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23.01.2006

07:57 Uhr

Bisher galten Angaben zu einzelnen Länden als tabu

UBS wendet sich von „Schurkenstaaten“ ab

Die Schweizer Bank UBS wendet sich von so genannten Schurkenstaaten ab und beendet ihre geschäftlichen Beziehungen zu Kunden im Iran. Das Institut teilte den Schritt am Sonntag mit und erklärte, er erfolge nicht aus politischen Gründen. Vielmehr machten die Erträge, die aus den Geschäften zu erwarten seien, die hohen Kosten nicht wett. Als weitere Gründe wurden Reputationsrisiken angeführt.

Die UBS-Zentrale in Basel. Foto: dpa

Die UBS-Zentrale in Basel. Foto: dpa

HB ZÜRICH. Im Umfeld der Bank hieß es zudem, die UBS kündige auch ihre Geschäfte mit syrischen Kunden auf. Dazu wollte die Bank keine Stellung nehmen. Der Iran und Syrien stehen unter zunehmendem politischen Druck und beiden Ländern droht ein härteres Vorgehen des Uno-Sicherheitsrats, der internationale Sanktionen gegen sie verhängen kann.

„Wir haben im Herbst vergangenen Jahres damit begonnen, die Beziehungen mit Kunden im Iran abzubrechen“, sagte ein UBS-Sprecher. Dies gelte für alle Geschäftsbereiche der UBS und alle Geschäftsregionen der international operierenden Bank. Davon ausgenommen seien Exil-Iraner. Einen direkten Zusammenhang mit dem Streit um das iranische Atomprogramm wollte der Sprecher nicht herstellen. Steiner sagte weiter, die Entscheidung sei nicht gefallen, um die Beziehungen zu den USA zu schützen. Die Bank macht einen Großteil ihrer Geschäfte in den USA, die zu den härtesten Gegnern des Irans und Syriens zählen. Der Iran steht im Verdacht, an Atomwaffen zu arbeiten. Syrien werfen die Vereinten Nationen (Uno) vor, in die Ermordung eines libanesischen Oppositionsführers im vergangenen Jahr verwickelt zu sein.

Die UBS sei zu dem Schluss gekommen, dass das Geschäft mit Iran nicht mehr interessant sei., sagte der Sprecher. Die hohen Kosten bei der Betreuung iranischer Kunden begründete er mit Unsicherheiten im Hinblick auf das Vorgehen von Aufsichtsbehörden und in Sicherheitsfragen. „Es ist keine politische Entscheidung. Es ist eine rein geschäftliche Entscheidung, in die viele Faktoren einbezogen wurden“, sagte er. Der internationale Konflikt um das iranische Atomprogramm sei dabei nur einer der Faktoren gewesen.

Statistiken der Schweizer Zentralbank zufolge haben iranische Kunden Vermögen im Umfang von 1,4 Mrd. Schweizer Franken (rund 955 Mill. Euro) bei Schweizer Banken liegen. Der größte Teil davon liegt bei den beiden größten Banken des Landes, UBS und Credit Suisse.

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