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19.01.2017

18:32 Uhr

Brexit-Strategie

Banker befürchten größere Jobverlagerung als gedacht

Nach der „harten“ Brexit-Ankündigung der britischen Regierung mehren sich die Meldungen über Umzüge von Banken. Erste Top-Banker äußern sich jetzt – einige bestätigen Umzüge im großen Stil, andere beschwichtigen.

Das Londoner Bankenviertel könnte mit dem Brexit leerer werden. AFP; Files; Francois Guillot

Hochhaus „The Shard“ in der City of London

Das Londoner Bankenviertel könnte mit dem Brexit leerer werden.

Die großen Banken werden wegen des Brexits wohl Tausende Mitarbeiter aus London abziehen. Die Schweizer UBS und die britische HSBC haben nun konkrete Zahlen genannt. Auch bei anderen Geldhäusern reifen die Umzugspläne, etwa bei den US-Amerikanern von Goldman Sachs. Die Banken wollen damit sicherstellen, dass sie ihre Finanzprodukte auch nach einem Brexit im EU-Binnenmarkt anbieten können.

Etwa 20 Prozent des Handelsgeschäfts werde vermutlich nach Paris verlagert, sagte HSBC-Chef Stuart Gulliver dem Nachrichtensender Bloomberg TV beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Auch UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber kündigte an, etwa 1000 Jobs an andere Standorte zu verschieben, sollte Großbritannien keinen Zugang zum Binnenmarkt erhalten. Goldman Sachs wird seine Mitarbeiterzahl in London auf voraussichtlich 3000 etwa halbieren und das Frankfurter Geschäft umorganisieren, wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr. Am Main soll demnach eine europäische Aktiengesellschaft entstehen. Die Schweizer UBS hat eine solche SE bereits Ende 2016 registriert.

Großbritanniens Optionen nach dem Brexit

Zollunion

Großbritannien könnte es machen wie die Türkei und der Zollunion beitreten. Dadurch würden die Zölle wegfallen und die Handelsabkommen mit der EU behielten bestand. Andererseits wäre London aber dabei eingeschränkt, eine eigene Handelspolitik zu betreiben, da man sich an den gemeinsamen Zolltarif halten müsste. Ob dies den Briten gefallen würde, bleibt fraglich. Immerhin folgt die Brexit-Entscheidung dem Ruf nach völliger nationaler Souveränität.

Europäischer Wirtschaftsraum (EWR)

Der Europäische Wirtschaftsraum (EWR) umfasst derzeit 31 Länder. Die teilnehmenden Staaten haben gemeinsame Aufsichtsbehörden, Gerichte und Regeln. Zudem gelten die vier Binnenmarktfreiheiten beim Waren-, Personen-, Dienstleistungen- und Kapitalverkehr. Allerdings will die britische Regierung weder der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes unterliegen noch die Kontrolle über die Immigration abgeben.

Der „Schweizer Weg“

Am liebsten wäre der englischen Regierung wohl ein Modell wie der „Schweizer Weg“. So könnten für die einzelnen Wirtschaftsbereiche maßgeschneiderte Abkommen ausgehandelt werden. Die EU hat allerdings schon durchblicken lassen, eine derartige Lösung abzulehnen.

Freihandelsabkommen

Die wahrscheinlichste Option ist für die Briten wohl ein gesondert ausgehandeltes Freihandelsabkommen, wie es zwischen der Europäischen Union und Kanada (Ceta) vereinbart wurde. Damit würden die Briten ihre durch den Brexit forcierte Unabhängigkeit behalten und könnten spezielle, aber umfassende Handelsbedingungen im Gespräch mit der EU festlegen.

Die UBS betreibt ihr EU-Geschäft aus Frankfurt heraus. Noch gelte es abzuwarten, was bei einem Brexit-Deal herauskomme, doch man müsse für alle Fälle planen, sagte Weber der BBC. „Wir haben das größtenteils bereits gemacht.“

Bei HSBC passiert der Umzug ebenfalls nicht über Nacht. Das britische Geldhaus besitze in Frankreich die Geschäftsbank CCF und könne daher recht langsam vorgehen, sagte Gulliver. Andere Wettbewerber, die keine Töchter auf dem Kontinent hätten, müssten schneller agieren. JPMorgan-Chef Jamie Dimon erklärte, die US-Großbank müsse vielleicht mehr Jobs verlagern als er gehofft habe. Eine genaue Zahl nannte er in Davos nicht.

Eine Goldman-Sprecherin kommentierte die Umzugspläne noch zurückhaltend: „Wir beobachten die Entwicklungen weiterhin und haben noch keine Entscheidung bezüglich einer möglichen Verlagerung von Arbeitsplätzen getroffen.“ Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein sagte in Davos, sein Haus werde nicht alle in London wegfallenden Stellen an einem Ort konzentrieren.

Die Briten hatten im Sommer für einen EU-Austritt gestimmt. Ihre Premierministerin Theresa May sagte am Dienstag in einer Grundsatzrede zum Brexit, Großbritannien werde aus dem EU-Binnenmarkt ausscheiden. May will stattdessen einen umfassenden Freihandelsvertrag mit der EU schließen. Auch der Zollunion in ihrer bisherigen Form will Großbritannien nicht mehr angehören.

Banken brauchen für Dienstleistungen in der EU rechtlich selbstständige Tochterbanken mit Sitz in einem EU-Staat. Derzeit können sie grenzüberschreitend größtenteils frei agieren. Der geplante Brexit lässt aber – je nach Deal – zweifeln, ob Banken ihre Geschäfte künftig uneingeschränkt von der Insel aus weiterführen können.

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Die Brexit-Strategie der britischen Regierung forciert die Umzugspläne der Banken: Goldman Sachs wird die Jobs in London wohl halbieren, Frankfurt stärken und dort eine Europa-Bank gründen. HSBC gibt Paris den Vorzug.

Auch Barclays-Chef Jes Staley kündigte an, dass seine Bank Teile ihres Geschäfts künftig von Deutschland oder Irland aus machen könnte. „Wir werden wohl bestimmte Aktivitäten verschieben müssen“, sagte Staley in einem BBC-Interview am Donnerstag. Der Großteil der Aktivitäten werde in Großbritannien bleiben, aber Deutschland und Irland seien „die Optionen, die wir uns anschauen“.

Die Commerzbank hat ihr Investmentbanking in London schon stark gekürzt und die US-Bank Citigroup will hunderte Arbeitsplätze nach Dublin verlagern. Neben Frankfurt und Paris wurden auch Madrid und Amsterdam als mögliche EU-Standorte für Banken gehandelt. HSBC-Chef Gulliver hatte bereits vor dem Brexit-Entscheid der Briten geschätzt, dass rund 1000 HSBC-Mitarbeiter aus London abgezogen werden müssten.

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