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03.04.2006

18:00 Uhr

Breuers Abgang

Machtgewinn für Ackermann

Ernüchterung bei den Freunden des ehemaligen „Mr. Finanzplatz“ Rolf Breuer. Noch herrscht Rätselraten, welche Bedeutung der nun endgültige Abgang Breuers für den Standort Deutschland haben könnte. Nur ein Gewinner steht bereits fest: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

Gewinner der neuen Entwicklung? Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Foto: dpa

Gewinner der neuen Entwicklung? Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Foto: dpa

HB FRANKFURT. Der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größtem Geldhaus dürfte Branchenkennern zufolge künftig über noch mehr Macht und Spielraum verfügen. Kenner beschreiben das Verhältnis von Ackermann und Breuer als nicht unbedingt herzlich, aber von „professioneller Achtung“ geprägt - auch wenn das nicht immer so wirkte.

Es ist erst wenige Monate her, dass Breuer seinen Vorstandschef in die Bredoullie brachte. Ohne Not spekulierte der 68-Jährige über die Nachfolge Ackermanns, der das Urteil des Bundesgerichtshofs im Mannesmann-Prozess erwartete: „Ich habe meine Denkkappe auf“, sagte er in einem Interview. Der ohnehin angeschlagene Schweizer wurde so vorübergehend zum Vorstandschef auf Abruf. „Ich glaube, dass Herr Ackermann künftig von Herrn Börsig nicht mit solchen Äußerungen rechnen muss“, sagt Klaus Schneider, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Clemens Börsig, der designierte Nachfolger Breuers, ist derzeit noch Ackermanns Finanzvorstand.

2004, als die Deutsche Bank mit einem Kauf der Postbank liebäugelte, pries Breuer eine Übernahme im Inland als den „richtigen Schritt“. Ackermann entschied sich dagegen. Schon vorher hatten der Schweizer und seine Investmentbanker einmal Breuers Strategie durchkreuzt und sich gegen die im Frühjahr 2000 angedachte Übernahme der Dresdner Bank gestemmt. „Breuers Weggang ist ein weiterer Schritt in Richtung des angelsächsisch geprägten Investmentbank-Lagers“, sagt ein Kenner des Instituts.

Andere warnen davor, die Auswirkungen von Breuers Rückzug zu überschätzen. „Wo soll da noch Macht wachsen?“, sagt eine Person aus dem Umfeld der Bank. Tatsächlich hat Ackermann mit dem Group Executive Committee (GEC) die Führungsstruktur bereits komplett auf sich zugeschnitten. Zudem trägt er als erster Lenker der Bank den Titel „Vorstandsvorsitzender“ - seine Vorgänger waren lediglich „Vorstandssprecher“.

Klar ist, dass Breuers Rückzug nicht Folge von Meinungsverschiedenheiten mit Ackermann ist. Der stets braun gebrannte Banker zieht die Konsequenz aus dem seit Jahren schwelenden Rechtsstreit mit dem gescheiterten Medienunternehmer Leo Kirch. Im Januar hatte der BGH entschieden, dass die Bank und eben auch Breuer im Grundsatz eine Mitverantwortung für den Zusammenbruch des Medienkonzerns 2002 tragen. Kirch droht mit einer Klage über bis zu 1,5 Milliarden Euro Schadenersatz. Breuer hat nach Ansicht des des 79-Jährigen kurz vor der Pleite seine Kreditwürdigkeit in Frage gestellt und damit den Zusammenbruch absichtlich ausgelöst.

Breuer sei klar gewesen, dass Kirch nach der Entscheidung des BGH erneut Befangenheitsanträge auf der Hauptversammlung gestellt hätte. „Das hätte dann die HV dominiert und das wollte er nicht“, hießt es im Umfeld der Deutschen Bank. Ein Analyst formuliert es anders: „Da hätte es für Breuer einmal mehr volle Breitseite gegeben.“ Schon im vergangenen Jahr wollte Kirch seinen Erzfeind Breuer als Versammlungsleiter abberufen.

Insofern birgt der Rücktritt Breuers noch einen weiteren Vorteil für Ackermann: Die Bank könnte in dem Streit mit Kirch jetzt zumindest in der Öffentlichkeit in den Hintergrund treten. Denn dieser hat deutlich gemacht, dass der Rechtsstreit auch eine persönliche Komponente hat. „Erschossen hat mich der Rolf“, sagte er einmal. Damit wird die Auseinandersetzung vielleicht zu dem, was sie heute in den Augen eines Analysten schon ist: „Eine Privatfehde zweier älterer Herren.“

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