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26.01.2007

20:57 Uhr

Bieterstreit

Risse im Sparkassenlager

Im Verkaufsprozess um die Landesbank Berlin (LBB) gehen im bislang geschlossen auftretenden öffentlich-rechtlichen Lager die ersten Landesbanken von der Fahne. Herrschte bislang Einigkeit, dass der Sparkassenverband DSGV als einziger Bieter aus der Organisation auftritt, wirft nun die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ihren Hut im Alleingang in den Ring. Auch die Düsseldorfer WestLB will ihr Vorgehen überdenken.

HB FRANKFURT. Das birgt politischen Sprengstoff, denn bislang hatten die Landesbanken beteuert, nur in die Bresche zu springen, wenn der Verband mit seinen Bemühungen scheitert, eine eigene Offerte auf die Beine zu stellen. „Die LBBW prüft eine Beteiligung an dem Bieterverfahren“, sagte ein Sprecher der LBBW am Freitag. Ein mögliches Gebot sei unabhängig davon, ob der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) ebenfalls in den Verkaufsprozess einsteige. „Wenn es ein Gebot gibt, so stellt das eine eigenständige Vorgehensweise dar“, sagte der Sprecher.

Eine klare Kehrtwende: Im April des vergangenen Jahres hatte LBBW-Chef Siegfried Jaschinski noch gesagt, er habe nicht vor, den Finger für die Bank zu heben.

Der DSGV indes demonstriert Optimismus: Er habe überhaupt keinen Zweifel, dass es zu einem gemeinsamen Angebot der Sparkassen kommen werde, erklärte Verbandspräsident Heinrich Haasis am Freitag. „Wir wollen in der Gemeinschaft der Sparkassen bieten. Deshalb werde ich in Kürze eine Interessenbekundung abgeben.“ Ein Banker bewertete die Pläne der LBBW als positiv: „Es ist doch nur vernünftig, eine zweite Option zu haben.“ Auch Haasis hatte vor Weihnachten selbst gesagt, er rechne mit Alleingängen von Landesbanken. Die Hauptsache sei, der Käufer komme aus den eigenen Reihen.

Der Verband versucht zu verhindern, dass die LBB, zu der auch die Berliner Sparkasse gehört, in die Hände von privaten Investoren fällt, und rüstet sich selbst für ein Gebot. Das Land Berlin muss sich bis Jahresende von seinem 81-prozentigen LBB-Anteil auf Druck der EU trennen, weil es die ehemalige Bankgesellschaft vor sechs Jahren mit Milliardenbeihilfen vor einer Schieflage bewahrt hatte.

Nach der Ankündigung der LBBW will auch die WestLB ihr Vorgehen überdenken. „Wenn die Berichte zutreffen, entsteht eine neue Lage“, sagte ein Bank-Sprecher. „Wir gehen davon aus, dass die Gremien der WestLB darüber dann kurzfristig beraten werden.“ In Medienberichten war unter anderem die Rede davon gewesen, das Vorgehen der LBBW könnte mit dem DSGV abgestimmt sein. Sowohl der Verband als auch die LBBW wiesen dies zurück.

Auch die BayernLB und die HSH Nordbank überlegen, ihren Hut vor Ablauf der Abgabefrist für die Interessenbekundungen am 5. Februar noch in den Ring zu werfen - allerdings nur, wenn Haasis für seine Pläne nicht genügend Unterstützung bei den Sparkassen findet. Derzeit laufen in den Regionalverbänden die Abstimmungen für die Pläne des Verbandes, wonach eine Erwerbergesellschaft entstehen soll, für die die bundesweit rund 460 Sparkassen gemeinsam vier Milliarden Euro aufbringen sollen.

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