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16.05.2013

21:03 Uhr

Bestandsaufnahme

EU-Bankenaufsicht verschiebt Stresstests

Nur nichts überstürzen: Um Fehler zu vermeiden und mögliche Überraschungen zu umgehen, wird der geplante Stresstest für die Großbanken der Eurozone verschoben. Besonders die Bafin befürchtete sonst heillose Verwirrung.

Blick auf das Bankenviertel in Frankfurt: Der geplante Stresstest der EBA wird verschoben. dapd

Blick auf das Bankenviertel in Frankfurt: Der geplante Stresstest der EBA wird verschoben.

LondonDie EU-Bankenaufsicht EBA hat die geplanten Stresstests auf das kommende Jahr verschoben. Zunächst sollen die Großbanken der EU einer Bestandsaufnahme unterzogen werden. Dies solle sicherstellen, dass die Stresstests fehlerfrei über die Bühne gingen, teilte die EBA am Donnerstagabend mit. Vorherige Tests hätten dabei versagt, Schwachstellen in den Bilanzen der Banken aus Ländern der Euro-Zone wie Spanien, Irland und Zypern aufzuspüren, die später einen Rettungsantrag stellen mussten.

Bevor die Europäische Zentralbank (EZB) die Aufsicht über die Geldhäuser der geplanten Bankenunion übernehme, müsse sie Klarheit über mögliche Mängel haben, hieß es weiter. So soll die EZB die Bestandsaufnahme in den 17 EU-Ländern, die der Bankenunion beitreten, selbst vornehmen. In den verbleibenden zehn EU-Mitgliedsländern obliegt die Analyse den nationalen Aufsehern.

Der genaue Zeitpunkt für die Bestandsaufnahme und den nachfolgenden Stresstest soll festgelegt werden, sobald das neue Gesetz, das die EZB als Bankenaufsicht in den 17 Euro-Zonen-Ländern etabliert, in Kraft tritt. Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme sollen zusammen mit denen des Stresstests im kommenden Jahr veröffentlicht werden.

Kapitalquoten großer Banken (1. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Svenska Handelsbanken

17,5 Prozent

Standard Chartered

10,7 Prozent

UBS

10,1 Prozent

HSBC

9,8 Prozent

Deutsche Bank

Nach der Kapitalerhöhung im April 2013: 9,5 Prozent

Santander

9,2 Prozent (Ziel für Ende 2013)

JP Morgan

8,9 Prozent

Credit Suisse

8,6 Prozent („Look-through“ Kapitalquote)

Commerzbank

Ende des 1. Quartals 2013: 7,5 Prozent

Nach der Kapitalerhöhung: 8,6 Prozent

Lloyds

8,1 Prozent

Royal Bank of Scotland

7,7 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hatte auf eine Verschiebung des nächsten Stresstests der EBA gedrungen, weil sie eine Verwirrung durch die verschiedenen Ergebnisse befürchtete. Zuvor war der September als Termin für die neuen Belastungsproben für die Geldhäuser ins Auge gefasst worden. Die EBA ist die europäische Bankenaufsicht, die die Finanzinstitute in den vergangenen Jahren auf ihre Kraft, Krisen zu bewältigen, abgeklopft hat. Mit dem Plan einer zentralen Bankenaufsicht bei der Europäischen Zentralbank waren zuletzt vermehrt Gerüchte aufgetaucht, die Behörde könne die Tests verschieben.

Mit der anvisierten Bankenunion soll die Aufsicht über die Großbanken in der Euro-Zone auf die EZB übergehen. Der Londoner EBA bleibt dann nur die Rolle, ein einheitliches Regelwerk für die Branche in allen 27 EU-Staaten sicherzustellen. Die beiden vorhergegangenen Stresstests 2010 und 2011 hatten in der Branche und bei Experten massive Kritik auf sich gezogen, da der Aufwand hoch war und das Ziel, die Märkte über den Zustand der Banken in Europa zu beruhigen, nicht erreicht wurde.

Von

rtr

Kommentare (13)

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Michael

16.05.2013, 20:11 Uhr

Der Stresstest ist nutzlos, wie wir ja vor kurzem erst gesehen haben. Welche Bank war es gleich wieder, die ihn bestanden hat, dann trotzdem Schwierigkeiten hatte?

roeper

16.05.2013, 21:02 Uhr

Wer den Stresstest verschiebt, weiß genau warum er es tut. Inzwischen denken unsere obergescheiten Banker der Zentralbanken,sie machen billige Zinsen um die Wirtschaft an zu kurbeln. Nur das Geld kommt in der Wirtschaft nicht an, genommen wird es um es schnellstens zu investieren, und die Börsen zu treiben, so passt nachher einfach auch der Stresstest, und die Banken haben die Regierungen wieder hinters Licht geführt. Die Steuerzahler dürfen es berappen, denn hier entsteht ganz bewusst eine riesige Investitionsblase, die mit Sicherheit platzen wird, sobald de ersten ihre Gewinne glatt stellen. dann viel Vergnügen

Account gelöscht!

16.05.2013, 21:49 Uhr

Nein, der Stresstest ist nicht nutzlos. Das von den Initianten zuvor fest definierte Resultat, dass nämlich alle Banken diesen Stresstest bestehen, macht ihn so wertvoll. Denn dann braucht man sich keine Sorgen mehr zu machen. Die Banken sind ja sicher.

Man kann das mit einem Schutzpolizisten vor einer Wahlkampfveranstaltung vergleichen, der sagt das keine Gefahr bestehe. Besteht keine Gefahr, würde dort kein Polizist stehen. Weil der Polizist dort steht, weiss man dass es nicht sicher sein kann.

Genauso ist es mit dem Stesstest der Banken. Wären die Banken sicher, würde es gar keinen Stresstest geben.

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