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07.10.2011

10:41 Uhr

Bonuszahlungen

Manager wünschen sich höhere Festgehälter

In guten Jahren können sich Manager über dicke Bonuszahlungen freuen. In der Krise wurden diese zum Teil kräftig gestutzt. Um diesen Schwankungen zu entgehen, fordern viele nun höhere Festgehälter.

Die Freude über Bonuszahlungen ist nicht bei allen Managern groß. Laut einer Studie lehnen 84 Prozent der Führungskräfte eine Anhebung des Bonusanteils auf Kosten des Festgehalts ab. Nils Fliegner

Die Freude über Bonuszahlungen ist nicht bei allen Managern groß. Laut einer Studie lehnen 84 Prozent der Führungskräfte eine Anhebung des Bonusanteils auf Kosten des Festgehalts ab.

Eine wahre Achterbahnfahrt in Sachen Boni haben viele deutsche Manager in den letzten Jahren erlebt. Erhielt zum Beispiel Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann 2007 noch zusätzlich zu seinem Grundgehalt von rund 1,2 Millionen Euro eine üppige Prämie von 12,6 Millionen Euro, brachte er in 2008 gerade mal das Fixum nach Hause. Trotz anhaltender Finanz- und Wirtschaftskrise stieg dann der Bonus des Bankers wieder steil an: Auf 8,2 Millionen Euro belief sich Ackermanns variabler Anteil 2009, in 2010 erhielt er mit 4,65 Millionen Euro dagegen von seiner Vorjahrestantieme nur noch gut die Hälfte. Ein ähnliches Auf und Ab ihrer Boni beobachteten auch Chefs von anderen DAX-Konzernen wie Dieter Zetsche von Daimler oder Martin Winterkorn von VW.

Was Spitzenkräfte der deutschen Wirtschaft erlebten, setzte sich auf den nachgeordneten Management-Rängen fort. Weiter unten in der Managerhierarchie verschärften sich allerdings dadurch mitunter die Existenzbedingungen: So hat Projektmanager Michael Müller* (Name von der Redaktion geändert), der in einem guten Jahr gut 100.000 Euro brutto bei einem großen deutschen Softwareberatungshaus verdient, schon zum zweiten Mal in zehn Jahren nur sein Festgehalt von derzeit rund 55.000 Euro nach Hause gebracht.

Grund für die Beinah-Halbierung des Einkommens: die Kundenaufträge brachen in der Wirtschaftskrise weg, die Auslastung des IT-Spezialisten ließ zu wünschen übrig. Müller erreichte seine Zielvorgabe von 180 Tagen Einsatz bei Kunden nicht. Dementsprechend tendierte sein variabler Gehaltsanteil gegen Null. „Früher machten mir solche Schwankungen nichts aus, ich rechnete nur mit dem Grundgehalt, ein eventueller Bonus floss immer gleich in meine Altersvorsorge“, sagt der 38-Jährige Manager von etwa 20 Mitarbeitern. Aber inzwischen hat der Wirtschaftsingenieur Frau und Kind und denkt auch über einen Hausbau nach, „da brauche ich mehr Kalkulationssicherheit.“

Auf Achterbahnfahrt- Bonusentwicklung für Abteilungsleiter von 2008 bis 2011.

Auf Achterbahnfahrt- Bonusentwicklung für Abteilungsleiter von 2008 bis 2011.

Bei insgesamt 40 Prozent von über 4500 befragten Führungskräften fiel der Bonusanteil wie bei IT-Manager Müller im Jahre 2010 geringer aus als im Vorjahr, als nur ein Viertel von ihnen weniger verdiente. Eine aktuelle Gehaltsstudie durch den Berufsverband „Die Führungskräfte“, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, ergab, dass Bank-Manager besonders gebeutelt waren. Sie mussten im Schnitt Gehaltseinbußen von 23.000 Euro hinnehmen. Auf Platz zwei folgten die Führungskräfte der Autoindustrie mit 19.000 Euro und Stahlmanager mit 16.000 Euro Boni-Einbussen.

„Das Thema Entlohnung ist für viele Unternehmen ein heißes Eisen. Auf breiter Front wird daran gegangen, die Vergütungssysteme neu zu ordnen“, sagt Hans-Georg Blang, Mitglied der Geschäftsleitung der Management-Beratung Kienbaum. Ob Maschinen-, Anlagebau oder Autohersteller – „etwa 70 bis 80 Prozent der klassischen deutschen Industrieunternehmen haben Handlungsbedarf“, schätzt der Experte.

Kommentare (13)

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Philipp

07.10.2011, 11:19 Uhr

Soll das ein Witz sein ??? Zitat : "Weiter unten in der Managerhierarchie verschärften sich allerdings dadurch mitunter die Existenzbedingungen". Der gute Mann bringt nun statt knapp 8.300,- € "nur" noch knapp 4.600,- € monatlich mit nach Haus. Soll ich nun Mitleid mit ihm haben ?!? Vielleicht fragen Sie mal einen einfachen kaufmännischen Angestellten oder Maurergesellen ob der 4.600,- € monatlich verdient und wie der dann Frau, Kind und Haus bezahlt !

Neid

07.10.2011, 12:28 Uhr

@Philipp
Wir können jetzt gerne eine Neiddiskussion vom Zaun treten. Meiner Meinung nach ist es logisch das Akademiker und sonstige hochqualifizierte Mitarbeiter anders entlohnt werden. Egal wie hoch ein Einkommen ist ein Schnitt um 30-50 % ist nie leicht zu verkraften

MaWo

07.10.2011, 12:33 Uhr

@ Neid,
warum muss das in eine Neiddebatte münden?
Ein ordentliches Gehalt von dem Steuern und Sozialabgaben gezahlt werden - dann wäre doch alles in Ordnung.
Bonizahlung müssten allerdings mit Haftungsübernahme gekoppelt sein.

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