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26.08.2015

10:10 Uhr

BNY Mellon

Warum drei Praktikanten Millionen kosteten

VonFrank Wiebe

Der Fall erregte Aufsehen: 14,5 Millionen Dollar Bußgeld muss eine US-Bank an die Börsenaufsicht bezahlen, weil sie drei Praktikanten bevorzugt beschäftigte. Der Vorwurf: Korruption. Der Eifer der Behörden geht zu weit.

Eine New Yorker Investmentbank muss ein Bußgeld zahlen, weil sie Praktikanten vorzugsweise beschäftigt hat. Fotolia.com

Praktikant

Eine New Yorker Investmentbank muss ein Bußgeld zahlen, weil sie Praktikanten vorzugsweise beschäftigt hat.

New YorkEin Bußgeld von 14,5 Millionen Dollar ist nicht viel für eine große Bank – angesichts der Tatsache, dass es in der Branche schon Strafgelder in zweistelliger Milliardenhöhe gegeben hat. Interessant ist aber, wofür die BNY Mellon von der US-Wertpapieraufsicht (SEC) zur Kasse gebeten wurde: Sie hatte drei Angehörige von Geschäftsfreunden als Praktikanten beschäftigt. Das, so findet die SEC, ist Korruption. Ein Fall, der zeigt, wie weit der Eifer der Behörden in den USA gehen kann. Und ein Fall, der absurd ist vor dem Hintergrund des durch und durch korrupten Systems der Wahlkampffinanzierung in Amerika.

Ein Indiz dafür, dass es nicht mit rechten Dingen zuging, war für die SEC die Tatsache, dass die drei Bewerber nicht den ansonsten geforderten Notenschnitt hatten. Wichtig war außerdem: Es handelte sich bei den Geschäftsfreunden um Manager eines Staatsfonds. Und damit um „Officials“ im amerikanischen Sprachgebrauch. Denn darunter fallen nicht nur Beamte oder Angestellte im öffentlichen Dienst, sondern auch Angestellte staatlicher Unternehmen.

Verboten ist laut US-Gesetzgebung, solchen Leuten irgendetwas zukommen zu lassen, was einen Wert hat. Das führt zu der Frage: Was ist der Wert eines Praktikums? Etwa die Bezüge? In der Regel werden Praktikanten nicht oder nur geringfügig bezahlt, darum geht es ja überhaupt nicht. Oder die Chance, dort Erfahrungen zu machen? Die sind wahrscheinlich wertvoll.

Und Praktikumsplätze bei großen New Yorker Geldhäusern sind durchaus begehrt, wenn auch bisher nicht niemand behauptet hat, dass sich ausgerechnet bei der BNY die meisten Studenten mit Top-Noten drängeln. Trotzdem: Wie lässt sich der Wert eines Praktikums bemessen? Und wenn er sich nicht bemessen lässt, was gilt dann noch alles als wertvoll, obwohl der genaue Wert sich gar nicht angeben lässt?

JP Morgan hatte auch schon Stress mit Aufsichtsbehörden, weil die Bank Leute mit guten Beziehungen in anderen Ländern eingestellt hat. Aber dabei ging es um gute Jobs und nicht um Praktikantenstellen. Wer je in einer Bank oder einem anderen Unternehmen gearbeitet hat, weiß, dass dort manchmal Kinder wichtiger Kunden oder wichtiger Mitarbeiter Jobs bekommen – Kukis und Mikis genannt. Wahrscheinlich ist es schon seit Jahrtausenden üblich, dass Geschäftsfreunde gegenseitig ihren Nachwuchs für eine Zeit im Betrieb arbeiten lassen. Wie lange noch?

Die 10 zynischen Gebote für das Investmentbanking

Regel 1

Wir ziehen uns konservativ an. Keine Socken zu tragen ist verboten, sie zu tragen, ist angeraten.

Regel 2

Wem es zu stressig wird, soll besser nicht bleiben.

Regel 3

Du musst der letzte am Schreibtisch sein, egal wie spät es ist. Und früher da zu sein, als die anderen, wäre sogar noch besser.

Regel 4

Wendet euch nur an einen bestimmten Kontakt mit Fragen. Wer mich fragt – das fällt negativ auf.

Regel 5

Zieht niemals das Sakko/die Jacke aus. Wir sind hier im Investmentbanking.

Regel 6

Bringt euren Mentoren Frühstück mit.

Regel 7

Bringt ein Kissen mit ins Büro. Das macht die Übernachtung im Büro einfacher.

Regel 8

Versorgt das Team mit Snacks.

Regel 9

Habt eine Reserve-Krawatte oder einen -Schal dabei - vielleicht braucht euer Betreuer einmal eine Serviette.

Regel 10

Ein Zettel hängt aus, auf dem ihr eintragt, wann und warum ihr euren Schrebtisch für wie lange verlasst. Das ist wichtig gegen Ende des Praktikums.

Quelle

Quelle: E-Mail eines Barclays-Analysten in den USA an neue Praktikanten im Frühjahr 2015.

Der neue Vorstoß der SEC macht vor allem eines deutlich: Niemand kann sich sicher fühlen. Niemand kann überblicken, was künftig noch als „wertvoll“ gilt. Und wenn Manager staatlicher Unternehmen, die rein privatwirtschaftlich agieren, zum gefährlichen Freundeskreis gehören, warum dann nicht künftig auch Manager ganz privater Unternehmen? Wer Freunde hat und irgendetwas für sie tut, kommt schon in den Verdacht der Korruption.

Kommentare (2)

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Herr Oliver Klima

26.08.2015, 13:10 Uhr

Nun, dass die Amerikaner empfindlich auf Korruption reagieren, lässt sich aus ihrer Geschichte der Industrialisierung ableiten, die von einigen Monopolen geprägt war.

Es mag sein, dass die Aufsichtsbehörde vorliegend den Bogen überspannt hat. Aber ich persönlich würde mir wünschen, dass in Deutschland eine Korruptionsbekämpfung stattfinden würde, wie sie die Amerikaner haben. Korruption zu bekämpfen, bedeutet Chancengleichheit zu gewährleisten.

Und mal ganz ehrlich: Werden nicht in Deutschland vor den Wahlen an bestimmte Klientel Wahlgeschenke gemacht und versprochen? Zuletzt Frau Nahles und ihre Rentenreform.

Wir Deutsche sollten mal ganz still in uns gehen und nicht dauernd auf Griechenland und anderen Ländern herumschimpfen. Hierzulande ist in Sachen Korruption auch einiges nicht in Ordnung.

Herr Oliver Klima

26.08.2015, 13:17 Uhr

Vielleicht kann mir ja mal jemand erklären, weshalb eine Frauenquote unserem Ideal von Gleichberechtigung entsprechen soll, die Bevorzugung familiennaher Angehöriger Praktikanten aber gegenüber allen anderen Praktikanten hinzunehmen ist.

Legal ist halt immer noch das, wie unsere Gesellschaft die Ausgrenzung anderer zu rechtfertigen vermag.

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