Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.06.2014

14:22 Uhr

BNP Paribas

Wie man eine Milliardenstrafe den Kunden erklärt

Der französischen Großbank BNP Paribas droht in den USA eine Strafe in Höhe von zehn Milliarden Dollar. Die Bank gibt jetzt Mitarbeitern Tipps, wie man das den Kunden erklärt. Ein Floskelkatalog.

BNP-Paribas-Werbung in New York: Mögliche Verstöße gegen US-Sanktionen drohen dem Institut zum Verhängnis zu werden. AFP

BNP-Paribas-Werbung in New York: Mögliche Verstöße gegen US-Sanktionen drohen dem Institut zum Verhängnis zu werden.

New YorkDie französische Großbank BNP Paribas hat Managern einen Leitfaden an die Hand gegeben, wie sie Fragen von Kunden zu einer möglichen Rekord-Strafe in Höhe von zehn Milliarden Dollar durch die USA beantworten sollen. Demnach arbeite der Konzern daran, dass ein mögliches Verbot von US-Dollar-Clearing-Geschäften die Geschäfte der Kunden nicht unterbreche.

Das drei Seiten umfassenden „Elemente der mündlichen Kommunikation“ beinhaltet neun Fragen und Antworten. Sie sollen Managern und Unternehmensbankern helfen, Fragen von Kunden zu den Untersuchungen zu beantworten.

Einem internen Rundschreiben zufolge, in das Bloomberg Einsicht hatte, sollen die Banker ihren Kunden sagen, dass die USA „ganz klar weiter ein strategischer Markt“ für die größte Bank Frankreichs sind. Und: „BNP Paribas unternimmt alles, was in ihrer Macht steht, um zu garantieren, dass drohende Entscheidungen keine negative Auswirkungen auf unsere Kunden und Gegenparteien haben - und ihre Geschäftsaktivitäten nicht behindern werden“.

Hohe Geldbußen für Banken

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen.

Juli 2010

Die US-Investmentbank Goldman Sachs wendet eine Betrugsklage der US-Börsenaufsicht mit Zahlung einer Strafe von 550 Millionen US-Dollar ab. Die Börsenaufsicht SEC beschuldigte Goldman Sachs, Investoren bei einem komplexen Finanzgeschäft unzureichend informiert zu haben, darunter auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB.

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilt, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an US-, britische und Schweizer Behörden.

Januar 2013

Die Bank of America überweist insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar an den staatlich gestützten Hausfinanzierer Fannie Mae, um Streitigkeiten bei Hypotheken-Deals aus der Welt zu schaffen. In einem anderen Fall müssen das Geldhaus und neun andere Finanzfirmen wie JPMorgan Chase oder die Citigroup mit zusammen 8,5 Milliarden Dollar für fehlerhafte Hauspfändungen geradestehen.

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Die USA stehen hinter 14 Prozent der Kreditvergaben durch BNP. Damit sind die Vereinigten Staaten der zweitgrößte Markt für BNP nach Frankreich. Carine Lauru, ein Sprecherin von BNP in Paris, wollte keinen Kommentar abgeben.

Die US-Justiz fordert informierten Kreisen zufolge von BNP Paribas bis zu zehn Milliarden Dollar für die Beilegung einer Auseinandersetzung über mögliche Sanktionsverletzungen durch die Bank. Der Vergleich könnte die höchste Geldstrafe sein, die die USA jemals verhängt haben – und auch den Vergleich über vier Milliarden Dollar übertreffen, den BP im vergangenen Jahr mit dem Justizministerium geschlossen hatte.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

05.06.2014, 14:58 Uhr

Die Erklärung außerhalb der Floskeln ist, daß die BNP ein Opfer der US-Zwangs-Lizenzwirtschaft, in diesem Fall einer Lizenz namens "Dollar" geworden ist. Der Dollar, das ist eine Ausprägung eines Betrugssystems das die US-Regierung im Sinne ihrer Konzerne zu einer generellen Lizenzen-Wirtschaft verallgemeinern und mittels Freischwindel-Abkommen irreversibel auf den Rest der Welt überstülpen will.

Spezifisch zu BNP und dem Dollar: Das Weltwährungsprivileg ermöglicht den USA bzw. deren Finanz- und Machtapparat nicht nur gewisse Vorteile wie praktisch unbeschränkte Geldaufnahme zu selbstbestimmten Zinsen (siehe Inflation) sondern bedeutet auch einen GLOBALEN POLITISCHEN Machtanspruch, wie das Beispiel der BNP-“Strafe“ zeigt.

