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04.11.2011

09:54 Uhr

Börsen-Fusion

NYSE-Chef Niederauer legt sich mit Schäuble an

VonRolf Benders

Die New Yorker Börse schießt gegen Finanzminister Schäuble: Dem Fusionspartner der Deutschen Börse geht die geplante Finanztransaktionssteuer gegen den Strich. Im Hinblick auf die Fusion ein Spiel mit dem Feuer.

Nyse CEO Duncan Niederauer (links) legt sich mit der deutschen Regierung an. dapd

Nyse CEO Duncan Niederauer (links) legt sich mit der deutschen Regierung an.

New YorkDie von der EU geplante Finanztransaktionssteuer ist Duncan Niederauer ein Dorn im Auge. Der Chef der New York Stock Exchange (NYSE) droht kaum verklausuliert mit drastischen Gegenmaßnahmen, wenn sie wirklich kommt. “Kapital ist nicht patriotisch und die Märkte sind in der Tat global und können einfach über Grenzen fließen”, sagte er am Donnerstag bei Vorstellung der Quartalszahlen der Nyse in New York.

Zuvor hatte der Chef der US-Derivatebörse ICE, Jeffrey Sprecher, offen damit gedroht, seine britische Tochterbörse aus London abzuziehen und außerhalb der Grenzen der EU anzusiedeln, sollte die Steuer eingeführt werden. Es sei nicht naturgegeben, dass man in London ansässig sei, und das könne sich ändern, wenn sich die Markbedingungen ändern würden, sagte Sprecher. Als Niederauer am Donnerstag von einem Analysten darauf angesprochen wurde, ob er das ähnlich sehe, sagte er: “Ich stimme dem in großen Teilen zu”.

Experten nahmen die Äußerungen von Niederauer und Sprecher ernst. “Ich würde das nicht als leere Worte abtun, das sind realistische Drohungen”, sagte Sang Lee, Geschäftsführer der Bostoner Beratungsfirma Aite Group der Nachrichtenagentur Reuters.  Ein Sprecher der NYSE versuchte den Aussagen die Schärfe zu nehmen und betonte, Niederauer habe sich nur allgemein zur Wettbewerbssituation geäußert. Ein Sprecher der Deutschen Börse wollte sich dazu nicht äußern.

Die Finanztransaktions- oder Börsensteuer soll nach dem Willen von Finanzminister Schäuble bei jedem Kauf- oder Verkauf an der Börse erhoben werden. Er verteuert das Geschäft für die Beteiligten. Kritiker befürchten, Marktteilnehmer könnten ihre Geschäfte dann außerhalb Europas abwickeln.

Kommentare (5)

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Domenq

04.11.2011, 09:51 Uhr

Sollen sich als das "outen", was sie sind: Egoistische, weltfremde, uneinsichtige Kinder.

Account gelöscht!

04.11.2011, 10:05 Uhr

"“Kapital ist nicht patriotisch und die Märkte sind in der Tat global und können einfach über Grenzen fließen”, sagte er am Donnerstag bei Vorstellung der Quartalszahlen der NYSE in New York."

Na immerhin kennen wir nun eine weitere Sprechpuppe dieses ebenso verantwortungs- wie vaterlandslosen Kapitals, die uns dessen Erpressungsversuche unverhohlen kundtut. Das, was der Mann da erzäählt, ist in Deutschland verfassungsfeindlich, da hierzulande das Eigentum seine Rechtfertigung immer noch aus einer Mehrung des Gemeinwohls bezieht. Idealerweise funktioniert das in Partnerschaft und Interessenausgleich zwischen Einzel- und Gemeinschaftsinteressen. Wenn das Kapital meint diesen Grundkonsens aufkündigen zu müssen, einen auf dicke Hose macht und den weltweiten Krieg ausruft - nur zur. Manchmal müssen Dinge eben geklärt werden...

Verbanklichte_Staaten

04.11.2011, 10:57 Uhr

Aus meiner Sicht führt die aushwählbare Infografik zu den Handelsvolumen der Börse zur Verwirrung. Das Zeitalter der traditionell "Börse" ist vorbei. Mittlerweile sollten die Medien von Handelsplätzen sprechen - dies wäre wesentlich professioneller. Die Marktfragmentierung (z.B. Quelle Fidessa) zeigt deutlich, das unter den Top 10 der Handelsplätze weltweit weniger Börsen eine Rolle spielen als MTFs (multilateral trading facilities). Diese Handelsplätz (CHI-X, BATS, ...) nehmen schon jetzt den Börsen ehebliche Volumina ab. Die Regulierung an dieser Plattformen geht gegen Null. Die Bedenken der NYSE-Führung sind aus meiner Sicht deutlich gerechtfertigt.

Eine wichtige Erkenntnis - die Politik war wieder einaml zu langsam - sollte es tatsächlich noch zur Einführung einer "BÖRSENumsatzsteuer" kommen, dann werden die Investmentbank innerhalb von weinigen Tagen ihre Orders über die MTFs ausführen und die Börsen werden noch mehr an Einfluß verlieren.

Stellt sich die Frage wem damit geholfen wäre - Hern Schäuble mit Sicherheit nicht!

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