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01.12.2011

09:15 Uhr

BHF-Bank

„Wir wollen eine Nischenbank sein“

VonNicole Bastian, Christian Panster

Die BHF-Bank baut um, der Eigenhandel wird eingestellt. Ein Abschluss der Übernahme durch die Deutsche Bank ist aber nicht in Sicht. Das Handelsblatt sprach mit den Vorständen Björn Hendrik Robens und Rolf Friedhofen.

Rolf Friedhofen und Bjön H. Robens, Vorstände BHF Bank. Bernd Roselieb für Handelsblatt

Rolf Friedhofen und Bjön H. Robens, Vorstände BHF Bank.

FrankfurtHandelsblatt: In der Branche heißt es, die BHF-Bank sei schwerfällig, habe zu viele Mitarbeiter und ihre IT sei völlig veraltet - eine korrekte Analyse?

Björn Hendrik Robens: Nein. Wir sind dabei, uns sehr viel schlanker und effizienter aufzustellen. In den vergangenen Monaten haben wir etwa unsere Bilanz vollständig bereinigt und von Risiken befreit. Die entscheidenden Schritte sind gemacht.

Rolf Friedhofen: Anleihen aus den sogenannten PIIGS-Staaten haben wir nicht mehr in den Büchern. Bis Mitte dieses Jahres wurden diese Bonds vollständig veräußert. Im Nachhinein war das eine sehr gute Entscheidung - unsere Bilanz ist sauber. Sie können das sehr gut an der Bilanzsumme ablesen: 2010 betrug sie rund 15 Milliarden Euro, heute sind es noch acht.

Robens: 2003 waren es übrigens rund 60 Milliarden Euro.

Bleiben wir bei den Zahlen. 60 Prozent ihrer Mitarbeiter arbeiten in der Verwaltung - wir dachten, Sie führen eine Bank und keine Behörde?

Robens: Das ist zweifellos unverhältnismäßig. Wir sind dabei, dies zu ändern. Im IT-Bereich und der Verwaltung werden wie bereits angekündigt Stellen wegfallen. Am Dienstag haben wir gemeinsam mit dem Betriebsrat einen entsprechenden Interessenausgleich erzielt. Nachdem wir unsere Bilanz gesäubert haben, ist das der zweite Teil unserer Maßnahmen. Uns ist das nicht leicht gefallen. Außerdem schließen wir unseren Eigenhandel. Wenn wir am Markt bestehen und erfolgreich sein wollen, sind diese Schritte zwingend notwendig.

Warum sich der BHF-Verkauf verzögert

Bewegte Geschichte

Die Historie der 150 Jahre alten BHF-Bank ist reich an Windungen. 1970 ging das Institut aus einer Fusion der 1854 gegründeten Frankfurter Bank und der 1856 errichteten Berliner Handels-Gesellschaft hervor. Lange Zeit war die BHF-Bank der Inbegriff einer noblen Adresse. Mit der Übernahme durch die niederländische ING 1998 wurde das Institut dann aber in immer kürzeren Abständen weitergereicht und blähte seine Bilanz über zahlreiche Kredite auf. Ende 2004 kaufte die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim die BHF-Bank. Als die Deutsche Bank dann 2010 Sal. Oppenheim übernahm, wanderte auch die BHF-Bank dorthin.

LGT scheiterte bereits

Bereits seit mehr als einem Jahr will die Deutsche Bank die BHF-Bank mit ihren 1500 Beschäftigten verkaufen. Der erste Anlauf war im Frühjahr daran gescheitert, dass die Bafin den damaligen Interessenten – die liechtensteinische Fürstenbank LGT – für nicht zuverlässig genug erachtete.

Schwierige Zeiten

Die Verwerfungen an den Kapitalmärkten machen die Transaktion schwierig. Zuletzt wurde von Verhandlungen Fischers mit den Finanzinvestoren General Atlantic Partners (GAP) und Pamplona berichtet. RHJ hatte das Gebot für die auf reiche Privatkunden spezialisierte BHF im Herbst vorerst bei der Finanzaufsicht Bafin zurückziehen müssen, weil Fischer auf der Suche nach Mitinvestoren nicht rasch genug fündig geworden war.

Kaufpreis

Der vom früheren Dresdner-Bank-Investmentbanker Leonhard Fischer geleitete Investor verhandele nach wie vor mit zwei bis drei Investoren, um den Kaufpreis von rund 500 Millionen Euro zu stemmen. Diese Co-Investoren müssten rund 300 Millionen Euro beisteuern, wurde gestern in Branchenkreisen spekuliert.

Große Entschlossenheit

Anfang Juli verkündeten die Deutsche Bank und der Finanzinvestor RHJ International, dass man sich auf exklusive Verhandlungen zum Verkauf der BHF-Bank geeinigt habe. Seitdem ist zwar wiederholt von erfolgversprechenden und intensiven Verhandlungen die Rede, ein Abschluss ist aber nach wie vor nicht in Sicht. „Eine Einigung soll noch vor dem Jahreswechsel erfolgen, die Entschlossenheit der Deutschen Bank ist groß, die Transaktion abzuschließen“, sagte gestern ein mit den Verhandlungen vertrauter Manager.

Aber wie kommt ein solches Missverhältnis zustande?

Robens: Wir können nicht verhehlen, dass sich in den vergangenen Jahren ein gewisser Reformstau ergeben hat.

Wie wird das Kräfteverhältnis nach dem Umbau aussehen?

Friedhofen: Künftig sollen nur noch 40 Prozent in der Verwaltung arbeiten und 60 Prozent im direkten Kundengeschäft.

Was soll dabei rausspringen, also wie hoch soll die Rendite der schlanken BHF künftig sein?

Robens: Die Gesamtrendite vor Steuern soll mittelfristig im zweistelligen Bereich liegen, zwischen 10 und 15 Prozent. Das können wir mit einem sehr risikoarmen Geschäftsmodell auch nachhaltig erreichen. Durch den Abbau der Risiken haben wir zudem unsere Kapitalausstattung deutlich gestärkt. Unsere Kernkapitalquote beträgt 15 Prozent.

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