Diese hatte das unglaublich Verbrechen begangen, im Ausland!!!! (außerhalb der USA) gegen UNILATERALE US-Gesetze (Nutzung des Dollars, Lizenz made in USA) verstoßen und deshalb erklärte sich die US-“Rechts“-Sprechung INTERNATIONAL zuständig, weil die Transaktionen in der Weltwährung Dollar abliefen (obwohl die USA ja selbst keine internationalen Gesetze oder Gerichte abzeptieren).

Genau auf diese Weise werden auch Sanktionen gegen andere Staaten UNILATERAL durch die USA erklärt und können nur auf Umwegen unterlaufen werden wie z.B. der Indien-Iran-Türkei Gold-Öl-Dreieckshandel. Dann kommen aber früher oder später die Drohnen oder noch schlimmer die Twitter-und-Konsorten Farben-Revolutionen.

Also: politischer Druck via der Dollarlizenz oder via dem Swift-System (ebenfalls eine „Lizenz“) verbunden mit der Existenz von Flugzeugträgern und der Kontrolle der Seetransportwege sichern den Einfluß der USA. Man sieht, diese Lizenzbindungen dienen der USA als politisches Mittel ihren Weltherrschafts-Anspruch durchzusetzen (Amerikaner sind „exceptional“!!!).

Daher versuchen sie dies mit den kommenden Freischwindel-Abkommen noch stärker und für IMMER UND EWIG
durchzudrücken, um die anderen Ländern damit zu beherrschen und bequem auszuplündern.

Account gelöscht!

05.06.2014, 15:18 Uhr

USA: Krieg gegen europäische Banken?

Mit Verurteilungen und Rekordstrafen ruiniert der Weltdiktator Washington europäische Banken.
Credit Suisse war erst der Anfang, BNP folgt. Auch Deutsche Bank betroffen.
Washington will eigene Gesetze weltweit durchsetzen. Abenteuerliche Begründung: Wer mit Dollar zahlt, für den gilt US-Gesetz.

Es ist noch nicht so lange her, da wurden europäische Banken mit vereinten Kräften und Billionen seitens EZB und Staaten gerettet. Seiden herrscht relative Ruhe im Sektor. Doch seit letzter Woche wird zurückgeschossen: aus den USA.

Die US-Behörden konzentrieren sich auf’s europäische Bankensystem.
Die Gesetze machen sie selbst.
Und die Strafhöhe kennt keine Grenzen nach oben.

Im Hinblick auf die kommende Verurteilung der französischen BNP könnte die Begründung nicht grotesker sein: Die Bank selbst sagt, dass sie keine EU- oder Uno-Gesetze gebrochen hat.

Washington behauptet:
Weil die fragwürdigen Deals in Dollar abgewickelt wurden und angeblich auch von US-Dollarkonten stammten, gelte die US-Jurisdiktion.

Im Klartext:

Für jeden, der weltweit Geschäfte in Dollar macht, gelten die Gesetze der USA - weil Dollar eine US-Währung ist.

So hat die BNP in der Interpretation von US-Strafvervolgern US-Recht gebrochen, weil US-Sanktionen nicht beachtet wurden und weil die Geschäfte in Dollar abgewickelt wurden.
Schöne neue US-Welt!

Der Fall CS

Vergangene Woche musste sich die Credit Suisse schuldig bekennen, Steuersünder unterstützt zu haben. Strafe: 2,8 Mrd. Dollar!

Doch die CS war erst der Anfang. Als nächstes folgt die französische BNP.
Hier steht eine Strafe von 10 Mrd. Dollar im Raum.

Auch die Deutsche Bank ist demnächst dran. Was das alles für Folgen haben wird, kann man sich leicht ausmalen.

Selbstherrlich bestimmt Washington allein, wer auf die Anklagebank kommt.

Wie lange lassen wir uns das noch von Washington gefallen?

Ist Deutschland von den USA besetzt?

Account gelöscht!

05.06.2014, 15:25 Uhr

Sicherlich ist die Rolle der Amerikaner kritisch zu hinterfragen. Die französische Großbank steht im Verdacht,
Embargomaßnahmen gegenüber dem Iran unterlaufen zu haben.
Andere Großbanken werden laut Medienberichten ebenfalls
überprüft. Internationale Solidarität war erforderlich. Wer dagegen verstößt, hat m.E. die Konsequenzen zu ertragen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×