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20.09.2012

12:49 Uhr

BHF-Verkauf

Erster Erfolg für das neue Deutsche-Bank-Duo

Das Deutsche-Bank-Führungsdoppel Jain und Fitschen räumt mit einer Altlast des Vorgängers auf: Sie schlagen endlich die Tochter BHF an einen Finanzinvestor los. Doch die Aufseher könnten den Deal noch torpedieren.

Deutsche Bank: Imagewandel mit neuem Claim

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Frankfurt/DüsseldorfDie Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, stehen vor einem ersten größeren Erfolg ihrer Amtszeit. Nach mehreren Jahren der vergeblichen Käufersuche und einem gescheiterten Anlauf schlägt die Deutsche Bank nun ihre Tochter BHF an den Finanzinvestor RHJ los.

Die in Belgien ansässige Finanzdienstleistungsgruppe RHJ International (RHJ) wolle 384 Millionen Euro für das Traditionsinstitut zahlen, teilte die Deutsche Bank in Frankfurt mit. RHJ kündigte an, die BHF-Bank mit seiner Investmentbank Kleinwort Benson zusammenzuführen.

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Die Doppelspitze der Deutschen Bank sucht für ihre neue Strategie einen neuen Slogan.

Die Deutsche Bank hatte die BHF-Bank 2009 zusammen mit der Privatbank Sal. Oppenheim erworben. Damals sollte die BHF direkt wieder verkauft werden. Doch die Suche nach einem Käufer zog sich hin. Anfang 2011 war der deutsche Brancheprimus bereits mit der Liechtensteiner Bank LGT handelseinig. Die die Aufsichtsbehörde Bafin ließ dieses Geschäft aber im letzten Moment platzen. Für die Prüfung hat sie nun insgesamt 60 Tage Zeit.

Wäre der Verkauf gescheitert, hätte die Deutsche Bank einen schweren Imageschaden erlitten. Nun räumen aber Jain und Fitschen die Überbleibsel der Ära Ackermann auf. Die BHF war bereits für die interne Abwicklungsbank des deutschen Branchenprimus vorgesehen. Erst vor wenigen Tagen hatten Jain und Fitschen die Schaffung der „Bad Bank“ verkündet.

Dennoch bleiben Jain und Fitschen noch Sorgen: Der Libor-Skandal dürfte dem Führungsduo weiter Kopfschmerzen bereiten. Für die Manipulation der wichtigen Zinssätze hat die britische Barclays bereits eine hohe Strafe gezahlt. Nun wurden Verbindungen des maßgeblichen Barclays-Händlers zu vier Händlern bei anderen Geldhäusern bekannt - unter anderem der Deutschen Bank. Zudem ringt das Geldhaus weiter mit dem empfindlichen Stellenabbau im Investmentbanking und der strategischen Neupositionierung.

Die Kernpunkte der neuen Deutsche-Bank-Strategie

Einsparungen

Bis 2015 sollen die jährlichen Kosten um 4,5 Milliarden Euro sinken - das ist rund ein Sechstel der Kostenbasis für 2012 von gut 27 Milliarden Euro. Von den Einsparungen sollen 2,8 Milliarden aus dem operativen Geschäft kommen, 1,9 Milliarden allein aus der Investmentbank. Das heißt: 1500 gestrichene Investmentbanker-Stellen, drastisch sinkende Boni und eine noch unbekannte Zahl von Arbeitsplätzen, die in der Vermögensverwaltung wegfallen. 1,7 Milliarden Euro soll die "Infrastruktur" der Bank beisteuern. Zunächst wird das Sparprogramm allerdings erst einmal vier Milliarden Euro kosten.

„Bad Bank“

Der deutsche Branchenprimus will Risikopapiere im Wert von 135 Milliarden Euro und nicht zum Kerngeschäft zählende Anlagen in eine Art konzerninterne „Bad Bank“ schieben, wo sie möglichst ohne Verluste abgewickelt werden sollen. So soll die risikogewichtete Bilanzsumme (RWA) der Bank um mehr als ein Drittel schrumpfen, und die Eigenkapitalquote steigt auch ohne Kapitalerhöhung. 100 Milliarden Euro der Summe kommen allein aus der Investmentbank. 45 Milliarden - ein Drittel - sollen schon Ende März aus der Bilanz verschwunden sein, Ende 2013 schon 80 Milliarden Euro.

Renditeziele

Bis 2015 wird eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 12 Prozent angestrebt. Im ersten Halbjahr 2012 lag sie bei 7,4 Prozent. Unter Führung von Josef Ackermann hatte die Bank sich 25 Rendite vorgenommen - vor Steuern. Die Erwartungen des neuen Vorstands entsprechen einer Vorsteuerrendite von 17 bis 18 Prozent.

