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02.05.2012

16:58 Uhr

Billionenkredit der EZB

Draghis Geldspritze wirkt nicht

VonYasmin Osman, Andrea Cünnen, Norbert Häring

Die Billionenkredit der EZB verfehlt sein Ziel. Das billige Geld stecken die Banken lieber in den Rückkauf eigener Anleihen als in die Unternehmen der Problemländer.

EZB-Chef Mario Draghi: „Wir hatten gehofft, das Geld würde schneller die Realwirtschaft erreichen.“ dapd

EZB-Chef Mario Draghi: „Wir hatten gehofft, das Geld würde schneller die Realwirtschaft erreichen.“

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) hat es mit ihren massiven Geldspritzen bislang nicht geschafft, den Rückgang der Kredite von Banken an Unternehmen in den Krisenländern aufzuhalten. Anfang März hatte EZB-Präsident Mario Draghi noch Zuversicht ausgedrückt: Die Notenbank erwarte, dass die Dreijahreskredite "die derzeitige Stabilisierung der Finanzmärkte weiter stützen und dass sie vor allem die Kreditvergabe im Euro-Raum ankurbeln". Diese Hoffnung weicht nun zunehmend der Ernüchterung. Die EZB habe gehofft, dass das Geld die Realwirtschaft schneller erreiche, beklagte Draghi Ende April.

Die EZB hatte den Banken im Euro-Raum insgesamt gut eine Billion Euro geliehen - zum Zinssatz von einem Prozent und für bis zu drei Jahre. Die Märkte zumindest beruhigten sich zunächst. Bei den Firmenkrediten sieht die Lage anders aus.

Hilfen der EZB

Staatsanleihekäufe

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat seit Mai 2010 auf dem Sekundärmarkt - also von der Finanzbranche - Staatsanleihen oder Peripherieländer Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien im Wert von 214 Milliarden Euro gekauft und damit die Risikoprämien für Bonds dieser Länder gesenkt.

Dreijahrestender

Im Dezember und Februar haben die Frankfurter Währungshüter den Bankensektor mit mehr als einer Billion Euro geflutet. Der Zins auf die Kredite beträgt ein Prozent bei einer Laufzeit von drei Jahren. Die Banken investierten die Gelder teilweise in höher verzinste Anleihen.

Sicherheiten

Die Anforderungen an die Sicherheiten, die von Banken für EZB-Kredite von der Notenbank zu hinterlegen sind, wurden im Verlauf der Krise sukzessive gesenkt und erhöhten so die Liquidität der Banken im Euro-Raum.

Am Montag machten neue Kreditdaten der EZB und der nationalen Zentralbanken das Ausmaß des Fehlschlags im Süden der Euro-Zone deutlich. Im Währungsraum insgesamt sank das ausstehende Volumen an Unternehmenskrediten im März um fünf Milliarden Euro, nach einem Rückgang um zwei Milliarden im Februar. Die Jahreswachstumsrate ging von 0,6 Prozent auf 0,3 Prozent zurück. Bei den Krediten an Haushalte halbierte sich die Zuwachsrate auf 0,6 Prozent. Würde man die Zahlen um die sinkende Kaufkraft bereinigen, müsste man noch jeweils weitere zweieinhalb Prozentpunkte abziehen. Diese Daten verdecken eklatante Unterschiede zwischen dem Norden der Währungsunion, wo zum Beispiel die Unternehmenskredite in Finnland mit einer Rate von zehn Prozent wachsen, und den Krisenländern im Süden, wo sie mit Raten um fünf Prozent schrumpfen.

Nachdem die EZB-Kredite an die Banken um den Jahreswechsel die Anspannungen an den Finanzmärkten deutlich mildern konnten, sind diese in den letzten Wochen wieder gestiegen. Diesmal gehen sie von der Seite der Wirtschaft aus, weil die Krisenländer immer tiefer in die Rezession rutschen und die Finanzmarktakteure nicht sehen, wie diese sich wieder daraus befreien könnten.

Kommentare (37)

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fondsberater

02.05.2012, 17:25 Uhr

ach ja - es funktioniert also nicht. Nehmen wir einfach einmal die subordinated bonds der Commerzbank. Die Bank nimmt das fast zinslose Geld und kauft damit die eigenen Bonds, die auch immerhin 7% bringen. Wo liegt die Logik das Geld im unsicheren Ausland investieren - wo?
ceterum censeo: Draghi e Monti sono Mafiosi! Capici?

der-oekonomiker

02.05.2012, 17:34 Uhr

Draghi ist kein Depp, schliesslich kommt er von Goldsax, der cleversten Geldmaschine der Welt. Was da passiert ist, war genau so geplant, also in Wirklichkeit, d. h. aus Sicht der Banken und der EZB ein voller Erfolg. Das gehört unter die Rubrik "Europas Lügen haben kurze Beine":http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/04/standpunkt-199-europas-lugen.html. Läuft alles nach Plan, für die neokonservativen Umverteiler.

Schlussmitlustig

02.05.2012, 17:52 Uhr

Wer ernsthaft geglaubt hat, daß die Banken mit dem zur VBerfügung gestellten Geld Kredite vergibt (an Staaten oder Unternehmen) muß wohl reichlich naiv gewesen sein - so wie unsere [...] Merkel.

Die Banken nahmen und nehmen das Geld gerne, um es dann in krisengesicherte Sachwerte - wie Immobilien, Gold, Aktien etc. - zu investieren. So gut hätte es der Steuerzahler, der die ganze Party finanziert und ausgeplündert wird, auch gerne.

Grüße an die [...] aus dem Kanzleramt und dem deutschen Parlament sowie den Verbrecher aus Brüssel.

[+++Beitrag von der Redaktion editiert+++]

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