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13.10.2011

15:18 Uhr

BNP-Chef Baudouin Prot

„Es gibt keine Panik, nur strukturelle Änderungen“

VonNicole Bastian

Weil die Bank BNP Paribas nach langwieriger Abstimmung eines Interviews endgültig die Antworten zurückzog, veröffentlichte das Handelsblatt nur die Fragen. Jetzt liefert BNP Antworten nach - und versucht zu beruhigen.

BNP-Paribas-Chef Baudouin Prot. dpa

BNP-Paribas-Chef Baudouin Prot.

FrankfurtDer Vorstandschef französischen Großbank BNP Paribas hält die Kursverluste der Bankwerte für übertrieben. Die Lage sei nicht mit der im Jahr 2008 zu vergleichen, als die Investmentbank Lehman Brothers pleite ging, sagte Baudouin Prot auf Fragen des Handelsblatts. Heute sei bekannt, welche Bank welche Risiken in der Bilanz habe. Doch sei noch für einige Zeit mit Unruhe an den Märkten zu rechnen. "Es ist sicherlich keine Frage von Tagen, sondern eher von Wochen, bis die Ängste der Investoren abklingen", sagte Prot. "Wenn wir die Ängste loswerden wollen, muss Europa zeigen, dass es besser in der Lage ist, mit einer Stimme zu sprechen und entsprechend zu handeln."

Das Handelsblatt hatte das Interview vor einem Monat geführt. Als BNP die Antworten Ende vergangener Woche endgültig nicht freigeben wollte, hatte sich die Zeitung in dieser Woche entschlossen, das Interview ohne Antworten zu veröffentlichen. Daraufhin reagierte BNP und stellte die Antworten gestern nachträglich auf seine Homepage. Vier Fragen wurden dabei jedoch herausgenommen, die nachträglich in den vier Wochen zur Aktualisierung nachgereichten Fragen größtenteils nicht beachtet.

Interview mit BNP-Chef Prot: „Können Sie nachts noch ruhig schlafen?“

Interview mit BNP-Chef Prot

„Können Sie nachts noch ruhig schlafen?“

So ein Interview wie dieses haben Sie noch nicht gelesen! Es ist sinnbildlich für die aktuelle Lage der Banken in Europa. Interviewpartner ist Baudoin Prot - der Chef der größten französischen Bank BNP Paribas.

Prot betonte, BNP Paribas habe mit rund 135 Milliarden Euro einen hohen Liquiditätspuffer. Im Juni habe die Bank zudem ihre Mittel- und Langfristfinanzierung für das laufende Jahr abgeschlossen. In diesem Jahr habe die Bank bisher insgesamt 41 Milliarden Euro am Markt aufgenommen mit einer durchschnittlichen Laufzeit von sechs Jahren. Die Kernkapitalquote liege bei 9,6 Prozent. Die Bank plane, dass die harte Kernkapitalquote Ende 2012 über neun Prozent liege – „ohne eine Kapitalerhöhung“.

Welche europäischen Banken 2011 ihr Kapital erhöht haben

Commerzbank

Seit zwei Jahren gehört das deutsche Institut zu einem Viertel dem Staat. Mit den Mitteln aus der Kapitalerhöhung will die Bank den größten Teil der rund 16 Milliarden Euro schweren staatlichen stillen Einlage ablösen - eine Art haftendes Eigenkapital ohne Stimmrechte. Insgesamt sammelte die Commerzbank zwischen April und Juni rund 14 Milliarden Euro ein.

Intesa SanPaolo

Erst kürzlich erhöhte die italienische Bank Intesa SanPaolo ihr Eigenkapitel um rund 7 Milliarden Dollar. Mit einer Kernkapitalquote von 7,9 Prozent zum Ende des Jahres 2010 benötigt Intesa nicht unmittelbar frisches Geld. Die Großbank dürfte sich jedoch auf die neuen Eigenkapitalregeln unter Basel III vorbereiten.

Danske Bank

Auch die dänische Danske Bank polsterte in diesem Jahr bereits ihre Kapitalausstattung auf. Im April sammelte sie rund 4 Milliarden Dollar ein. Mit Hilfe der Emission sollen staatliche Finanzhilfen zurückgezahlt werden.

Monte dei Paschi di Siena

Im August hat die italienische Bank Monte dei Paschi eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Der Schritt mit einem Volumen von rund 3 Milliarden Dollar soll dem Institut die Rückzahlung der so genannten Tremonti-Bonds ermöglichen.

 

Nordea Bank

Auch die dänische Nordea Bank sah sich gezwungen, ihre Eigenkapital aufzustocken: Im April dieses Jahres sammelte sie rund 2,9 Milliarden Dollar ein.

Bank of Ireland

Das irische Institut Bank of Ireland entging durch eine Kapitalerhöhung von rund 2,8 Milliarden Dollar in diesem Jahr nur knapp der Verstaatlichung. Durch die Beteiligung eines privaten Konsortiums liegen mindestens 68 Prozent des Instituts in privaten Händen.

Banco Popolare

Die mailändische Banco Popolare stockte im Februar ihre Kapitaldecke auf – um 2,7 Milliarden Dollar. Sie hatte in der Krise staatlich garantierte Anleihen in Anspruch genommen. Die wollte sie ablösen.

