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05.09.2011

11:52 Uhr

Betrugsverdacht

Ermittlungen gegen Deutsche Bank auch in London

Britische Aufsichtsbehörden verdächtigen das Institut, Kunden mit falsche Informationen beim Wertpapierkauf versorgt zu haben. Josef Ackermann bleibt gelassen: „Die sollen uns beweisen, dass da Betrug im Spiel ist."

Die Deutsche Bank in Frankfurt am Main. Reuters

Die Deutsche Bank in Frankfurt am Main.

LondonDie Deutsche Bank ist nun auch ins Visier der britischen Behörde zur Untersuchung von Betrug und Korruption geraten: Man hole derzeit Informationen darüber ein, ob Kunden beim Kauf von durch die Bank zusammengestellten Wertpapieren falsche Informationen bekommen hätten, sagte eine Sprecherin des Serious Fraud Office (SFO) am Montag in London und bestätigte damit einen Bericht der „Financial Times“.

Es sei aber keine formale Untersuchung im Gang. Derzeit spreche man mit Kontakten in Londons Finanzdistrikt. Es sei nicht ausgeschlossen, dass im Anschluss eine Untersuchung eröffnet werde, erklärte die Sprecherin. Die britische Finanzaufsicht Financial Service Authority (FSA) wollte sich zu dem Fall nicht äußern.

Die „FT“ hatte berichtet, dass von der Untersuchung mehrere Geldhäuser betroffen seien, darunter auch Goldman Sachs. Das SFO habe Zeugen dazu aufgerufen, sich zu melden. SFO-Direktor Richard Alderman sagte der Zeitung, die Ermittlungen seien schwierig, da die Behörde den Instituten eine Betrugsabsicht nachweisen müsse.

Am Wochenende war bekanntgeworden, dass sich die Deutsche Bank wegen missglückter Hypotheken-Geschäfte zu Zeiten der Finanzkrise in den USA verantworten muss. Die US-Aufsichtsbehörde FHFA verklagt das Frankfurter Institut auf milliardenschweren Schadenersatz. Die Deutsche Bank weist die Forderungen als haltlos zurück. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ließ am Montag durchblicken, dass er der Klagewelle in den USA und möglicherweise Großbritannien gelassen entgegensieht. „Die sollen uns beweisen, dass da Betrug im Spiel ist. Ich bin sicher, das ist nicht ganz einfach“, sagte er bei der „Handelsblatt“-Tagung „Banken im Umbruch“ in Frankfurt.

Die jüngste Klage der FHFA gegen die Deutsche Bank und eine Reihe weiterer Großbanken bezeichnete er als eine Art „letzten Strohhalm“, um die Folgen der eigenen Fehler der Finanzkrise zu verringern. Ackermann rechnet nicht damit, dass sich die derzeit im Raum stehenden Milliardensummen nur annähernd so im eigenen Zahlenwerk wiederfinden werden. Die Auswirkungen der bisherigen Klagen und Vergleiche auf die Gewinn- und Verlustrechnung seien überschaubar gewesen.

Kommentare (5)

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PRhodan

05.09.2011, 08:42 Uhr

Wer wundert sich eigentlich noch über solche täglich eintrudelnde Meldungen. Und ist der Ruf erst ruiniert... Das ist eben Leistung aus Leidenschaft! Natürlich in erster Linie auf Kosten der Kunden und der vermeintlichen Geschäftspartner. Wie sollen EK-Renditen von 25 % auch sonst erzielt werden, wenn nicht durch Abzocke von Kommunen (die Bank gewinnt immer), Fonds mit virtuellen Riesenrädern, US-Policenfonds nicht nur mit virtuellen Policen sondern auch mit astronomischen Kosten. Wer dieser Bank noch Vertrauen schenkt, hat es auch nicht besser verdient. Nicht zu vergessen die tollen Investmentfonds der DWS wie Akkumula, Vermögensbildungsfonds I und etliche andere, die das Geld der Fondssparer seit 2001 regelmäßig verbrennen und längst ihre Existenzberechtigung verloren haben.

Kronecker

05.09.2011, 09:00 Uhr

Was heißt "falsche" Informationen? Kennt die Deutsche Bank überhaupt die richtigen? Ich meine , nein. Wer will schon akzeptieren, dass beispielsweise der DAX® effektiv nur aus 15 Aktien besteht, die das Risiko tragen - und die nominalen 30 eine "falsche" Information ist.

Gast

05.09.2011, 10:20 Uhr

Wenn Gewinne gemacht werden, dann regt sich keiner auf. Aber sobald es mal rückwärst geht, dann wird die große Keule geholt und um sich geschlagen. Es geht doch nicht um das Sparbuch der Oma, das sich durch falsche Beratung in Luft aufgelöst hat.
Es geht um professionelle Kunden, wie Fanny und Freddy, die jetzt behaupten, sie wurden getäuscht und falsch beraten. Wo bleibt denn die Pflicht zur Prüfung der Anlageprodukte, und der gesunde Menschenverstand dieser professionellen Kunden? Bevor man etwas kauft, sollte man das Produkt einer sorgfältigen Prüfung unterziehen. Das gilt für Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt, dem Gebrauchtfahrtzeug und erst recht, wenn größere Summen im Spiel sind.
Jetzt zu behaupten die Anderen sind schuld und man wußte offensichtlich nicht was man tut, ist einfach lächerlich. Man will doch nur die Institute in Misskredit bringen und die Kurse weiter drücken und vor allem, von der eigenen Verantwortung ablenken. Das paßt doch hervorragend in die momentane Landschaft. Und wenn man Glück hat, wird man noch einen überforderten Richter finden, der einem dennoch Schadensersatz zuspricht.

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