Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.09.2014

11:08 Uhr

Blessing fordert Euro-Bonds

Der radikale Rat

Exklusiv„Die gemeinschaftliche Haftung der Euro-Länder ist bereits Realität“: Commerzbank-Chef Blessing bringt gemeinsame Staatsanleihen zurück in die Diskussion – und stellt sich damit gegen Kanzlerin Merkel.

Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank, will einer gemeinsame Schuldenhaftung in der Euro-Zone einführen.

Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank, will einer gemeinsame Schuldenhaftung in der Euro-Zone einführen.

FrankfurtCommerzbank-Chef Martin Blessing macht sich für die Einführung von Euro-Bonds stark, für die alle Euro-Staaten gemeinsam haften. „Durch die Einführung solcher Europa-Staatsanleihen können wir den Euro als global bedeutende Währung dauerhaft etablieren und damit die Bedeutung und Wettbewerbsfähigkeit von Europa sichern“, schreibt Blessing in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt.

Mit seinem Vorstoß stellt sich Blessing gegen die offizielle Position der Bundesregierung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte vor zwei Jahren gesagt, eine gemeinsame Haftung in der Schuldenkrise werde es nicht geben, „solange ich lebe“.

Die Reaktion aus Berlin ließ nicht lange auf sich warten: Das Bundesfinanzministerium lehnt den Vorstoß strikt ab. „Euro-Bonds stehen weit und breit nicht auf der politischen Agenda“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Finanzministerium, Steffen Kampeter, am Mittwoch. Das sei aus gutem Grund so, denn eine gemeinschaftliche Haftung für Staatsschulden trage nicht zur Lösung von Problemen in der Euro-Zone bei. „Sie würde nur die Anreize für die Mitgliedstaaten, wichtige Strukturreformen durchzuführen, verringern“, sagte Kampeter.

Nicht „ob“, sondern „wann“

Bislang hatte auch Blessing Euro-Bonds nur als letzten Schritt am Ende einer politischen Integration der Euro-Zone gesehen. Davon rückte der Vorstandsvorsitzende der zweitgrößten deutschen Bank nun ab. „Die gemeinschaftliche Haftung der Euroländer ist bereits Realität“, schreibt Blessing mit Verweis auf Einrichtungen wie den Europäischen Rettungsfonds ESM oder die Notoperationen der Europäischen Zentralbank (EZB). Es gehe daher nicht mehr um das „Ob“, sondern um das „Wann“ und „Wie“ der Einführung von Euro-Bonds.

Video

Martin Blessing auf der Handelsblatt Bankentagung

Video: Martin Blessing auf der Handelsblatt Bankentagung

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Konkret schlägt Blessing vor, den Europäischen Rettungsfonds ESM zu einer europäischen Schuldenagentur umzubauen. Der ESM darf dann Euro-Bonds für die Mitgliedsstaaten begeben. Allerdings dürfen sich die Euro-Staaten nur bis zu einer Obergrenze von 25 Prozent der Wirtschaftsleistung über den ESM finanzieren. „Als Sicherheiten müssen sie dafür einen Teil ihrer Mehrwertsteuer-Einnahmen an den ESM abtreten“, schreibt Blessing. Den übrigen Finanzbedarf sollen die Staaten auf eigenes Risiko begeben.

Kommentare (16)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Manfred Zimmer

03.09.2014, 08:17 Uhr

Was wäre, wenn?

Was wäre, wenn der kleine Arbeiter am Band sagen würde, für die dubiosen Machenschaften der Bankmanager hafte ich nicht?

Ein verständlicher, nachvollziehbarer Denkansatz in einer gerechten Welt. Wenn die Politiker dann erklären, das interessiert nicht. Das Geld nehmen wir aus Deiner Altersvorsorge, indem wir die Leistungen an Dich, die staatlichen Ausgaben für Dich und die Gemeinschaft jetzt schon kürzen.

Wen wundert es dann, dass nicht einmal die Hälfte der Wahlbürger, wie zuletzt in Sachsen geschehen, nicht mehr zur Wahl gehen?

Wir brauchen eine Reform des Systems. Wir brauchen einen Leistungsanreiz für die Politiker. Politiker sollten Bonus erhalten!

Wie soll so etwas aussehen, wie sollte dies gestaltet werden?

Die Politiker haben sich in diesem Jahr 10 % höhere Diäten gegönnt. Sollen Sie! Aber dieser Betrag sollte mit der Wahlbeteiligung der Bürger verknüpft werden.

Die Diäten und Pensionen sollten mit der letzten Wahlbeteilung (z.B. 48,5 %) multipliziert werden und als Vorschuss gezahlt werden. Fällt die Wahlbeteiligung bei der nächsten Wahl, sollten sie zurückzahlen. Steigt die Wahlbeteilung, sollten sie eine Nachzahlung erhalten.

Man mag darüber streiten, ob es ein gutes System wäre. Aber eines wäre klar, dass die Politiker dafür sorgen würden, dass die, die sich an der Politik nicht beteiligen, rausfliegen würden.

Ganz schnell hätten sie begriffen, wer sein Einkommen auf ungerechtfertigte Weise extern aufbessert.

Wir brauchen einen radikalen Durchgriff, um noch schlimmeres in der Politik zu verhindern.

Herr Uwe Reissner

03.09.2014, 08:23 Uhr

Blessing denkt mit der Brieftasche. Ist halt ein riesiger Markt.

Herr Neuer Neumann

03.09.2014, 08:31 Uhr

Das finden die Genossen jetzt natürlich grossartig und werden es entsprechend medial ausschlachten.

Weiss noch jemand, wer Asmussen (SPD) war? Ein guter Dutzfreund Blessings.

Herr Blessing soll lieber seine eigene Arbeit erledigen - haften tut er sowieso für gar nichts was er tut, aber soll wenigstens das tun, wofür er nominal unter Vertrag steht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×