominalbeträge der Kredite, die in Dollar ausgereicht wurden.“ Der Rückzug einzelner Banken und die Schieflagen geschlossener Schiffsfonds erschwerten für die Reeder die Kreditverhandlungen und die Anschlussfinanzierungen und erhöhten das Ausfallrisiko damit weiter.

Von

rtr

Kommentare (7)

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Nobody

02.01.2013, 17:10 Uhr

Eigentlich müßte die HSH schon längst abgewickelt werden, aber die Oberkriminellen in der Senatskanzlei unterstützen Ihresgleichen ohne Skrupel. Siehe auch HPA. So etwas passiert eben, wenn Staatsanwälte weisungsgebunden sind!!!!!!!!!

aspi

02.01.2013, 18:05 Uhr

jaja, in Krisenzeiten zwingen die Aufsichtsbehörend Banken und Versicherungen regelmässig, Investments (Aktien, Schiffe, Immobilien, Staatsanleihen...) u.a. an Hedgefonds zu verschleudern, um ihre Bilanz "zu bereinigen". Die Öffentlichkeit pflichtet natürlich den Aufsehern bei: "Wie können die nur dermassen riskante Geschäfte machen!". Im nächsten Branchen-Aufschwung dann fahren die Hedgefonds mit dem billig aufgekauften angeblichen Ramsch riesige Gewinne ein und die zur Bilanzbereinigung gezwungenen Banken und Versicherungen sind die Gelackmeierten. Diesmal beschimpft dann natürlich die Öffentlichkeit die Hedgefonds ob ihrer unmoralischen Gewinne auf Kosten anderer. Wäre das ganze ein Thriller, würde dann hinterher rauskommen, dass die Aufsichtsbehörden mit den Hedgefonds unter einer Decke gesteckt haben. Aber sowas gibts ja nur im Kino...

Eweber

02.01.2013, 18:32 Uhr

Dem pflichte ich 100 % bei. Es ist das sprichwörtliche Öl, welches ins Feuer gegossen wird. Die Bafin bewirkt mit einer solchen Politik ein prozyklisches Handeln seitens der Kreditinstitute. Sollte das den Kreditabbau beschleunigen, würde mehr notverkauft werden. In diesem Fall wären nicht nur erhebliche Vermögensverluste zu verzeichnen, sondern eine Branche würde kapheister gehen. Aber: Als Exportnation mit weltgrößter Schiffsflotte ist es anscheinend nicht wichtig, ob der maritime Standort Deutschalnd erhalten bleibt. Andere (wie die Griechen), die sich günstig mit Schiffen eindecken, wirds freuen. Prost Mahlzeit! In diesem System weiß leider die eine Hand nicht, was die andere macht.Ausser:Öl verschütten ...

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