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19.01.2007

16:17 Uhr

Bieterverfahren eingeleitet

Berlin wird LBB-Käufer Job-Auflagen machen

Zum Auftakt des Bieterverfahrens um die Landesbank Berlin (LBB) hat das Land Berlin vom künftigen Eigentümer weitreichende Zusagen für den Erhalt von Arbeitsplätzen gefordert. Außerdem achtet das Land auf eine ausreichende Qualifikation der Aspiranten.

HB FRANKFURT. Neben dem Verkaufserlös spiele das Konzept zur Fortführung der Bank eine sehr wichtige Rolle, sagte ein Sprecher des Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin am Freitag. Dazu gehörten auch Arbeitsplatzgarantien, die vertraglich zugesichert werden müssten. Angedacht seien Zusagen über rund zehn Jahre. „Es ist klar, dass das Land Berlin dem Investor nach all den Opfern, die es für die Sanierung der Bank gebracht hat, gewisse Auflagen machen wird“, sagte Sarrazin der „Financial Times Deutschland“. Bei der LBB sind derzeit rund 7400 Mitarbeiter beschäftigt.

Mit der Schaltung von Finanzanzeigen in verschiedenen Zeitung hat Berlin am Freitag das lange erwartete Bieterverfahren eingeleitet. Bis spätestens zum 5. Februar können sich Interessenten nun melden. Sie müssen dem Land ein Konzept zur Finanzierung und Weiterführung der Bank vorlegen. Zudem müssen sie vorweisen, dass sie bereits Erfahrung mit der Führung einer Bank haben und an ähnlichen Transaktionen mitgewirkt haben. Die Bundeshauptstadt wird von der Investmentbank UBS beraten, die binnen weniger Wochen dann ernstzunehmende Interessenten auswählt.

Parallel zum Verkauf bereitet Berlin einen Börsengang für die LBB vor. Das Land muss seinen 81-prozentigen Anteil an der früheren Bankgesellschaft Berlin nach Auflagen der EU-Kommission bis Ende 2007 verkaufen, weil es das Institut 2001 mit milliardenschweren Beihilfen vor dem Aus gerettet hat. Die Bank hatte sich zuvor mit faulen und ungesicherten Immobilienkrediten verhoben. Zur LBB gehört die Berliner Sparkasse, die für Bieter aus dem In- und Ausland besonders interessant sein dürfte.

Postbank, HVB und Commerzbank sowie die französische Bank BNP Paribas hatten zuletzt Interesse angedeutet. Die Deutsche Bank darf die LBB nicht kaufen, da sie schon die frühere Konzerntochter Berliner Bank erworben hat. Finanzkreise schätzen den Wert des zum Verkauf stehenden LBB-Aktienpaketes auf rund sechs Mrd. Euro.

Das Sparkassenlager kämpft dafür, dass die LBB in öffentlich-rechtlicher Hand bleibt. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) unter der Führung von Präsident Heinrich Haasis rüstet sich deshalb selbst für ein Gebot. „Es spricht vieles dafür, dass Haasis antreten kann“, urteilte ein Banker. „Die Reihen unter den Sparkassen sind geschlossen.“ Geplant ist nach Informationen aus Branchenkreisen die Gründung einer Erwerbergesellschaft in Form einer GmbH & Co.KG, die mit vier Mrd. Euro Kapital ausgestattet werden soll. Derzeit laufen in den Sparkassen-Regionalverbänden die Zustimmungsverfahren für die Pläne. Allerdings war von einzelnen der insgesamt rund 460 deutschen Sparkassen Kritik laut geworden. Der DSGV hält bereits über die Deka-Bank zehn Prozent an der LBB.

In das Verkaufsverfahrens geht die LBB mit einem höheren Gewinn als geplant. Für 2006 hatte das Institut kürzlich seine Prognosen für den Vorsteuergewinn auf 600 von gut 500 Mill. Euro nach oben geschraubt. Das landeseigene Geldhaus hat im Großraum Berlin 150 Geschäftsstellen und betreut rund 2,6 Mill. Privatkunden.

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