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09.03.2006

13:51 Uhr

Betrugsaffäre

Ermittler nehmen sich Heros-Banken vor

VonCaspar Dohmen und Jan Keuchel

In der Betrugsaffäre um den Geldtransportkonzern Heros geraten die Banken in ein immer schlechteres Licht. Nach Informationen aus Ermittlerkreisen erstattete keines der Kreditinstitute, das Heros-Konten führt, Anzeigen wegen des Verdachts der Geldwäsche.

Bei Heros haben offenbar allzu viele Banken weggeschaut. Foto: dpa

Bei Heros haben offenbar allzu viele Banken weggeschaut. Foto: dpa

DÜSSELDORF. „Dabei hat es glasklare Indizien gegeben“, heißt es bei einem Landeskriminalamt. Die Vorgänge hätten alle Kriterien erfüllt, die eine Geldwäscheanzeige auslösen müssten. So seien etwa von Heros-Konten erhebliche Gelder auf private Depots von führenden Mitarbeitern des Unternehmens geflossen, deren Höhe das übliche Maß von Gehaltszahlungen weit überstieg. Banken sind ebenso wie Finanzbeamte, aber auch Anwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer gesetzlich verpflichtet, die Landeskriminalämter über undurchsichtige Zahlungsvorgänge sofort zu informieren.

Vier Heros-Manager, darunter Konzerninhaber Karl-Heinz Weis (57), werden beschuldigt, rund 350 Mill. Euro Kundengelder veruntreut zu haben. Alle vier sitzen in Untersuchungshaft. Nach ihrer Verhaftung meldete das Unternehmen mit rund 5 000 Mitarbeitern für alle 27 Gesellschaften Insolvenz an.

Seither mehren sich die Vorwürfe gegen Kunden, Versicherungen und Banken, über Auffälligkeiten hinweggesehen zu haben. Wie das Handelsblatt weiter erfuhr, untersuchen Kriminalbeamte vor allem auch das Verhalten der Kreditinstitute.

Dabei prüfen sie, ob die internen Kontrollsysteme mangelhaft waren oder ob die Institute bewusst wegschauten. Erst nach Bekanntwerden der Betrugsvorwürfe gegen Heros sollen zwei Banken nachträglich eine Geldwäscheanzeige eingereicht haben. Geschäftskonten unterhielt Heros unter anderem bei der Commerzbank in Frankfurt sowie der Sparkasse Hannover. „Wir haben kurz vor der Insolvenz Heros auf Unregelmäßigkeiten auf den Konten angesprochen“, sagte ein Sprecher der Commerzbank und ergänzt, „eine Verdachtsanzeige wegen Geldwäsche ist durch uns nicht erfolgt“. Die Sparkasse Hannover will wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens überhaupt keine Auskunft geben.

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