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30.01.2012

16:55 Uhr

Betrugsskandal

Ex-UBS-Händler Adoboli hält sich für nicht schuldig

VonKatharina Slodczyk

Der frühere Händler der Schweizer Großbank UBS Kweku Adoboli hat vor Gericht auf nicht schuldig plädiert. Adoboli soll mit nicht zulässigen Transaktionen der Bank einen Milliardenschaden zugefügt haben.

Kweku Adoboli hält sich für nicht schuldig. Reuters

Kweku Adoboli hält sich für nicht schuldig.

LondonDie Antwort kommt laut und überdeutlich: „Nicht schuldig“, sagt Kweku Adoboli und das gleich vier Mal hintereinander. Der ehemalige Händler der Schweizer Bank UBS bekennt sich Montag Vormittag vor einem Gericht im Londoner Süden weder des Betrugs für schuldig, noch der Urkundenfälschung, noch der anderen Tatbestände, die ihm zu Last gelegt werden. In allen vier Anklagepunkten beteuert der 31-Jährige seine Unschuld.

Im September ist der Brite mit ghanaischen Wurzeln verhaftet worden. Er soll sich mit unerlaubten Wertpapiergeschäften verspekuliert und seinen ehemaligen Arbeitgeber mit diesen betrügerischen Geschäften um 2,3 Milliarden Dollar gebracht haben. Das stürzte die ohnehin schon angeschlagene Bank noch tiefer in die Krise. Der Skandal um Kweku Adoboli führte zum Rücktritt des damaligen UBS-Vorstandschefs Oswald Grübel und von zwei weiteren Topmanagern.

Adoboli saß seit seiner Verhaftung in Untersuchungshaft und hat sich heute zum ersten Mal zu den Vorwürfen gegen ihn geäußert. Zunächst erklärten seine Rechtsanwälte, sie bräuchten mehr Zeit, um zu verstehen, wie es zu den Verlusten für die UBS gekommen sei. Kurz vor Weihnachten wechselte der Adoboli seine Rechtsanwaltskanzlei, was das Verfahren weiter in die Länge zog.

In einem grauen Anzug, weißem Hemd und einer blauen Krawatte trat der 31-Jährige gestern vor Gericht auf. Er saß während der etwa 20 Minuten andauernden Anhörung in einem Glaskasten, während seine Verteidiger das weitere Vorgehen mit Richter Alistair McCreath besprachen. Der Prozess werde am 3. September beginnen, entschied McCreath. Ein früherer Termin sei nicht möglich. Und Adoboli bleibt zunächst auch weiterhin in Untersuchungshaft. Nach Angaben seines Anwalts will er jedoch beantragen, gegen Kaution entlassen zu werden.

Gesunkene Erträge aus dem FICC-Handel

Barclays

3. Quartal 2010: 2.047 Millionen Euro
3. Quartal 2011: 1.670 Millionen Euro
Verlust: 18,4 Prozent

Credit Suisse

3. Quartal 2010: 1.093 Millionen Euro
3. Quartal 2011: 625 Millionen Euro
Verlust: 42,8 Prozent

Deutsche Bank

3. Quartal 2010: 2.280 Millionen Euro
3. Quartal 2011: 1.496 Millionen Euro
Verlust: 34,4 Prozent

UBS

3. Quartal 2010: 652 Millionen Euro
3. Quartal 2011: 552 Millionen Euro
Verlust: 15,3 Prozent

RBS

3. Quartal 2010: 1.162 Millionen Euro
3. Quartal 2011: 481 Millionen Euro
Verlust: 58,6 Prozent

Dem Händler, der seit 2006 bei der UBS arbeitete, drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis – sollte er schuldig gesprochen werden. Der von ihm mutmaßlich verursachte Milliardenverslust könnte für die UBS weitere Folgen haben. Laut „Wall Street Journal“ erwägen die Regulierungsbehörden in Großbritannien und in der Schweiz, ob sie gegen die Bank vorgehen – wegen Mängeln in der internen Kontrolle. Die britischen Aufseher haben bei Verstößen gegen Auflagen zur Risikokontrolle die Möglichkeit, Institute mit hohen Geldstrafen zu belegen.

Die UBS-Aktie verlor an der schwächeren Börse mit 3,5 Prozent etwa gleich viel wie der europäische Bankenindex.

Kommentare (5)

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Baier

30.01.2012, 12:39 Uhr

mit dem Geld hätte man ganz Afrika einen Monat lang ernähren können! Schade.

Account gelöscht!

30.01.2012, 13:01 Uhr

Adobolis Aufgabe war es, Anbieter synthetischer ETFs mit Derivaten zu versorgen. Solche Derivate nutzen Anbieter / Konstrukteure synthetischer ETFs dazu, den von Anlegern gewünschten Indizes (theoretisch) deckungsgleich zu folgen. Dies, ohne die realen Indexbestandteile zu erwerben.
Hintergrund ist, dass bei klassischen ETFs, die nach Erwerb der Indexbestandteile einem Index tatsächlich 1:1 folgen, für Anbieter nur noch geringe Vergütungen anfallen. Durch die Verwässerung mit Derivaten, die Indexbestandteile simulieren, werden dem Anleger bei synthetischen ETFs Risiken untergeschoben. Diese werden ins Kleingedruckte verdrängt und verniedlicht. Vor allem aber werden sie dem Anleger nicht vergütet und erzeugen so Prämien für die Anbieter.
Die Schummelei ist (insbesondere nach der Abwanderung der Anleger aus den spesenverwöhnten, aktiv gemanagten Fonds) der neue Hoffnungsträger der Finanzbranche. Ob Deutsche Bank, Goldman, Citigroup, JPMorgan, BofA, BarCap, RBS, BNP Paribas, SocGen, etc. alle verstärken massiv ihre Delta1-Bastel-Teams.
Nun ist im Adobolifall das Derivaterisiko nicht erst beim Kunden, sondern schon auf Anbieterebene, bei der Konstruktion des synthetischen ETFs, detoniert. Fatal aus Marketingsicht.
Adobolis Folge-Fehler bestand im Versuch, den Schaden zu verbergen. Sein Versuch, den Primärschaden auszugleichen, scheiterte kostspielig.
Btw, Grundsätzlich problematisch ist die Derivate-Verwässerung von ETFs in normalen Zeiten / Marktbewegungen sicher nicht.
Jedoch wenn in einer so kurzen Zeit wie im August 2011 die Indizes praktisch weltweit im Schnitt um ca. 25 % wegsacken, bekommt selbst der beste Financial Engineer mit dem besten Computer Modellen der Welt Probleme, die drastisch ansteigende Volatilität (Kappa) und der dramatischen Veränderung des Gamma, die Position wieder Delta-Neutral zu hedgen !

Florian0508

30.01.2012, 14:07 Uhr

Ich bin wirklich sehr enttäuscht von den vielen Satzstellungs- und Grammatikfehlern, welche das Handelsblatt online in diesen Artikel eingebaut hat.
Da ist meine abonnierte Printausgabe um einiges besser.

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