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20.06.2015

13:04 Uhr

Bonitätsprüfung

Genossenschaftliche Banken machen es den privaten vor

Nicht die Deutsche Bank, nicht die Commerzbank – zwei genossenschaftliche Institute bekommen von Moody's die besten Noten. Die Agentur überprüfte die Bonität nahezu aller Geldhäuser. Schlusslicht bleibt eine Landesbank.

Bei der Bonität schneiden genossenschaftliche Institute wie die DZ Bank besser ab als zum Beispiel die Deutsche Bank. Reuters

Skyline von Frankfurt

Bei der Bonität schneiden genossenschaftliche Institute wie die DZ Bank besser ab als zum Beispiel die Deutsche Bank.

Die deutschen Landesbanken und Genossenschaftsbanken bekommen von der Ratingagentur Moody's überwiegend bessere Noten. Die beiden genossenschaftlichen Spitzeninstitute DZ Bank und WGZ Bank sind für Moody's nun die am besten bewerten deutschen Banken, wie die Ratingagentur in der Nacht zum Samstag nach einer grundlegenden Überprüfung nahezu aller deutschen Kreditinstitute mitteilte. DZ und WGZ wurden um je zwei Noten hochgestuft und erreichen mit „Aa2“ die drittbeste Bewertung auf der 21-stufigen Bonitätsskala von Moody's für die langfristigen Schulden. Auch die Sparkassen-Finanzgruppe insgesamt wird – wie bisher – mit „Aa2“ bewertet.

Der Sparkassen-Fondsdienstleister Dekabank und die genossenschaftliche Apobank kommen auf „Aa3“ und sind damit eine Note besser als bisher. Die Volkswagen Bank rückt zwei Bonitätsstufen nach oben und erreicht ebenfalls „Aa3“. Dagegen muss die Deutsche Pfandbriefbank (pbb) kurz vor dem geplanten Börsengang einen Rückschlag hinnehmen: Sie wird um zwei Noten auf „Ba1“ herabgestuft. Grund ist ihre bevorstehende Privatisierung. Aus eigener Kraft hätte sich der aus der vom Staat geretteten Hypo Real Estate hervorgegangene Immobilienfinanzierer zwar um zwei Noten verbessert. Doch sei es unwahrscheinlich, dass die Bundesregierung der verkleinerten pbb im Notfall noch einmal helfen würde.

Anlass für die Neueinstufungen der meisten deutschen Banken waren unter anderem die veränderten Regelungen der Europäischen Union (EU) zu Staatshilfen für Banken. In einem Notfall sollen künftig zunächst die Gläubiger der Institute bluten, erst ganz am Ende könnte noch der Staat einspringen. Die Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P) und Fitch hatten darauf kürzlich mit Herabstufungen der meisten Institute reagiert.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Bei Moody's erhalten sie dagegen unter dem Strich bessere Bewertungen. Volks- und Raiffeisenbanken und Sparkassen seien weiterhin so wichtig für die Gesamtwirtschaft, dass sie in einer Krise mit staatlicher Hilfe rechnen könnten - wenn auch nicht in so starkem Maß wie bisher. Den Mitgliedern der beiden Verbünde komme zudem zugute, dass sie sich untereinander helfen könnten. Durch wachsende Eigenkapitalpolster sei die Fähigkeit dazu noch größer geworden. Moody's ist das einige Pluspunkte wert.

Von den Landesbanken wurden LBBW (A1) und Helaba (A1) um je eine Note hochgestuft, die BayernLB (A3), die NordLB (A3), HSH Nordbank (Baa3) und die sparkasseneigene Landesbank Berlin (A1) behalten ihre Noten. Die HSH bleibt mit ihrer mittelmäßigen Bonität das Schlusslicht unter den deutschen Großbanken.

Die Commerzbank hält sich in den Augen von Moody's bei „Baa1“, der achtbesten Note, obwohl sie nur noch mit mäßiger staatlicher Unterstützung rechnen könnte. Die HypoVereinsbank (HVB) wird mit „A3“ eine Note besser eingestuft als bisher und hat damit zwei Skalenpunkte Vorsprung vor ihrem italienischen Mutterkonzern UniCredit. Das Rating der Deutschen Bank hatte Moody's bereits Ende Mai mit „A3“ bestätigt.

Von

rtr

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