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08.07.2011

06:41 Uhr

Börsig vs.Ackermann

Kampf um die Macht in der Deutschen Bank steht vor der Entscheidung

Nun geht es wohl noch schneller als gedacht: Schon in wenigen Tagen könnte eine Vorentscheidung über die Nachfolge von Deutsche-Bank-Chef Ackermann fallen. Das dürfte auch Konsequenzen für den Aufsichtsrat haben.

Kontrahenten um die Macht in der Deutschen Bank: Aufsichtsratschef Clemens Börsig (links) und Vorstandschef Josef Ackermann. Quelle: dpa

Kontrahenten um die Macht in der Deutschen Bank: Aufsichtsratschef Clemens Börsig (links) und Vorstandschef Josef Ackermann.

DüsseldorfDer Machtkampf um die Führung der größten deutschen Bank geht in die entscheidende Phase. Nachdem Vorstandschef Josef Ackermann nach Handelsblatt-Informationen aus dem Umfeld Ackermanns zufolge seine Bereitschaft erklärt hatte, den Vorsitz im Aufsichtsrat zu übernehmen, geht nun der amtierende Aufsichtsratschef Clemens Börsig in die Offensive. Wie die "Bild-Zeitung" aus Finanzkreisen in Frankfurt erfuhr, will Börsig am kommenden Sonntag bei einem Geheimtreffen des dreiköpfigen Nominierungsausschusses des Aufsichtsrats sein Personalpaket für die Besetzung der Vorstandsspitze durchsetzen. Dem Nominierungsausschuss gehören außer Börsig der als Börsig-Intimus geltende Tilman Todenhöfer (Bosch) und der frühere Bayer-Chef und heutige Eon-Aufsichtsratsvorsitzende Werner Wenning an.

Der Chef des Investmentbank-Bereichs der Deutschen Bank, der Inder Anshu Jain, soll demnach gemeinsam mit einem deutschen Vorstandskollegen als Doppelspitze die Bank führen. Wer der Deutsche sein wird, sei noch unklar. Offenbar wolle Börsig notfalls auf Vorschläge anderer Aufsichtsratsmitglieder eingehen und nicht auf seinem Favoriten, Vorstandsmitglied Jürgen Fitschen, bestehen. Gegen Fitschen, der einen makellosen Ruf genieße, gebe es Vorbehalte wegen seines Alters. Mit 62 Jahren würde er von Anfang an als „Übergangslösung“ gelten, habe es in den Kreisen geheißen. Ackermanns Vertrag als Vorstandsvorsitzender läuft noch bis 2013.

Börsig wird vorgeworfen, bei der Suche nach einem Nachfolger für Ackermann gescheitert zu sein. Im Gespräch war zuletzt der frühere Bundesbank-Chef Axel Weber. Als Anfang der Woche bekannt wurde, dass diese Verhandlungen erfolglos waren und Weber einen Vertrag beim Schweizer Konkurrenten UBS unterschrieben hat, verschärfte sich die Kritik an Börsig. Gerüchten zufolge steht Ackermann für den Posten des Aufsichtsratschefs zur Verfügung.

Der Riss in der Deutschen Bank geht durch Aufsichtsrat und Vorstand. Noch ist unklar, welches Lager sich durchsetzen wird. Nach Informationen von "Spiegel Online" aus dem Umfeld der Bank haben sich jetzt neun der zehn Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat dafür ausgesprochen, dass Ackermann an die Spitze des Gremiums wechselt und dann sofort seinen Favoriten für die Nachfolge als Vorstandschef bestimmt. Gegenüber dem "Tagesspiegel" wies ein Aufsichtsratsmitglied dies allerdings zurück. Diese Nachricht entbehre jeder Grundlage, sagte das Aufsichtsratsmitglied der Zeitung. Börsig solle in dieser Funktion bleiben. Offen ist auch, auf wessen Seite sich die Arbeitgeberseite im Kontrollrat schlägt.

Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte, Marktgerüchte würden generell nicht kommentiert. Die Suche nach einem Nachfolger Ackermanns sei Aufgabe des Aufsichtsrates. Dieser spreche von einem klar strukturierten Prozess, dessen Ergebnis zu gegebener Zeit bekanntgegeben werde.

Wie zerrüttet das Verhältnis zwischen Ackermann und Börsig ist, ist spätestens seit der letzten Suche nach einem Nachfolger für Ackermann im Jahr 2009 offensichtlich. Damals hatte sich Börsig nach der erfolglosen Suche am Ende selbst als neuen Bankchef ins Spiel gebracht: Börsig scheiterte schließlich, Ackermann verlängerte seinen Vertrag bis 2013.

Die „Welt“ hatte unter Berufung auf Aufsichtsratskreise berichtet, Chefkontrolleur Börsig sei keinesfalls bereit, dem amtierenden Vorstandschef Ackermann Platz zu machen. Börsig habe „keine Absicht, zurückzutreten und das Feld zu räumen“, habe eine mit den Vorgängen vertraute Person gesagt. Er wolle sein bis 2013 laufendes Aufsichtsratsmandat erfüllen und Vorsitzender bleiben.

Auch die „Welt“ schrieb, dass die Ackermann-Nachfolge früher als erwartet geregelt werden könnte. Dem Vernehmen nach habe sich Börsig zwar noch nicht endgültig entschieden, favorisiere aber stark ein Duo aus Deutschland-Chef Fitschen und Jain für die Spitze der Bank. Die Entscheidung sei „keine Frage von Wochen mehr“, habe ein einflussreiches Mitglied des Aufsichtsrats gesagt.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

07.07.2011, 17:57 Uhr

der ceo der dbk sollte vor allem wissen wie man kohle macht. nationalität ist völlig egal, genauso ob er deutsch spricht oder nicht. im geschäftsleben wird international eh nur englisch kommuniziert.
alle kriterien erfüllt anshu 1+ mit sternchen.
ps: und auch die voraussichtliche drittelung seiner bezüge wird er locker verschmerzen können. anshu stammt aus einer der reichsten familien indiens. ist als quasi schon mit einem golden löffel geboren worden

flyingfridge

07.07.2011, 17:58 Uhr

Was ist mit der Karenzzeit von zwei Jahren für einen Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat? Gilt das Aktiengesetz (Par. 100 Abs. 2) nicht für die Deutsche Bank?

abi11

07.07.2011, 23:40 Uhr

Laut Financial Times:
Doppelspitze mit Jain und ?

Qeuelle: http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:doppelspitze-zwei-fuer-ackermann/60075802.html

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