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13.01.2005

08:21 Uhr

Branchenvertreter fordern Berücksichtigung der spezifischen Geschäftsmodelle bei neuen Vorschriften

Versicherer fürchten falsche Bilanzierung

VonCaspar Dohmen (Handelsblatt)

Die Versicherungswirtschaft fordert bei der Umsetzung der neuen internationalen Rechnungslegungsvorschriften International Financial Accounting Standards (IFRS) eine angemessene Berücksichtigung ihres spezifischen Geschäftsmodells.

ZÜRICH. Dies betonten am Mittwoch übereinstimmend Vertreter der vier Versicherungsverbände aus Deutschland, Schweiz, Österreich und Liechtenstein in Zürich.

Dabei eint sie die Ablehnung einer in ihren Augen überzogenen Anwendung des so genannten Fair- Value-Prinzips in den Rechnungslegungsvorschriften. „Hier droht eine künstliche Volatilität der Rechnungsabschlüsse“, sagte Susanne Kanngiesser, Leiterin der Allianz- Rechnungslegung. Beim Fair-Value- Ansatz werden grundsätzlich die künftigen Mittelflüsse anhand der Markterwartungen ermittelt und mit einem marktüblichen Diskontsatz diskontiert.

Dies würde in der Praxis beispielsweise bedeuten, dass die Gewinne aus einem über Jahrzehnte laufenden Lebensversicherungsvertrages bereits im Jahr des Vertragsabschlusses in der Bilanz berücksichtigt werden müssten. „Dies wäre unangemessen“, sagte der Finanzvorstand der Wiener Uniqua Versicherungen, Hannes Bogner.

Nach Ansicht von Hans-Jürgen Säglitz, Leiter Rechungslegung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), sollte eine Formel gefunden werden bei der Risiken wie Langlebigkeit, Kündigung oder Kapitalanlageerträge angemessen bei der Gewinnerwartung berücksichtigt werden könnten. Bisher haben die Versicherer aber noch kein geeignetes Modell gefunden. „Wir stehen erst am Anfang eines längeren Prozesses“, sagte Hans Haumer, Verwaltungsratspräsident der Capital Lebensversicherung. Die Verhandlungen der Versicherer mit dem International Accounting Standard Board (IASB) dürften sich über einige Jahre hinziehen. Eingeführt werden könnten sie komplett frühestens im Jahr 2009. Die nächsten Beratungen finden im Februar in London statt.

Die Hauptaufgabe des IASB ist die Erarbeitung und Harmonisierung weltweit gültiger Rechungslegungsvorschriften. Bereits für 2005 mussten in der Europäischen Union rund 7 000 börsennotierte Unternehmen für ihre Konzernabschlüsse auf IFRS umstellen. Für die Einzelgesellschaften sind weiter lokale Rechnungslegungsvorschriften wie HGB anwendbar.

Für die Versicherer wurde ein zweistufiger Einführungsprozess für IFRS vereinbart. Seit Anfang 2005 gilt die erste Phase, ab der einheitlich definiert ist, was ein Versicherungsvertrag ist. Erst ab der zweiten Phase wird eine einheitliche Bewertung von Versicherungsrisiken gelten. Erst nach Umsetzung des Gesamtpakets dürfte die gewünschte höhere Transparenz in der Assekuranz hergestellt worden sein. Im derzeitigen Stadium sei eine Vergleichbarkeit zwischen den Abschlüssen von Versicherungsunternehmen sehr schwierig, sagte Kanngießer.

Die gravierendsten Auswirkungen für die Versicherer gibt es in den IFRS-Regelungen durch das Verbot von Schwankungsrückstellungen. Demnach werden außergewöhnlich hohe Schäden künftig direkt auf das Eigenkapital durchschlagen. Diesen Effekt halten die Branchenvertreter für sinnvoll, weil es sich um wirkliche Schäden handelt.

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