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23.02.2012

09:11 Uhr

Bilanz 2011

Commerzbank enttäuscht Staat und Anleger

Die gedämpften Erwartungen an das Schlussquartal 2011 hat die Commerzbank zwar übertroffen, im Gesamtjahr aber Federn gelassen. Die Folgen für den deutschen Staat und für Anleger sind höchst unerfreulich.

Die Commerzbank hat unter der europäischen Schuldenkrise gelitten. dapd

Die Commerzbank hat unter der europäischen Schuldenkrise gelitten.

Düsseldorf/FrankfurtDie Commerzbank hat ihren Konzerngewinn im Schlussquartal 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23 Prozent auf 316 Millionen Euro gesteigert. Die Erwartungen der Analysten von gut 200 Millionen Euro konnte sie damit deutlich übertreffen. Dabei profitierte sie von einem „positiven Einmaleffekt“ in Höhe von 735 Millionen Euro, mit dem sie weitere Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen ausgleichen konnte.

Nur dank dieses Einmaleffekts gelangen Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus im Gesamtjahr schwarze Zahlen. Allerdings brach der Gewinn um mehr als die Hälfte auf 638 Millionen Euro ein. Der ausgehandelte Schuldenschnitt für Griechenland belastete die Bilanz mit rund 2,3 Milliarden Euro. Insgesamt schrieb die Bank ihren Bestand an griechischen Staatsanleihen um knapp 74 Prozent ab. Das ließ auch die gute Entwicklung im Kerngeschäft in den Hintergrund treten.

Diese Einschätzung teilten Anleger: Die Aktie des Instituts brach am Donnerstag zeitweise um fast zehn Prozent ein.

Ursprünglich hatte Vorstandschef Martin Blessing eine deutliche Gewinnsteigerung angekündigt. Er musste aber im Laufe des Jahres dieses Ziel angesichts der Schuldenkrise aufgeben. Blessing betonte aber, die Commerzbank habe im Jahr 2011 wichtige strategische Ziele erreicht. „Wir haben im Rahmen einer Kapitalmaßnahme die stillen Einlagen des Soffin um 14,3 Milliarden Euro zügig und weitgehend zurückgeführt.“ Der Rest soll nach bisheriger Planung bis spätestens 2014 fließen.

Die Probleme der Commerzbank

Das bisherige Ziel: Staatshilfe zurückzahlen

Commerzbank-Chef Martin Blessing bemüht sich seit drei Jahren, die Staatshilfen zurückzuzahlen, mit denen die zweitgrößte deutsche Bank in der Kreditklemme 2008 gestützt wurde. Nun droht die Schuldenkrise in Europa die Bank  wieder auf das Startfeld zurückzuwerfen.

Die Kapitelerhöhung

Im vergangenen Jahr hat Blessing das Kapital der Bank um 11 Mrd. Euro erhöht. Eine Aktienplatzierung sowie eine Wandlung der stillen Beteiligung des Bankenrettungsfonds Soffin in Aktien und Überschusskapital ermöglichten es der Bank, im Juni 14,3 Mrd. Euro an Staatshilfen zurückzuzahlen.

„Weit aus dem Fenster gelehnt“

Blessing "hat sich ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt mit seinen Äußerungen seit Oktober, die Commerzbank werde keine Staatshilfe beantragen", sagt Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Sie könnten erklären, dass die Regeln mitten  im Spiel geändert wurden, aber sie werden alles versuchen, bevor sie nochmals staatliche Hilfe annehmen müssen."

Die große Gefahr

Blessing hat sich dazu verpflichtet, keine staatlichen Hilfen mehr anzunehmen, obwohl die Commerzbank unter Druck steht, ihr Kapital auszuweiten, um striktere Vorschriften zu erfüllen. Doch sollte die EBA ihre Kapitalanforderungen deutlich anheben, dürfte die Commerzbank beim Rettungsfonds Soffin um Hilfen ersuchen müssen.

Das neue Ziel: Notwendiges Kapitalniveau erreichen

Die Commerzbank muss dringend Maßnahmen ergreifen, um das Kapitalniveau auf den von der EBA geforderten Wert zu bringen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, unter anderem den Rückkauf hybrider Anleihen und die Auslagerung von Staatsanleihen in eine sogenannte "Bad Bank".

Soffin reaktivieren

Der Bund hatte nach Ausbruch der Finanzkrise den Rettungsfonds Soffin aufgelegt. Der hat Milliardensummen in die Finanzbranche, die Tore für neue Hilfen aber Ende 2010 geschlossen. Doch unter Umständen wird das zurückgenommen; der Soffin könnte der Eurohypo also vielleicht zur Verfügung stehen.

