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13.06.2017

13:20 Uhr

Boni-Zahlungen der Deutschen Bank

Achleitner sucht Kompromiss mit Ex-Vorständen

Die Deutsche Bank arbeitet an einer Einigung mit elf ehemaligen Führungskräften. Die sollen auf ausgesetzte Bonuszahlungen komplett verzichten. Eine Einigung ist kompliziert – doch für die Manager drängt die Zeit.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank während der Hauptversammlung 2017: Achleitner hat einen Vorschlag gemacht, um das Boni-Problem mit den Ex-Vorständen zu lösen. AFP; Files; Francois Guillot

Paul Achleitner

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank während der Hauptversammlung 2017: Achleitner hat einen Vorschlag gemacht, um das Boni-Problem mit den Ex-Vorständen zu lösen.

FrankfurtDas Angebot ist bitter-süß: Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, hat elf ehemaligen Mitgliedern der Geschäftsführung im Streit um Bonuszahlungen einen Kompromiss angeboten. Boni, die erst später auszahlungsreif werden, sollen ausgezahlt werden – allerdings nur, wenn die Manager gleichzeitig den Anspruch auf die zuvor von der Bank einbehaltenen Zahlungen aufgeben.

Der Vorschlag soll nicht bei allen Beteiligten auf Gegenliebe stoßen, wie drei mit dem Vorgang vertraute Personen berichten. Insbesondere die Ex-Vorstände, bei denen der Anteil an den ausgesetzten Bonuszahlungen höher ist, sollen Widerstand leisten. Auch herrsche Uneinigkeit über den Gesamtbetrag der Bonuszahlungen, auf die die Gruppe verzichten würde. Ebenfalls uneins sei man beim jeweiligen Anteil der einzelnen Personen, so ein Insider. Allerdings wolle sich die Bank mit allen ehemaligen Vorständen gleichzeitig einigen.

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Achleitner versucht schon seit längerem, die ehemaligen Führungskräfte dazu zu bewegen, sich an den Strafen der Bank ihr Fehlverhalten zu beteiligen. Die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme ab und verwies auf die Aussagen des Aufsichtsratschefs auf der Hauptversammlung. Dort hatte Achleitner gesagt: „Der Aufsichtsrat unter meiner Führung ist intensiv dabei, die Vergangenheit und auch die Verantwortung der zu dieser Zeit Amtierenden aufzuarbeiten.“ Unzählige Anwälte – Spezialisten unter anderem für deutsches, englisches, italienisches und amerikanisches Recht – haben Skandale von den Zinsmanipulationen bis hin zum Geldwäscheskandal in Russland durchleuchtet. Sie sollen prüfen, ob die Bank von Ex-Vorständen Boni rückerstatten oder Schadensersatz fordern lassen kann.

Bis Mitte Mai war diese Untersuchung noch nicht vollständig abgeschlossen. Doch womöglich werde es eine freiwillige Lösung geben, deutete Achleitner damals an. „Wir befinden uns in konstruktiven Gesprächen mit den seinerseits amtierenden Vorstandsmitgliedern, ob diese freiwillig zur Leistung eines wesentlichen finanziellen Beitrags bereit sind. Nach Erwartung des Aufsichtsrates wird es hierzu in den nächsten Monaten eine Regelung geben, die einen wesentlichen Finanzbeitrag der Betroffenen sicherstellt“, so Achleitner.

Auf eine Frage von einem Aktionär bei der Hauptversammlung antwortete Achleitner, dass die Bank derzeit Prämien im Wert von 7,27 Millionen Euro (8,14 Millionen US-Dollar) sowie 161.029 Aktien von Ex-Co-Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain einbehalten haben. 4,64 Millionen Euro in Bar und 124.160 Aktien wurden dem Ex-Vorstandschef Josef Ackermann vorenthalten. Achleitner hatte damals keine anderen ehemaligen Vorstandsmitglieder benannt, noch hat er angegeben, wie hoch die Bonussumme insgesamt ist, die zurückbehalten wurde.

Deutschlands größtes Geldhaus musste allein seit 2012 fast 15 Milliarden Euro für die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten ausgeben. Einer der teuersten Skandale war der US-Hypothekenstreit, der mit sieben Milliarden Dollar zu Buche schlug. Zunächst hatte sogar eine doppelt so hohe Strafe im Raum gestanden, was im vergangenen Herbst diesseits des Atlantiks große Sorgen um die Widerstandskraft der Bank und eine öffentliche Debatte um Staatshilfe auslöste. Es folgte ein dramatischer Absturz an der Börse.

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In ihrem Geschäftsbericht 2015 hatte die Bank die Entscheidung bekanntgegeben, die Boni für zehn ehemalige Vorstandsmitglieder und eines Amtsinhabers einzufrieren. Genannt wurden Jürgen Fitschen, Anshu Jain, Stefan Krause, Stephan Leithner, Rainer Neske, Henry Ritchotte und Stuart Lewis, der noch immer im Vorstand sitzt.

Der Vorschlag würde vorsehen, dass die Manager auf die von der Bank einbehaltenen Bonuszahlungen verzichten. Im Gegenzug müssten sie kein Fehlverhalten einräumen und die Bank verzichte auf das Recht, von ihnen Schadenersatz zu fordern, erfuhr Bloomberg von drei Personen. Doch eine Einigung ist kompliziert: Betroffene Ex-Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank seien von den Aussagen Achleitners auf der Hauptversammlung überrascht gewesen, verlautete es aus den Kreisen. Hugo Bänziger, der von 2006 bis 2012 Risikovorstand war, erklärte anschließend in einem Zeitungsinterview, er habe in den neun Monaten vor der Hauptversammlung keinen Kontakt mit Achleitner gehabt.

Die Verhandlungen zwischen der Deutschen Bank und einigen früheren Vorständen wurden wieder aufgenommen und haben sich nach Aussage von zwei unterrichteten Personen seit dem Aktionärstreffen intensiviert. Ein großer Teil der Boni wird im August fällig, was den ehemaligen Managern einen Anreiz liefere, vorher eine Vereinbarung zu erzielen, erklärte eine Person.

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