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08.04.2013

17:32 Uhr

Betriebsratschef warnt

Commerzbank droht ein Streik

ExklusivDie Commerzbank baut bis zu 6000 Arbeitsplätze ab. Die Arbeitnehmervertreter kämpfen um einen Sozialplan und sind auch zu einem Streik bereit. Die Friedenspflicht seit nicht „allumfassend“, so Betriebsratschef Tschäge.

Ein Absperrband an einem Eingang der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt. Reuters

Ein Absperrband an einem Eingang der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt.

FrankfurtDer Betriebsratschef der Commerzbank, Uwe Tschäge, hat im Streit um Personalkürzungen nun auch Arbeitsniederlegungen ins Gespräch gebracht. „Wir schließen nichts aus, auch keinen Streik“, sagte Tschäge dem Handelsblatt. Er habe das als eine Möglichkeit ins Gespräch gebracht, sollten die betrieblichen Verhandlungen scheitern.

Einen Streik als letztes Mittel hatte Tschäge zuerst in der Mitgliedszeitung der Gewerkschaft Verdi ins Spiel gebracht. Darin hatte er gesagt, den Betriebsräten gehe es nicht nur um einen „guten Sozialplan“, sondern auch darum, schlechtere Arbeitsbedingungen zu verhindern. „Ich sehe bei uns viel Streitpotenzial – aber durchaus auch Streikpotenzial, wenn wir die wesentlichen Fragen wie die angekündigte neue Eingruppierung, also die schlechtere Bezahlung der Kolleginnen und Kollegen, und die Samstagsarbeit nicht verhindern können“, sagte er dort.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Spannungen begleiteten die Gespräche über den Jobabbau von Beginn an: Die Bank hatte zu Jahresbeginn angekündigt, zwischen 4 000 und 6 000 der 53 600 Arbeitsplätze zu streichen. Daraufhin hatten sich die Arbeitnehmervertreter geweigert, formale Gespräche aufzunehmen. Erst nachdem der Vorstand in einer Erklärung einen weniger radikalen Stellenabbau in Aussicht gestellt hatte, wurden offizielle Verhandlungen aufgenommen.

Trotz der harschen Worte müsste ein Streik erst einige Hürden nehmen: Zu einer Arbeitsniederlegung kann nur die Gewerkschaft und nicht ein Betriebsrat aufrufen. Eine weitere Hürde ist der gültige Tarifvertrag: Solange der nicht ausgelaufen ist, besteht eine Friedenspflicht, es darf also nicht gestreikt werden. „Die (Friedenspflicht) ist aber nicht allumfassend und überall“, sagte Tschäge.

Von

yo

Kommentare (5)

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Berliner_Regeln

08.04.2013, 19:45 Uhr

Liebes Handelsblatt,

ganz so ist das nicht mit der Friedenspflicht in einem laufenden Flächentarifvertrag......

es besteht durchaus eine Streikmöglichkeit über eine betriebliche Tako.....

Pleitebank

08.04.2013, 20:40 Uhr

Schliesst den Laden 'Commerzbank' endlich !!! Bevor der Steuerzahler weiter zahlen muss !!!!!!!!!!!

Cassandra

08.04.2013, 22:57 Uhr

Der Steuerzahler zahlt doch laufend. 25% + 1 Aktie totes Kapital sind in diesem größten Dax Flop und das Ende ist noch längst nicht erreicht. Keinerlei Dividende seit Jahren und die jahrelangen Inflationsverluste sind noch das i-Tüpfelchen auf den immensen Kursverlusten die der Steuerzahler hier finanziert.

Das Management erhöht sich sein Gehalt um 160% und dafür müssen eben 6000 Menschen arbeitslos gemacht werden, die dann auch vom Steurzahler gestützt werden müssen. Verantwortung des Arbeitgebers - selten so gelacht!

Nächster Schritt in der "Rettung", Enteignung der Anleger (ehemals als Kontoinhaber bezeichnet) und Aktionäre. Bankia lässt grüßen.

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