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20.01.2011

22:07 Uhr

Bilanzlöcher

Spanische Sparkassen brauchen weitere Kapitalspritzen

VonAnne Grüttner

Dass Spaniens Sparkassen weitere Kapitalspritzen benötigen, hatte Ministerpräsident Zapatero vor kurzem bereits eingeräumt. Doch noch ist unklar, wie hoch der zusätzliche Kapitalbedarf ist, Fachleute rätseln über die Größe der Bilanzlöcher. Diese interessieren auch Deutsche-Bank-Chef Ackermann, der sich mit Zapatero zu einem Gespräch traf.

Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann zu Gast bei Spaniens Ministerpräsident Zapatero. DAPD

Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann zu Gast bei Spaniens Ministerpräsident Zapatero.

MADRID. Da scheinen sich zwei gut zu verstehen: Schon zum dritten Mal in weniger als einem Jahr besuchte gestern Deutsche- Bank-Chef Josef Ackermann den spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero. Diesmal hatte Ackermann vor dem Besuch bei Zapatero sogar noch eine Audienz bei König Juan Carlos.

Zapatero und Ackermann hätten die geplante Durchführung neuer Stresstests durch die Europäische Bankenaufsicht "positiv bewertet", hieß es in einer knappen Erklärung der spanischen Regierung nach dem Treffen. Im Übrigen habe der Chef der Deutschen Bank "Interesse für den Konsolidierungs- und Rekapitalisierungsprozess der spanischen Finanzinstitute gezeigt".

Wen wundert's. Denn aller Voraussicht nach stehen neue Kapitalspritzen für Spaniens Sparkassen bevor, die etwa die Hälfte des Banksektors ausmachen. Im Zuge des Konsolidierungsprozesses, in dem sich die Sparkassen befinden, hat der staatliche Bankenrestrukturierungsfonds FROB bereits rund 15 Milliarden Euro in den Sektor gepumpt.

Die Angst der Anleger, dass der Staat für weitere Löcher in den Bilanzen der Banken aufkommen muss, treibt die Zinsaufschläge für spanische Staatsanleihen derzeit in die Höhe. Deutsche Banken sind neben französischen Instituten die größten Gläubiger sowohl der spanischen Banken als auch des Staats.

In der Tat bedürften die Sparkassen weiterer Kapitalspritzen, räumte Zapatero vor kurzem ein. Nicht klar ist bisher, wie hoch der zusätzliche Kapitalbedarf ist. Die Ratingagentur Moody's kalkuliert, dass Spaniens Finanzinstitute weitere 20 Milliarden Euro bräuchten, um auf eine krisenfeste Kernkapitalquote von acht Prozent zu kommen. Die Bank Nomura geht von mindestens 43 Milliarden Euro aus, wieder andere sehen gar eine Kapitallücke von 120 Milliarden Euro.

Zapatero äußerte unlängst die Hoffnung, dass dieses Kapital größtenteils aus privaten Quellen fließe. Das halten Analysten in der aktuellen Marktlage aber für unrealistisch. Die Sparkassen würden nicht schnell genug an die Börse gehen und frisches Kapital holen können, meint Alberto Spagnolo von Merrill Lynch.

Das Geld werde größtenteils aus dem staatlichen Rettungsfonds kommen müssen, meint auch Luis de Guindos, Finanzexperte an der IE Business-School in Madrid: "Aber selbst wenn wir die pessimistischste Schätzung zugrunde legen, also 120 Milliarden Euro, wären das nur elf Prozent des BIP, womit die Staatsverschuldung auf 75 Prozent steigen würde - das ist immer noch weniger als bei den anderen großen Euro-Ländern."

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