Agricultural Bank of Greece

Die Agricultural Bank of Greece (ATE) ist ein Sorgenkind des griechischen Bankensektors und fiel beim Stresstest der Bankenaufsicht durch. Sie erhöhte ihr Eigenkapital im Juni um 1,8 Milliarden Euro.

Unione die Banche Italiane

Im zweiten Quartal dieses Jahres konnte Italiens viertgrößte Bank ihr Ergebnis durch Steuergutschriften fast verdreifachen. Zuvor hatte sie eine Kapitalerhöhung von 1,4 Milliarden Dollar durchgeführt.

Emporiki Bank of Greece

Die viertgrößte Bank Griechenlands erhöhte ihr Eigenkapital im März ebenfalls um 1,4 Milliarden Dollar.

Bank of Piraeus

Die griechische Bank ist wegen des Umtauschs einheimischer Staatsanleihen tief in die roten Zahlen gerutscht. Im Januar griff sie zum Instrument der Kapitalerhöhung – und sammelte rund 1,1 Milliarden Dollar ein.

Marfin Popular Bank Public

Die zyprische Marfin Popular Bank erhöhte im Februar ihr Eigenkapital um 700 Millionen Dollar.

Banco de Sabadell

Die spanische Bank  kam beim Stresstest nur auf eine Kernkapitalquote von 5,7. Erst im Februar hatte sie Kapital um rund 600 Millionen Euro erhöht.

Monte dei Paschi di Siena

Die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena hat sich mit 536 Millionen Dollar neuem Kapital eingedeckt. In der Finanzkrise hatte das Institut aus der Toskana als erste italienische Bank Staatshilfen in Anspruch genommen, nachdem es sich vor der Krise vor allem mit der Übernahme der norditalienischen Banca Antonveneta stark verschuldet hatte.

Aareal Bank

Knapp 399 Millionen Dollar nahm die Aareal Bank durch die Platzierung neuer Aktien im April 2011 ein. Ein Teil des Erlös nutzte das Institut, um Staatshilfen an den Bankenrettungsfonds zurückzuzahlen.

Banco Comercial Portugues

Auch die Banco Comercial Portugues hat sich mit frischem Kapital eingedeckt. Das Institut generierte 377 Millionen Dollar.

Der Bankchef versuchte zu beruhigen. Am Interbankenmarkt herrsche keine Panik. Die europäischen Großbanken könnten sich und ihr Geschäft gegenseitig einschätzen. "Es herrscht ein gegenseitiges Klima des Vertrauens." Die strengeren Liquiditätsvorschriften unter Basel 3 seien bereits vorweggenommen worden. "Es gibt keine Panik, nur strukturelle Änderungen, die die Banken bereits implementiert haben."

Prot sprach sich für Anleihekäufe der EZB aus. "Wenn gewisse Staaten für eine Übergangszeit Hilfe brauchen durch den Kauf von Anleihen, dann ist das meiner Ansicht nach okay. Aber die einzelnen Länder müssen sich anstrengen, ihr Haushaltsbudget in Ordnung zu bekommen."

Baudouin Prot geht trotz der Verwerfungen an den Finanzmärkten in Europa nicht von einer Rezession in der Eurozone aus. Er erwartet ein weiter positives Wirtschaftswachstum, wenn auch mit niedrigen Wachstumsraten, als das wahrscheinlichste Szenario. Angesprochen auf die Gefahr, dass Frankreich seine Bonitätsbestnote AAA verlieren könnte, sagte der Bankchef, dass die französische Regierung etwa mit der Rentenreform die richtigen Maßnahmen ergriffen habe, um das Rating nicht zu gefährden. "Frankreich ist eines der wenigen europäischen Länder, das von einem gesunden Bevölkerungswachstum profitiert, wo die Bevölkerung also nicht schrumpft, anders als etwa in Deutschland. Diese demografische Veränderung wird sich in den kommenden Jahren im Hinblick auf das Wirtschaftswachstum auszahlen und zu steigenden Steuereinnahmen beitragen."

Die kompletten Antworten von Baudouin Prot in englischer Sprache kann man hier nachlesen.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

13.10.2011, 16:15 Uhr

Also ich wuerde sagen, die BNP Paribas ist mittlerweile sehr unglaubwuerdig. Da wurde auch behauptet, dass es keine Probleme gibt sich am Markt mit Geld zu versorgen. Stunden spaeter meldet die EZB, dass sie den Banken genau aus diesem Grunde Geld zur Verfuegung stellen wird. Da wird gemeldet, dass sich die BNP im arabischen Raum herumtreibt, um Geldgeber zu finden. Die BNP meldet dies als touristische Aktion. Dann wird ein Interview zurueckgezogen.

Nun ja, seither halte ich meine Einlage bei Cortal Consors (eine BNP-Tochter) auf einem Minimum. Sicher ist sicher...auch wenn ich jetzt weniger Zinsen erhalte. Aber besser weniger Zinsen als weniger Kapital ;-)

aruba

13.10.2011, 17:32 Uhr

Guten Tag,... Liebes Handelsblatt;.... Jetzt weisst du weshalb Ich die Franzosen so hasse, ( Ich besitze auch einen Franzoesischen Pass ) Liebes Handelblatt vergeude deine Zeit nicht mit dem Pack. Luegen, betruegen, ergaunern, mobben, stehlen und vor allem nichts arbeiten. Gott strafe Frankreich. Besten Dank

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