Erneute Staatshilfe vermeiden

Natürlich will die Commerzbank wenn es irgendwie geht verhindern, erneut die Hilfe des Staates in Anspruch nehmen zu müssen. Bereits angekündigt hat die Bank Pläne, die risikogewichteten Aktiva um bis zu 30 Milliarden Euro zu verringern.

Sorgenkind Eurohypo

Zudem hat das Institut die Kreditvergabe bei der Hypothekentochter Eurohypo vorübergehend einzustellen. Für die Tochter sucht die Commerzbank zudem nach Kaufinteressenten, auch eine Übernahme durch den Staat ist im Gespräch, wie aus unterrichteten Kreisen verlautete.

Hohen Verlust in Kauf nehmen

Entscheidend dürfte am Ende die Bewertung der kritischen Eurohypo-Teile im Falle einer Auslagerung an den Bund sein. Die Bank erwägt eine Trennung mit hohem Verlust, um ein Beihilfeverfahren der EU zu vermeiden. In Brüssel schaut man mit Argusaugen darauf, wie Staaten ihren Banken helfen - bei Wettbewerbsverzerrungen müssen sie einschreiten. Eine der Auflagen zur Gewährung der vorherigen Staatshilfe war der Verkauf der Eurohypo bis Ende 2014.

Verkauf strategischer Beteiligungen

Nun prüft die Commerzbank auch den Verkauf nicht strategischer Beteiligungen. Nur die Anteile an der Comdirect Bank und der polnischen BRE Bank stehen nicht zur Disposition. Damit will die Commerzbank bis Mitte 2012 die Kapitalanforderungen der EBA bis Mitte 2012 erfüllen.

Aktienkurs im Sinkflug

Der Aktienkurs der Commerzbank ist in der zweiten Jahreshälfte 2011 um 56 Prozent eingebrochen. Damit zeigte die Aktie im deutschen Benchmarkindex Dax die schlechteste Performance. 2012 ging es aber wieder aufwärts.

Doch das Versprechen, das er bei der Bilanzvorlage vor einem Jahr gegeben hatte, konnte er nicht einlösen: „Wir werden alles daran setzen, die stillen Einlagen des Bundes für das Jahr 2011 zu bedienen.“ Denn auf die noch 1,9 Milliarden Euro an stillen Einlagen in der Bilanz hätte die Commerzbank eigentlich neun Prozent Zinsen zahlen müssen, also 170 Millionen Euro. Sie wird diese aber nun das vierte Jahr in Folge nicht verzinsen, weil sie nach den Bilanzregeln des deutschen Handelsgesetzbuchs (HGB) 2011 einen Verlust von 3,6 Milliarden Euro gemacht hat. Denn für die Verzinsung ist nicht das Ergebnis nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS relevant, sondern ob ein HGB-Gewinn anfällt.

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

23.02.2012, 08:07 Uhr

Nicola Mai von JP Morgan hat errechnet, dass das griechische Defizit von dem Bailout 163% des BIP betragen hat, nach dem Bailout werden es 154% sein. Die Zinslast wird von 17% auf 13% sinken. Der einzige Unterschied: Nach dem Bailout werden die offiziellen Gläubiger (EZB, IWF, EU) mit etwa 111% des BIP die größten Gläubiger der Griechen sein (jetzt 84%). Die privaten Gläubiger werden dagegen von 79% auf 43% zurückfallen. Diese Zahlen machen in beeindruckend simpler Weise klar, worum es hier geht: Um einen Bailout des Finanzsektors. Die Last übernehmen die Griechen, die Haftung die Deutschen. So einfach sind Geschäftsmodelle im Investment-Banking.

BerlinerBuerger

23.02.2012, 08:14 Uhr

Ist es nicht so,daß so große Banken solchen dubiosen
europäischen Staaten wie Griechenland nicht ganz freiwillig Geld leihen,welches sie ja von den Zentralbanken bekommen?Da wird doch Druck von seiten der
Politik gemacht,denke ich mal.Nicht umsonst ist der Unter
schied zwischen den Zinsen den die Bank an die Zentralbank
zahlen muß,und denen die Griechenwald zahlen muß so groß.

Account gelöscht!

23.02.2012, 08:56 Uhr

Tja, so etwas passiert nun mal, wenn man nur Luschen aus der Amateurliga mit gecappten Gehältern ein Unternehmen leiten lässt ....

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