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12.09.2011

15:57 Uhr

Bezahlsystem

Elektronisches Lastschriftverfahren vor dem Aus

VonChristoph Schlautmann

ExklusivEinfach sollte es sein, das Bezahlen per EC-Karte und Unterschrift. Doch das elektronische Lastschriftverfahren ist in die Mühlen von Verbraucherschützern und EU-Behörden geraten. Schon bald droht das Ende.

Das elektronische Lastschriftverfahren sollte den Kunden die lästige PIN-Eingabe während des Einkaufs ersparen. Doch das System steht nun vor dem Aus. ap

Das elektronische Lastschriftverfahren sollte den Kunden die lästige PIN-Eingabe während des Einkaufs ersparen. Doch das System steht nun vor dem Aus.

FrankfurtUnterschrift genügt, hieß es vor 19 Jahren zum ersten Mal beim Düsseldorfer Familienunternehmen Peek & Cloppenburg. Gemeinsam mit der Deutschen Bank hatten die Textilverkäufer zuvor ein Bezahlverfahren entwickelt, das Kartenkunden die umständliche PIN-Eingabe ersparte - und obendrein die Firmenkasse schonte.

So sperrig die Bezeichnung „Elektronisches Lastschriftverfahren“ (ELV) damals klang: Das Bezahlen mit EC-Karte und Unterschrift entwickelte sich bald schon zum Renner. 690 Milliarden Euro, errechnete das Euro-Handelsinstitut (EHI), nahm Deutschlands Einzelhandel seither über das ELV ein. Jeden achten Bezahlvorgang begleichen Kunden inzwischen mit EC-Karte und Unterschrift, was einem Jahresumsatz von 46 Milliarden Euro entspricht.

Damit aber könnte bald Schluss sein. Das Bezahlsystem droht im Kompetenzwirrwarr von Landesdatenschützern, Verbraucherverbänden und EU-Harmonisierern unter die Räder zu geraten. „Es ist nicht sicher, ob es das Verfahren in fünf Jahren noch gibt“, sagt Horst Rüter, Leiter des Forschungsbereichs Zahlungssysteme beim EHI in Köln.

Stein des Anstoßes sind Schwarze Listen der Händler, auf denen frühere Zahlungsausfälle und damit zweifelhafte Kundenkarten gespeichert werden. Geführt werden sie nur selten von den Läden selbst, meist helfen dabei Abrechnungs-Provider wie Telecash, Easycash oder Intercard.

Die Sperrdatei gilt als Erfolgsgarant. Weniger als 0,01 Prozent der Zahlungsbeträge musste der deutsche Handel 2010 als Ausfallschaden abschreiben. Nur halb so viele Betrugsfälle wie beim teureren PIN-Verfahren registrierte die Polizeiliche Kriminalstatistik. Kein Wunder, dass die gut gepflegten Datenbanken bei Verbraucherschützern längst Argwohn schüren.

Im vergangenen Jahr kam es zum ersten Kreuzzug. Eine Kundin des norddeutschen Supermarktbetreibers Bartels-Langness („Famila“) hatte bemängelt, beim Unterschreiben des Kassenbons nicht genügend Zeit zu besitzen, um das Kleingedruckte ausreichend zu studieren. Daraufhin klagte der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) vorm Kieler Landgericht gegen „Famila“-Besitzer Bartels-Langness.

Rückendeckung erhielten die Verbraucherschützer von Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragtem Thilo Weichert. Er monierte öffentlich, die Ermächtigungstexte auf den Kassenzetteln seien zu lang und kompliziert. Auf den Bons von Famila fand er 35 Zeilen.

Panisch lenkte Famila ein und setzte das ELV vorerst aus. Auch der Kölner Rewe-Konzern, der mit ähnlichen Vorwürfen in die Schlagzeilen geriet, folgte dem Beispiel.

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