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11.03.2016

16:26 Uhr

Börsenfusion

Europa, aufgepasst!

VonFrank Wiebe

Wer Angst vor dem Zusammenschluss der Börsen Frankfurt und London hat, sollte sich erst recht vor der US-Konkurrenz fürchten. Fusionen sind wegen der rasanten technischen Entwicklung nämlich alternativlos.

Im Übernahmekampf der Börsen sind einige Bieter im Rennen. AP

Deutsche Börse

Im Übernahmekampf der Börsen sind einige Bieter im Rennen.

New YorkGerade hat es ein Computer mit künstlicher Intelligenz zwei Mal geschafft, den Weltmeister im Brettspiel Go zu schlagen. Ob ein Computer eines Tages auch darüber entscheiden wird, welcher Bieter bei einem Übernahmepoker mit mehreren Beteiligten der Gewinner ist? Warum nicht? Börsenstrategien werden bereits zu einem erheblichen Teil von Computern umgesetzt, und künstliche Intelligenz schlägt Ökonomen-Hirne zunehmend bei wirtschaftlichen Prognosen. Vielleicht bekommen Top-Manager, deren IQ wahrscheinlich unter dem von Go- oder Schachweltmeistern (und vielleicht auch Ökonomen) liegt, irgendwann Computer als Vorgesetzte.

Noch werden Übernahmen aber von Menschen entschieden. Zum Beispiel beim gerade stattfindenden, ziemlich komplexen Übernahmepoker zwischen den internationalen Börsenanbietern. Die Börsen in London und Frankfurt wollen sich zusammenschließen. Die ICE in Atlanta möchte wahrscheinlich für London mitbieten. Die CME in Chicago möchte vielleicht für London mitbieten, eventuell aber auch in Frankfurt statt in London einsteigen. Insgesamt eine verwirrende Situation.

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CME und ICE sind die größten Börsenbetreiber weltweit. Wenn die Europäer nicht aufpassen, könnte sich die ICE London und die CME Frankfurt schnappen. Diese Kombination wäre sinnvoll, weil bei einer Verbindung von Chicago und London eher Monopole in einzelnen Marktbereichen und daher Probleme mit Regulatoren zu erwarten wären. Außerdem ist nicht bekannt, ob die ICE im Zweifel auch Interesse an Frankfurt hätte, während sie das für London schon explizit angedeutet hat.

Wenn die europäischen Börsen in amerikanischer Hand wären, ginge die Welt davon nicht unter. Entscheidend für die Kapitalmärkte ist, dass die Börsen funktionieren, nicht, wo der Chef sitzt. Die Aktienbörse an der Wall Street, die größte weltweit, wird vom ICE-Chef im fernen Atlanta beherrscht. Trotzdem bleibt New York die Finanzmetropole der USA, die Banker ziehen nicht alle in die Südstaaten um. Wenn Banker in Frankfurt also Angst haben, bei einem Zusammenschluss mit London könnten die Briten zu viel Einfluss gewinnen, dann stellt sich die Frage, ob das angesichts der US-Konkurrenz nicht zu kurz gedacht ist.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

11.03.2016, 17:32 Uhr

Ob in London , in den USA oder in Frankfurt, an welchen Ort die Computer stehen ist egal.

Account gelöscht!

11.03.2016, 17:52 Uhr

Oh Gott lieber Troll,

es ist natürlich wichtig wo die Computer stehen.

Das ist steuerlich und seitens der Börsenüberwachung eine ganz andere Welt.

Nur trollen reicht eben nicht, Wissen gehört auch dazu......;)

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