Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.05.2015

17:11 Uhr

Boni bei der Deutschen Bank

90-Millionen-Händler geht gegen Finanzaufsicht vor

Mit einem 90-Millionen-Bonus hat Christian Bittar bei der Deutschen Bank für Aufsehen gesorgt. Der mittlerweile gefeuerte Händler geht gegen die britische Finanzaufsicht vor – wegen verletzter Persönlichkeitsrechte.

Ein Taxi vor der Lononder Zentrale der Deutschen Bank: In der britischen Hauptstadt manipulierten Händler wichtige Zinssätze. Reuters

Londonoer Taxi

Ein Taxi vor der Lononder Zentrale der Deutschen Bank: In der britischen Hauptstadt manipulierten Händler wichtige Zinssätze.

LondonChristian Bittar, ehemaliger Londoner Händler der Deutschen Bank, geht gegen die britische Finanzaufsichtsbehörde FCA juristisch vor, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Bittar war zentrale Figur in einem Zinsmanipulations-Kartell – allein für eine juristische Einigung mit der FCA hat die Deutsche Bank kürzlich eine Strafzahlung in Höhe von 227 Millionen Pfund (315 Millionen Euro) akzeptiert.

Bittar wirft der Behörde vor, dass sie ihn in veröffentlichten Unterlagen persönlich identifizierbar gemacht habe, so Bloomberg unter Berufung auf eine Person, die mit dem Vorgang vertraut ist. In vergleichbaren Dokumenten der US-Behörden war Bittar als „Händler 3“ anonymisiert worden – dennoch ließen Details Rückschlüsse auf seine Person zu. Unter anderem wurde ein Bonus in Höhe von 90 Millionen Pfund erwähnt, den er in einem Jahr erhalten hatte.

Bittar hat die Klage in der vergangenen Woche bei einem britischen Gericht eingereicht, wie sich aus einem Auszug des Gerichtsregisters ergibt. Bittar argumentiert dem Bericht zufolge, dass er von der FCA die Möglichkeit zur Stellungnahme vor der Veröffentlichung des Berichts hätte erhalten müssen (Link zum FCA-Bericht). Weder die FCA noch die Deutsche Bank wollten zu den Informationen Stellung nehmen.

Gegen Bittar hat die britische Finanzaufsicht nach Informationen des Handelsblatts von Personen, die mit der Sache vertraut sind, eine Rekordstrafe von zehn Millionen Pfund angekündigt. Die Strafe wurde allerdings noch nicht vollstreckt. Die Abschlussberichte der US-Behörden machten deutlich, dass der ehemalige Deutsche-Bank-Händler tatsächlich zu den Schlüsselfiguren im Libor-Skandal gehörte. Fast 100 Mal taucht „Händler 3“ in dem 73 Seiten dicken Dokument des US-Justizministeriums auf. Seine Jobbeschreibung und vor allem die Erwähnung seines Rekordbonus zeigen, dass sich hinter dieser Umschreibung Bittar verbirgt.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Manfred Zimmer

19.05.2015, 16:11 Uhr

Jetzt erhält der Mann noch ein weiteres Mal eine deftige Entschädigung. Dazu mag man einen eigenen unterschiedlichen Standpunkt haben oder nicht.

Ich vermute, dass hier gewaltig getrickst wird.

Weshalb?
Ich mag mir nicht vorstellen, dass die britische, die deutsche oder auch andere Bankenaufsichten sich niemals die wesentlichste Grundlage der Bankenabrechnungen vorher angesehen haben.

Die Bundeskanzlerin würde zwar behaupten, dass diese Bankenaufsichten sich stets bemüht haben "nach bestem Wissen und Gewissen" geprüft hätten. Aber das reichte in diesem Job offensichtlich nicht. Es kann nicht angehen, dass jemand nach bestem Wissen handelt. Er muss es auch verstehen, er muss entsprechend qualifiziert sein.

Gehen wir einmal davon aus, dass die Zentralisierung der Bankenaufsicht im Hause der EZB notwendig war und der Resetknopf "von jemandem" gedrückt wurde. Wenn das so war, dann ist das löblich und unterstreicht die "alternativlose" Aufsicht der bisherigen Bundesfinanzminister. Sie haben jetzt nichts zu sagen.

Kommen wir zum Thema zurück!
Offensichtlich sollte hier jemand gehängt werden und es sollte kein Zweifel an der Person bestehen, die es zu hängen gilt.

Bei allem Verständnis, ich kann es nicht glauben, dass ein Bankvorstand eine solche Boni auszahlen lässt ohne nachzuprüfen, ob dies denn mit rechten Dingen zugegangen ist. Ich korrigiere: es sei denn, dass er selbst auch daran partizipiert.

Wo die Grenze anfängt oder aufhört, ist schwer zu bestimmen. Sie wissen gewiss, dass auch die hiesige BAFin von den "Almosen" profitiert, die die zuprüfenden Gesellschaft vom Tisch fallen lassen.

Frau Annette Bollmohr

19.05.2015, 16:11 Uhr

Da gibt's nichts mehr zu kommentieren.

Allein diese Nachricht - so sie auf Fakten beruht, wovon ich ausgehe - zeigt doch überdeutlich, dass solche Persönlichkeiten sich längst in einem eigenen Mikrokosmos außerhalb unserer Gesellschaft bewegen und jeglichen Bezug zum normalen Leben und das darin geltende Wertesystem verloren haben.

Damit sind sie im wahrsten Sinne des Wortes asozial.

Herr Manfred Zimmer

19.05.2015, 16:22 Uhr

Das könnte man so sehen wollen. Sie sollten aber bedenken, dass der Mann nicht in die Kasse der Bank gegriffen hat, sondern die Bank aufgrund eines Vertrages an ihn überwiesen hat.

Wenn ich Sie recht interpretiere, dann argumentieren Sie, dass der Mann keinesfalls so große Hände haben konnte, einen solchen Mehrwert zu verdienen. Genau dies müssen sich auch dessen Vorgesetzte gefragt haben, als sie den Vertrag mit dem Mitarbeiter unterschrieben. Ich bezweifle auch, dass der Vorstand und nicht zuletzt der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank keine Kenntnis von dem Virgang gehabt haben sollen. Wenn dem so wäre, dann wüssten sie nicht, was sich in der Bank maßgeblich abspielt.

Übrigens, in Frankreich wurden im Fall der SocGen neue Details bekannt. ASie sollten diese lesen und mit diesem Fall abgleichen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×