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20.01.2010

18:00 Uhr

Bieterwettstreit

Deutsche Bank unterliegt im Kampf um Sempra

VonMichael Maisch, Hans G. Nagl

Im milliardenschweren Bietergefecht um den US-Rohstoffhändler RBS Sempra hat die Deutsche Bank offenbar den Kürzeren gezogen. In Branchenkreisen hieß es, der Verkäufer RBS verhandele nun exklusiv mit dem US-Konkurrenten JP Morgan. Dieser sei bereit, mehr zu bezahlen als die Deutschen.

Die Deutsche Bank muss sich im Bieterkampf um Sempra offenbar geschlagen geben. Quelle: dpa

Die Deutsche Bank muss sich im Bieterkampf um Sempra offenbar geschlagen geben.

LONDON/FRANKFURT. Zuletzt hatten beide Institute Gebote um die vier Mrd. Dollar übermittelt und lagen Insidern zufolge damit vergleichsweise nah zusammen. Hinzu kam offenbar, dass RBS den Deal schnell unter Dach und Fach bringen möchte, um zur Präsentation der Jahresergebnisse 2009 am 25. Februar Erfolge bei der Restrukturierung vorweisen zu können. "Die Deutsche Bank wollte sich da bei der Prüfung der Bücher nicht unter Druck setzen lassen", hieß es. Die drei beteiligten Institute lehnten eine Stellungnahme ab.

Die Royal Bank of Scotland wurde in der Krise mit Steuermilliarden gerettet und gehört mittlerweile dem britischen Staat. Im Gegenzug für die Hilfen hat die EU Verkäufe erzwungen - RBS Sempra ist nur einer davon. Die Gesellschaft handelt mit Rohstoffen wie Getreide, Metallen oder Öl. Die Deutsche Bank ist in diesem Bereich weltweit nur die Nummer sechs, hat sich aber kräftiges Wachstum auf die Fahnen geschrieben und auch Interesse an Akquisitionen bekundet. Damit sind die Frankfurter nun vorerst gescheitert. In Branchenkreisen hieß es, man wolle nun weiter auf Wachstum aus eigener Kraft setzen.

Sollte JP Morgan den Zuschlag erhalten, würden die Amerikaner die Top-3-Spieler des Marktes - Goldman Sachs, Morgan Stanley und Barclays - ins Visier nehmen. Für die Deutsche Bank hat das Scheitern der Übernahmepläne aber zumindest einen Vorteil: Die von vielen Analysten und Investoren befürchtete Kapitalerhöhung zur Finanzierung wird damit obsolet. Immer wieder wird die Kapitalbasis von Deutschlands größtem Geldhaus im Vergleich zu Konkurrenten als eher schwach eingestuft. Bankchef Josef Ackermann hat sich aber darauf festgelegt, dass nur im Falle eines größeren Zukaufs neue Anteilsscheine emittiert werden sollen. Die jüngst erfolgte Übernahme der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim erfolgt beispielsweise aus den vorhandenen Mitteln. Die Aktie der Deutschen Bank verlor gestern ein Prozent, lag damit aber noch besser als der Gesamtmarkt.

In anderen Geschäftsbereichen der Deutschen Bank scheint es mit der Expansion besser zu laufen. Das Institut erklärte gestern, sich mit acht Prozent bei dem Zahlungsverkehrs-Abwickler Eurogiro einzukaufen. Damit bekommt die Bank Zugang zum grenzüberschreitenden Netzwerk für Postbanken, Postorganisationen und Banken mit weltweit mehr als zwei Mrd. Kunden. Im Vergleich zu dem geplatzten Sempra-Deal ist diese Transaktion aber zu vernachlässigen - es dürfte sich um einen einstelligen Millionenbetrag handeln.

Deutsche-Bank-Finanzchef Stefan Krause wiederholte gestern im Rahmen einer Analystenkonferenz einmal mehr die mittelfristige Prognose des Instituts. Am Ziel einer Vorsteuerrendite von 25 Prozent über den Konjunkturzyklus hält das Management ebenso wie am für 2011 erwarteten Vorsteuergewinn von zehn Mrd. Euro fest. Mit 6,3 Mrd. Euro sollen dann fast zwei Drittel davon aus dem Investment-Banking und dem Firmenkundengeschäft (CB&S) kommen. Über Einsparungen will die Bank zudem ihre Kosten um eine Mrd. Euro drücken. Krause bekräftigte, Kapitalmaßnahmen seien nur im Fall von Zukäufen denkbar. Seine Kapitalbasis will das Kreditinstitut in den kommenden Quartalen aus eigener Kraft stärken und so bis 2011 die Kernkapitalquote auf mindestens zehn Prozent heben.

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