Vergütung

Die Boni für Führungskräfte sollen sinken - und sie werden später ausbezahlt. Anstatt sie über drei Jahre in Raten ausgeschüttet zu bekommen, müssen die Banker nun fünf Jahre warten. Und nur wenn sich der Erfolg, der mit den Boni belohnt wurde, dann als dauerhaft herausstellt, sollen die Bonus-Aktien fließen. Ein Gremium externer Experten soll regelmäßig das allgemeine Gehaltsniveau überprüfen.


Kapital

Die meisten Analysten halten die Kapitalausstattung der Bank für zu niedrig. Auf 7,2 Prozent kommt sie nur, wenn Anfang 2013 die schärferen Eigenkapitalvorschriften von Basel III in Kraft treten. Bis März 2013 sollen daraus acht Prozent werden, zwei Jahre später soll das Kapitalpolster in Form von Aktien und Gewinnrücklagen auf zehn Prozent wachsen. Das wäre mehr als die rund neun Prozent, die die Deutsche Bank langfristig nach dem Willen der Aufseher haben muss. Auf Kapitalerhöhungen will das Institut weiterhin verzichten.

Regionale Aufstellung

Wachsen will die Deutsche Bank künftig vor allem in Asien. Dort seien jährliche Zuwachsraten von mehr als 20 Prozent beim operativen Gewinn möglich, in Deutschland und Amerika immerhin noch 10 bis 20 Prozent. In Deutschland will die Bank bis 2015 zehn Milliarden Euro mehr Kredite vergeben. Dagegen rechnet die Deutsche Bank damit, dass ihr Ergebnis im Rest von Europa in den nächsten drei Jahren schrumpft.

Kulturwandel

Die Deutsche Bank will künftig nicht mehr alle Geschäfte machen, nur weil juristisch nichts dagegen einzuwenden ist. Sie war unter anderem wegen Spekulationen mit Nahrungsmittel-Rohstoffen und Rüstungsunternehmen in die Kritik geraten.

Geschäftsbereiche

Zwei Sparten sollen kräftig zulegen: Die Sparte Asset & Wealth Management (AWM) soll den Gewinn vor Steuern bis 2015 auf 1,7 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Ein Verkauf großer Teile der Sparte war gescheitert. Das Global Transaction Banking (GTB) soll bis 2015 einen Gewinn von 2,4 (2011: 1,0) Milliarden Euro vor Steuern abliefern. Die Privatkundensparte (PBC) hat für einen Gewinn vor Steuern von drei Milliarden Euro nun ebenfalls bis 2015 Zeit. Für die Investmentbank gilt nun das Ziel einer Eigenkapitalrendite von 15 Prozent nach Steuern - etwas mehr als im Konzern.

Ursprünglich hatte die Deutsche Bank auf einen Preis von rund einer halben Milliarde Euro gehofft. Die nun vereinbarte Summe liegt Finanzkreisen zufolge leicht unter dem Buchwert der BHF-Bank. Daher sei mit einer kleinen Abschreibung zu rechnen, sagte ein Insider. Merck-Finck-Analyst Konrad Becker rechnet hier mit weniger als 100 Millionen Euro. Der Preis sei nicht üppig. "Der Deal ist sicher kein Ruhmesblatt für die Deutsche Bank, aber die Kapitalentlastung stand im Vordergrund", sagt der Finanzexperte.

Er geht davon aus, dass durch den Verkauf Eigenkapital in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe freigesetzt wird. Die Deutsche Bank hat angekündigt, die in den nächsten Jahren geltenden schärferen Vorschriften Basel III ohne Kapitalerhöhungen zu erreichen.

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Mit RHJ hatte die Deutsche Bank bereits im Juli 2011 exklusive Verhandlungen ausgenommen. Doch die Bafin beäugte den Investor, hinter dem der ehemalige Dresdner-Bank-Vorstand Lenny Fischer steht, skeptisch. Der bereits gescheiterte erste Anlauf stimmte Jain und Fitschen offenbar vorsichtig. Die Deutsche Bank betonte, dass die Aufsichtsbehörden dem Geschäft noch zustimmen müssen.

Die Aufseher hatten Zweifel angemeldet, dass die Finanzgruppe genügend Eigenkapital für den Kauf mitbringt. Da sich Deutsche Bank und RHJ nun aus der Deckung wagen, dürfte der Verkauf mit der Bafin besser ausgelotet sein als im ersten Anlauf mit der LGT. Dafür spricht auch, dass RHJ nicht alleine an den Kauf herangeht.

Kommentare (3)

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ratlos

20.09.2012, 10:58 Uhr

+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

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Account gelöscht!

20.09.2012, 11:16 Uhr

Liebes Handelsblatt,
Erfolg ist wenn man mit Gewinn verkauft nicht wenn man Verluste begrenzt.

Account gelöscht!

20.09.2012, 12:17 Uhr

Aha ein Erfolg ist das also gewesen ok :D

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