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15.12.2012

01:46 Uhr

Beweismittel

IBM-Razzia verschärft Verdacht gegen Deutsche Bank

Ermittler werfen der Deutschen Bank das Vorenthalten von Informationen vor. Nun durchsuchten sie die Büros von deren IT-Dienstleister IBM. Doch es ist kein Löschauftrag, der die Bank-Mitarbeiter in die Bredouille bringt.

Ein Polizeiwagen vor dem Hauptgebäude der Deutschen Bank. Auch bei IBM gab es eine Razzia. dapd

Ein Polizeiwagen vor dem Hauptgebäude der Deutschen Bank. Auch bei IBM gab es eine Razzia.

BerlinIn der Affäre um Steuerhinterziehung beim Handel mit Verschmutzungsrechten soll die Deutsche Bank den Ermittlern einem Medienbericht zufolge wichtige Informationen vorenthalten haben.

Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, sollen die beschuldigten Mitarbeiter keinen Auftrag erteilt haben, bereits gelöschte Daten wieder herstellen zu lassen. Das hat die ermittelnde Staatsanwaltschaft nach einer Durchsuchung der Geschäftsräume des IT-Unternehmens IBM Deutschland festgestellt. IBM ist der IT-Dienstleister der Deutschen Bank.

IBM-Mitarbeiter hätten darauf hingewiesen, dass gelöschte Daten wieder hergestellt werden können, heißt es in dem Bericht. Die Bank hingegen soll für eine Aufbereitung aber keinen Auftrag erteilt haben.

Im Zuge der Ermittlungen seien rund 20.000 Gespräche von Finanzmarkthändlern der Bank ausgewertet worden. Es habe sich herausgestellt, dass die Bank auch in anderen Ermittlungsverfahren vorhandenes Beweismaterial den Behörden vorenthalten habe. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte der Zeitung: "Wir werden die Vorwürfe prüfen."

Die Baustellen der Deutschen Bank

Juristische Probleme

Geldwäsche, Steuerhinterziehung, versuchte Strafvereitelung - die Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Deutschen Bank bis in den Vorstand wiegen schwer. Die laufenden Ermittlungen zum Handel mit Luftverschmutzungsrechten sind nicht die einzige juristische Baustelle des größten deutschen Geldhauses. In den ersten neun Monaten 2012 legte der Dax-Konzern 750 Millionen Euro für juristische Risiken zur Seite. Insgesamt schätzt der Konzern seine Rechtsrisiken nach jüngsten Angaben auf 2,5 Milliarden Euro. Ein Überblick:

Emissionsrechte

Das Geschäft mit Zertifikaten zum Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) ist millionenschwer. Seit Jahren ist die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft Umsatzsteuerbetrügern auf der Spur, die den deutschen Fiskus um hunderte Millionen schädigten. Schon 2010 gab es in diesem Zusammenhang eine Razzia bei der Deutschen Bank. Im Dezember 2011 wurden sechs Männer einer internationalen Bande verurteilt, mit denen Deutsche-Bank-Mitarbeiter kooperiert haben sollen.

Razzia

In dem Prozess vor dem Landgericht Frankfurt musste sich die Deutsche Bank vorhalten lassen, den grenzüberschreitenden CO2-Zertifikatehandel erst so richtig in Schwung gebracht zu haben. Die Bank hatte seinerzeit betont, es gebe bisher „keine Hinweise auf eine Verstrickung der Mitarbeiter der Bank“. Am Mittwoch durchsuchten Fahnder erneut Geschäftsräume des Instituts. Gegen fünf Mitarbeiter erging Haftbefehl wegen des Verdachts auf Geldwäsche und versuchte Strafvereitelung, die Zahl der Verdächtigen erhöhte sich auf 25. Die Ermittlungen zum Umsatzsteuerbetrug richten sich auch gegen Konzernchef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause, weil sie die Umsatzsteuererklärung 2009 der Bank unterzeichneten.

Libor

Über Jahre sollen Großbanken den Referenzzins manipuliert haben, um höhere Gewinne zu erzielen. Dass einzelne Mitarbeiter des Dax-Konzerns in den Jahren 2006/2007 an den Tricksereien beteiligt waren, daran gibt es auch nach Angaben der Bank keine Zweifel. Zwei Deutsche-Bank-Mitarbeiter wurden gefeuert. Das Institut schließt nach internen Untersuchungen aber aus, dass das höhere Management an Manipulationen beteiligt war. In die Kritik geraten war der seit Juni amtierende Co-Chef Anshu Jain, der seit Jahren das Investmentbanking verantwortet. Ende November musste sich Rechtsvorstand Stephan Leithner im Bundestags-Finanzausschuss unangenehme Fragen gefallen lassen. Die „London Interbank Offered Rate“ (Libor) gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Der Zins dient als Maßstab für Geldgeschäfte in Billionenhöhe.

