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05.04.2016

18:46 Uhr

Brexit-Folgen

Billionenschwerer Handel in London vor dem Aus

Stimmen die Briten für den Brexit, dürfte die EZB den Euro-Handel nach Kontinentaleuropa holen. Dabei ist der klassische Devisenhandel – also der Tausch von Euro in Dollar oder Franken – eher unwichtig.

Ein Boot fährt am Ufer des Bankenviertels Canary Warf in London vorbei. Sollte es zum Brexit kommen, dürften viele Banken ihre Zentrale von der britischen Hauptstadt nach Kontinentaleuropa verlegen. dpa

Banken in London

Ein Boot fährt am Ufer des Bankenviertels Canary Warf in London vorbei. Sollte es zum Brexit kommen, dürften viele Banken ihre Zentrale von der britischen Hauptstadt nach Kontinentaleuropa verlegen.

Frankfurt/LondonAm Finanzplatz London geht die Brexit-Angst um: Stimmen die Briten beim Referendum am 23. Juni gegen einen Verbleib in der Europäischen Union, droht dem billionenschweren Euro-Handel an der Themse das Ende. „Bei einem Austritt Großbritanniens aus der EU können die Behörden der Euro-Zone nicht länger tolerieren, dass ein großer Anteil von Finanztransaktionen im Ausland abgewickelt wird“, betont Christian Noyer, ehemaliger Vize der Europäischen Zentralbank (EZB).

„Für die Mitglieder der Euro-Zone ist es bereits jetzt schwer zu akzeptieren, dass unsere Währung zum Großteil außerhalb der Währungsgemeinschaft und damit außerhalb der Kontrolle der EZB gehandelt wird“, schreibt der frühere französische Notenbankchef in einem Beitrag für die Denkfabrik OMFIF.

„Es wäre außergewöhnlich, wenn die EZB zulassen würde, dass ihr Geld weiterhin außerhalb ihrer Kontrolle gehandelt wird“, assistiert Graham Bishop, ein Berater in Fragen der Finanzmarkt-Regulierung. Diese Ansicht teilt auch Nicholas Vernon, Experte für die Finanzdienstleistungsbranche bei der Denkfabrik Bruegel. Der Status Quo sei zwar durch die europäischen Verträge gedeckt. „Wenn der EU-Rahmen aber nicht mehr vorhanden ist, kann diese Sonderrolle nicht mehr aufrechterhalten werden.“

Von den aktiven Notenbankern würde es wohl keiner öffentlich zugeben - das Thema ist schließlich politisch heikel. Hinter vorgehaltener Hand sehen sie es aber genauso. Es wäre die Gelegenheit, einen Geburtsfehler der Gemeinschaftswährung zu korrigieren.

Dabei ist der klassische Devisenhandel - also der Tausch von Euro in Dollar oder Franken - nicht das eigentliche Problem. Wichtiger und vom Volumen viel umfangreicher sind die Termingeschäfte darum herum. Der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zufolge werden mehr als die Hälfte der weltweiten Zinsterminkontrakte im Gesamtvolumen von jährlich 435 Billionen Dollar (383 Billionen Euro) über LCH.Clearnet, eine Tochter der Londoner Börse LSE, abgewickelt. Das ist mehr als das Fünffache der weltweiten Wirtschaftsleistung.

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