Kirch

Im Dauerclinch um die Pleite des Medienimperiums des inzwischen gestorbenen Leo Kirch droht der Bank eine möglicherweise teure Niederlage. Das Münchner Oberlandesgericht (OLG) deutete zuletzt an, dass es eine Verurteilung der Bank für wahrscheinlich hält. Der damalige Konzern-Chefs Rolf Breuer hatte Anfang 2002 in einem Interview Kirchs Kreditwürdigkeit angezweifelt. Wochen danach brach der Kirch-Konzern zusammen. Kirch machte Breuer und die Bank zeitlebens dafür verantwortlich. Dessen Erben fordern in dem Münchner Verfahren gut zwei Milliarden Euro Schadenersatz. Breuer nennt das Interview heute einen „Unfall“, einen Vergleich lehnte die Bank ab.

USA

Dort landet die Bank wegen Geschäften aus den Zeiten vor der Finanzkrise 2007/2008 immer wieder vor dem Kadi. Oft geht es um windige Hypothekengeschäfte. So soll das Institut Investoren mit Verbriefungsgeschäften übers Ohr gehauen haben. Im Mai schaffte das Geldhaus durch Zahlung von 202 Millionen US-Dollar eine Klage wegen zwielichtiger Geschäfte der US-Tochter MortgageIT aus der Welt.

Vier Bank-Mitarbeiter sitzen wegen der Affäre derzeit in Untersuchungshaft. Bei den Ermittlungen geht es um den Verdacht der schweren Steuerhinterziehung beim Handel mit C02-Emissionszertifikaten, Geldwäsche und versuchter Strafvereitelung. Im Visier der Behörden stehen auch Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause.

Deutsche Bank

Fitschen - Der ehrbare Kaufmann

Deutsche Bank: Fitschen - Der ehrbare Kaufmann

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Von

afp

Kommentare (17)

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so_what

15.12.2012, 02:39 Uhr

Oh ha, haben wir in Germany noch eine ehrbare Bank? Bitte alle sich zu melden!

Der Krieg ist eröffnet, möglicherweise zu Recht.

In der Steueraffäre bei der Deutschen Bank gehen Ermittler davon aus, dass E-Mails vernichtet und der Polizei vorenthalten wurden, berichtet die "Süddeutsche Zeitung".
14.12. 08:29 - Echtzeitnachricht


Die Fed verpasst ausländischen Banken strengere Kapitalregeln, welche ab 2015 für rund zwei Dutzend Institute mit einer Bilanzsumme von mehr als $50 Mrd gelten werden.
Unter den betroffenen Instituten befinden sich auch die Deutsche Bank und das britische Institut Barclays. Deren US-Töchter müssen künftig mehr leicht verkäufliche Vermögenswerte in den USA halten.

Fed: Die Pläne für strengere Kapitalanforderungen betreffen ausländische Banken mit Assets über $50 Mrd und sehen Stresstests vor.
20:52 - Echtzeitnachricht

Bernanke: Ausländische Banken spielen eine wichtige Rolle in den USA.
Die vorgeschlagenen Kapitalregeln für ausländische Banken reduzieren das systemische Risiko.
Die neuen Kapitalregeln sind konsistent mit denen für heimische Banken.
21:11 - Echtzeitnachricht

Die Deutsche Bank war auch an der "Andienung der CDS in der Finanzkrise" involviert.
Das Projekt lief damals so gut, daß es damals eine Anfrage an die DB aus Rußland gab, entsprechendes für ihr Land zu entwickeln. Dazu kam es dann nicht - Gott sei Dank, die Krise war schneller...

Da könnte noch einiges ins Haus der DB stehen.

Na, was sagt nun Ackemann dazu?

Vielleicht darf/kann GS bald übernehmen ....

steuerhilfe.net

15.12.2012, 08:10 Uhr

Bänker haben doch Narrenfreiheit, da sie das Werk Gottes verrichten laut Goldman Sachs. Die denken sie stehen über dem Gesetz und haben zu 99 % sogar Recht damit, da die politische Kaste größtenteil von ihnen gekauft wurde und nur ab und zu mal, als Alibi gegen sie vorgeht. Damit der Bürgerpöbel auf der Straße ruhig ist.

Koboldo

15.12.2012, 09:29 Uhr

Da hat sich die DB wohl einen schweren Klotz ans Bein gebunden... Aber es ist wie überall in den Manageretagen: Man setzt sich hinsichtlich von Renditen irrsinnige Ziele, die man mit allen Mitteln erreichen will, auch zu Lasten von Mitarbeitern. Es soll dabei vorkommen, dass gelegentlich der Weg der Legalität verlassen wird...

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